Ameisenfischchen
Das Ameisenfischchen ist ein Untermieter der Ameisen und kein Schädling in Wohnräumen. Es lebt in Ameisennestern und stiehlt dort Futter, das die Ameisen untereinander weiterreichen. Wer in der Wohnung ein silbriges Insekt huschen sieht, hat es fast immer mit einer anderen Art zu tun. Dieser Eintrag hilft beim Unterscheiden – und erklärt, warum das Ameisenfischchen kein Fall für die Schädlingsbekämpfung ist.
Ameisenfischchen erkennen
Mit 4 bis 6 mm bleibt das Tier deutlich kleiner als alle Fischchen, die in Wohnungen auftreten. Der Körper ist breit-oval, fast tropfenförmig, dicht mit blassgelben, goldig metallisch glänzenden Schuppen bedeckt und läuft in drei kurze Schwanzanhänge aus. Augen fehlen vollständig, die Fühler sind kurz. Wird es gestört, flitzt es blitzschnell zwischen den Ameisen hindurch.
- Fundort: nur im Ameisennest – unter Steinen, Gehwegplatten, Rindenstücken oder im Wurzelbereich.
- Begleitung: immer zusammen mit Ameisen, nie einzeln in Küche oder Bad.
- Größe: kaum halb so lang wie ein Silberfischchen.
Das Silberfischchen wird 7 bis 12 mm lang, hat Augen und lange Schwanzfäden und sucht feuchtwarme Bäder. Das Papierfischchen erreicht bis 15 mm, wirkt matt graubraun und kommt auch in trockenen, kühlen Räumen vor. Das Ofenfischchen braucht dauerhaft über 30 °C und sitzt an Heizungen und Backöfen.
Lebensweise
Ameisenfischchen leben als Kleptoparasiten bei Wegameisen, Waldameisen und Knotenameisen. Reichen zwei Ameisen einander einen Futtertropfen weiter, drängt sich das Fischchen dazwischen und schnappt einen Teil ab. Zusätzlich verwertet es tote Ameisen und Nestabfälle.
Damit die Wirte es dulden, übernimmt es durch Körperkontakt den Duftstoffmix der Kolonie und wird chemisch nicht mehr als Fremdling erkannt. Wie alle Fischchen entwickelt es sich ohne Puppenstadium: Aus dem Ei schlüpft ein Jungtier, das dem Erwachsenen bereits gleicht und sich zeitlebens weiter häutet. In einem Nest leben meist nur ein bis drei Tiere, bei kleinen Ameisenarten gelegentlich mehr.
Schäden und Risiken
Das Ameisenfischchen verursacht keine Schäden. Es frisst keine Textilien, kein Papier, keine Vorräte und keine Bausubstanz, es sticht nicht, es beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Selbst für seine Wirtsameisen ist es kaum von Bedeutung, weil es nur geringe Futtermengen abzweigt.
Relevant wird es allenfalls als Begleiterscheinung: Taucht es im Haus auf, sind Ameisen eingezogen – etwa unter der Terrassentür, in einer Dämmschicht oder unter dem Estrich. Das eigentliche Thema sind dann die Ameisen, nicht ihr Untermieter.
Tipp: Länge messen, bevor Sie etwas unternehmen. Alles unter 5 mm im Ameisenumfeld ist harmlos. Ein 10 bis 15 mm langes, mattgraues Fischchen an trockenen Wänden ist dagegen ein Papierfischchen und braucht eine konsequente Bekämpfung.
Vorbeugen
- Ameisenstraßen ins Haus früh unterbrechen, dann kommt auch kein Ameisenfischchen mit.
- Fugen an Terrassentüren, Sockelleisten und Leitungsdurchführungen abdichten.
- Gehwegplatten, Holzstapel und Steinhaufen mit etwas Abstand zur Hauswand lagern.
- Zuckerreste, Fallobst und Tierfutter im Freien nicht liegen lassen, sie locken die Wirtsameisen an.
- Blumentöpfe vom Balkon vor dem Umtopfen prüfen, dort sitzen häufig komplette Ameisennester.
Muss man Ameisenfischchen bekämpfen?
Nein. Eine eigene Bekämpfung ist weder nötig noch sinnvoll. Die Tiere überleben ohne ihre Wirtsameisen nicht lange und verschwinden von selbst, sobald das Nest umzieht oder aufgelöst wird. Wenn Sie im Garten beim Anheben einer Platte welche entdecken, legen Sie die Platte einfach zurück.
Stört das Ameisennest tatsächlich, richtet sich die Maßnahme gegen die Ameisen: Wege mit Kieselgur oder heißem Wasser unterbrechen, Nesteingänge abdichten, im Innenbereich Köderdosen einsetzen, die die Wirkstoffe bis in den Bau tragen. Ausgenommen sind Waldameisen der Gattung Formica: Ihre Nester sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt und dürfen nicht zerstört werden. Streumittel und Sprays im Garten sind Symptombekämpfung und treffen zahlreiche andere Bodentiere. Wenn Sie ein Präparat einsetzen: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Wegen Ameisenfischchen selbst nie. Einen Fachbetrieb brauchen Sie, wenn ein Ameisenvolk in der Dämmung, im Mauerwerk oder unter dem Estrich sitzt, wenn Holz zerstörende Arten im Spiel sind oder wenn sich das gefundene Fischchen als Papierfischchen entpuppt. In diesen Fällen entscheidet die richtige Artbestimmung über den gesamten weiteren Aufwand.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist ein Ameisenfischchen in der Wohnung gefährlich?
Nein. Es frisst weder Vorräte noch Textilien oder Papier, sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Ohne seine Wirtsameisen überlebt es in Innenräumen ohnehin nicht lange. Prüfen Sie aber, ob Ameisen ins Gebäude gezogen sind.
Wie unterscheide ich Ameisenfischchen und Silberfischchen?
Über Größe und Fundort. Das Ameisenfischchen misst 4 bis 6 mm, hat keine Augen und lebt nur im Ameisennest. Das Silberfischchen wird 7 bis 12 mm lang, hat Augen, deutlich längere Schwanzfäden und hält sich in feuchtwarmen Bädern und Küchen auf.
Warum leben die Tiere ausgerechnet bei Ameisen?
Im Nest herrschen konstante Feuchte und Temperatur, und es gibt reichlich Nahrung. Das Fischchen stiehlt Futtertropfen, die Ameisen einander weiterreichen, und verwertet Nestabfälle. Durch Körperkontakt übernimmt es den Nestgeruch, deshalb greifen die Ameisen es nicht an.