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Lästling

Große Winkelspinne

Im September huscht eine große braune Spinne über den Teppich, am nächsten Morgen sitzt eine in der Badewanne und kommt nicht mehr heraus. Fast immer ist das die Große Winkelspinne, die häufigste große Hausspinne in Deutschland. Sie ist ungefährlich, überträgt keine Krankheiten und richtet keinen Schaden an. Gegen sie hilft kein Spray, sondern ein Glas, eine Pappe und ein paar bauliche Handgriffe.

Große Winkelspinne erkennen

Weibchen messen 11 bis 18 mm Körperlänge, Männchen 10 bis 14 mm bei längeren Beinen. Die Beinspannweite liegt meist bei 5 bis 8 cm, kräftige Tiere erreichen 10 cm. Die Färbung ist graubraun bis rotbraun, der Vorderkörper trägt zwei dunkle Längsbänder, der Hinterleib eine helle Sparrenzeichnung. Männchen tragen keulenförmig verdickte Taster vor dem Kopf.

  • Flaches Deckennetz mit trichterförmiger Wohnröhre in der Ecke; es klebt nicht, sondern lässt Beutetiere stolpern
  • Typische Netzplätze: Kellerabgang, Garage, Gartenhaus, Rollladenkasten, hinter Regalen und Schränken
  • Tiere in Badewanne oder Waschbecken, die an der glatten Wand nicht hochkommen

Die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) bleibt mit 7 bis 11 mm kleiner und blasser. Die Große Zitterspinne hat fadendünne Beine und ein Wirrnetz, der Weberknecht und die maskenartig gezeichnete Nosferatu-Spinne bauen gar kein Netz. Wer nachts etwas sehr Schnelles mit auffällig vielen Beinen über die Badfliesen laufen sieht, hat dagegen meist den Spinnenläufer vor sich.

Lebensweise

Die Winkelspinne sitzt in ihrer Wohnröhre und wartet auf Erschütterungen der Fäden. Registriert sie Beute, schießt sie heraus, beißt zu und zieht das Opfer in die Röhre. Auf dem Speiseplan stehen Fliegen, Mücken, Silberfischchen und junge Schaben. Auf kurzer Strecke schafft sie rund einen halben Meter pro Sekunde und gehört zu den schnellsten Spinnen überhaupt.

Weibchen sind ortstreu und verlassen ihr Netz kaum. Die Herbstinvasion geht allein auf die Männchen zurück: Sie werden im Spätsommer geschlechtsreif und laufen wochenlang auf Partnersuche durch Keller, Flure und Wohnzimmer. Mit einbrechender Kälte hat das nichts zu tun, die Tiere lebten vorher schon im Gebäude. Nach der Paarung hängt das Weibchen linsenförmige Eikokons mit je 40 bis 100 Eiern ins Netz. Männchen sterben wenige Wochen später, Weibchen werden in Gebäuden drei Jahre und älter.

Schäden und Risiken

Materielle Schäden gibt es keine. Die Winkelspinne geht weder an Vorräte noch an Textilien oder Holz und überträgt keine Krankheiten. Bisse kommen praktisch nur vor, wenn ein Tier festgehalten oder eingeklemmt wird. Die Kieferklauen können menschliche Haut durchdringen, die Wirkung bleibt aber örtlich: kurzes Brennen, eine kleine Rötung, nach wenigen Stunden vorbei. Medizinisch bedeutsame Giftspinnen gibt es in deutschen Wohnungen nicht.

Das reale Risiko sind Panikreaktionen: Stürze beim hastigen Ausweichen verletzen mehr Menschen als jeder Spinnenbiss.

Vorbeugen

  • Fliegengitter anbringen, Lichtschächte mit engmaschigem Gitter abdecken, Türspalten mit Bürstendichtung schließen
  • Außenlicht nachts ausschalten oder auf warmweiße Leuchtmittel wechseln, dann kommen weniger Beuteinsekten ans Haus
  • Brennholz und Steinstapel mindestens einen Meter von der Hauswand abrücken
  • Zimmerecken und Lichtschächte regelmäßig absaugen; wo Netze nicht halten, ziehen die Tiere weiter

Bekämpfen

Am schnellsten hilft das Umsetzen von Hand: Glas über das Tier stülpen, Postkarte darunterschieben, hinaustragen. Anders als die Zitterspinne kommt sie im Freien zurecht, im Winter setzen Sie sie besser in Garage oder Schuppen.

Hausmittel wie Kastanien, Lavendel oder Essig halten Spinnen nicht fern, Ultraschallstecker ebenso wenig. Spinnensprays und Vernebler bringen nur kurz Ruhe, weil aus Keller und Umgebung sofort neue Tiere nachlaufen.

Wichtig: Bei einer harmlosen Hausspinne ist der Griff zur Chemie unnötig und belastet nur die Raumluft. Wer dennoch sprüht: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Hängen Sie abends ein Handtuch über den Wannenrand. Spinnen fallen nachts hinein und kommen an der glatten Wand nicht mehr hoch, über den Stoff klettern sie selbst wieder heraus. Aus dem Abfluss kommen sie übrigens nicht, der Siphon steht voll Wasser.

Wann zum Profi?

Wegen der Winkelspinne allein braucht es keinen Schädlingsbekämpfer. Eine Kontrolle lohnt sich, wenn auffällig viele Spinnen und Netze auftreten: Das zeigt ein großes Insektenangebot im Haus, etwa durch Feuchtigkeit, Fliegen oder Schaben. Bekämpft wird dann die Beute.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Ist die Große Winkelspinne giftig?

Sie besitzt Gift, das auf Insekten wirkt und für Menschen belanglos ist. Bisse kommen fast nur vor, wenn man ein Tier festhält oder einklemmt. Sie brennen kurz und hinterlassen allenfalls eine kleine Rötung, die nach wenigen Stunden verschwindet. Kühlen und sauber halten reicht aus.

Warum sind im Herbst plötzlich so viele Spinnen im Haus?

Weil die Männchen im Spätsommer geschlechtsreif werden und auf Partnersuche gehen. Sie verlassen ihre Netze und laufen wochenlang durch Keller, Flure und Wohnräume, oft abends bei Licht. Die Spinnen wandern also nicht wegen der Kälte ein, sie lebten schon vorher im Gebäude.

Wie kommt die Spinne in die Badewanne?

Nicht durch den Abfluss. Der Siphon ist mit Wasser gefüllt und für Spinnen nicht passierbar. Die Tiere laufen nachts über den Wannenrand, rutschen an der glatten Fläche ab und kommen nicht mehr heraus. Ein über den Rand gehängtes Handtuch löst das Problem dauerhaft.

Helfen Kastanien oder Lavendel gegen Spinnen?

Nein, für diese Hausmittel gibt es keinen Wirknachweis, ebenso wenig für Ultraschallgeräte. Wirksam ist die Kombination aus Netze absaugen, Zugänge abdichten und Beuteinsekten reduzieren. Wer nachts das Außenlicht ausschaltet, lockt deutlich weniger Fliegen und Mücken ans Haus und entzieht den Spinnen damit die Nahrungsgrundlage.