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Lästling

Wespen

Wespen werden meist erst im Hochsommer zum Thema, wenn ein Volk seine größte Stärke erreicht hat. Von den mehreren hundert heimischen Wespenarten verhalten sich genau zwei aufdringlich: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Alle übrigen gehen Menschen aus dem Weg. Wespen sind keine Schädlinge, sondern Insektenjäger – rechtlich dürfen Sie sie ohne vernünftigen Grund weder töten noch ihre Nester zerstören.

Wespen erkennen

Wespen haben einen glatten, unbehaarten Körper mit scharf abgesetzter schwarz-gelber Zeichnung und dünner Taille; Honigbienen wirken dagegen pelzig, Hummeln rundlich und dicht behaart. Arbeiterinnen messen 11–16 mm, Königinnen bis 20 mm, die Hornisse 18–35 mm. Feldwespen erkennen Sie am schlanken Körper und den im Flug hängenden Hinterbeinen.

Wo das Nest sitzt, verrät die Art:

  • Dunkelnister (Deutsche und Gemeine Wespe): Nest verborgen in Erdlöchern, Rollladenkästen oder Hohlwänden, erkennbar am festen Flugloch mit regem Verkehr.
  • Freinister (Sächsische, Mittlere Wespe): grauer Papierbau sichtbar unter Dachvorsprüngen oder in Hecken; diese Völker sind klein und friedlich.

Lebensweise

Nur begattete Jungköniginnen überwintern. Ab April sucht die Königin allein einen Nistplatz und zieht die ersten Arbeiterinnen groß – vom Ei bis zur fertigen Wespe vergehen 30 bis 40 Tage. Im August erreicht ein Nest 3.000 bis 7.000 Tiere, freinistende Arten bleiben unter 300.

Die Larven bekommen Eiweiß: Fliegen, Mücken, Raupen, Aas; ein Volk erbeutet pro Saison mehrere Kilogramm Insekten. Ab dem Spätsommer endet die Brutpflege; damit entfällt für die Arbeiterinnen das zuckerhaltige Sekret der Larven, sie decken ihren Energiebedarf jetzt an Fallobst, Limonade und Kuchen. Im Oktober stirbt das Volk ab, ein altes Nest wird nie wieder bezogen.

Schäden und Risiken

Materielle Schäden richten Wespen kaum an: Sie nagen oberflächlich Holzfasern von Zäunen ab, Nester im Rollladenkasten blockieren den Gurt.

Das eigentliche Risiko ist der Stich. Wespen können mehrfach stechen, weil ihr Stachel keine Widerhaken hat. Für Gesunde ist ein Stich schmerzhaft, aber harmlos. Gefährlich wird es in zwei Fällen: Stiche im Mund- und Rachenraum, etwa nach einem Schluck aus einer offenen Dose, können die Atemwege zuschwellen lassen – hier sofort 112 wählen. Und zwei bis drei Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch: Quaddeln am ganzen Körper, Atemnot oder Übelkeit nach einem Stich sind ein Notfall.

Wichtig: Alle heimischen Wespen sind nach §39 BNatSchG allgemein geschützt: Töten, Fangen oder Zerstören der Nester ohne vernünftigen Grund ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeldern bis zu 10.000 € geahndet werden. Von den heimischen sozialen Faltenwespen ist allein die Europäische Hornisse zusätzlich nach §44 BNatSchG besonders geschützt – hier ist jede Entfernung oder Umsiedlung durch die Untere Naturschutzbehörde genehmigungspflichtig, der Bußgeldrahmen reicht bis zu 50.000 € (§69 Abs. 7 BNatSchG).

Vorbeugen

  • Von März bis Mai Rollladenkästen, Mauerlöcher und Dachluken schließen – dann suchen die Königinnen einen Nistplatz.
  • Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen.
  • Speisen und Getränke abdecken, Gläser mit Deckel oder Strohhalm nutzen, Kindern nach dem Essen den Mund abwischen.
  • Fallobst aufsammeln, Müll- und Biotonne geschlossen halten, Grillrost reinigen.
  • Abstand zu bekannten Nestern halten und die Flugbahn freihalten.

Was gegen Wespen hilft

Am Tisch gilt: ruhig bleiben. Schlagen und Wedeln lösen Abwehrverhalten aus, Anpusten wirkt durch das Kohlendioxid wie ein Alarmsignal. Eine Wassersprühflasche verscheucht die Tiere. Eine Ablenkfütterung mit überreifen Trauben in acht bis zehn Metern Entfernung nimmt Druck vom Esstisch.

Wespenfallen mit Bier oder Zuckerwasser locken dagegen zusätzliche Tiere an und ändern nichts am Volk; für Ultraschallgeräte fehlt jeder Wirknachweis. Ein Nest selbst zu behandeln ist die schlechteste Option: Sprays im Rollladenkasten treiben die Tiere in die Wohnung. Muss ein Nest weg, macht das ein Fachbetrieb oder ein geschulter Wespenberater; oft genügt schon, den Flugkorridor mit einem Rohr umzuleiten.

Tipp: Prüfen Sie vor einer Nestentfernung den Kalender: Ab Mitte September lohnt der Eingriff meist nicht mehr, die Völker sterben ohnehin in wenigen Wochen ab.

Wann zum Profi?

Rufen Sie einen Schädlingsbekämpfer, wenn ein Nest am Hauseingang, im Rollladenkasten oder im Kinderspielbereich sitzt, wenn im Haushalt ein Insektengiftallergiker lebt oder das Volk mehrere hundert Tiere zählt. Bei der Europäischen Hornisse führt der Weg zuerst über die Untere Naturschutzbehörde.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?

Nein, nicht ohne Weiteres. Nach §39 BNatSchG dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet und ihre Nist- und Ruhestätten nicht zerstört werden. Ein vernünftiger Grund liegt zum Beispiel bei einem Nest am Hauseingang oder einem Allergiker im Haushalt vor – die Entfernung übernimmt dann ein Fachbetrieb. Bei der Europäischen Hornisse brauchen Sie zusätzlich eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Warum werden Wespen erst im August so aufdringlich?

Im Spätsommer stellt das Volk die Brutpflege ein. Damit entfällt für die Arbeiterinnen der Zuckersaft, den sie bis dahin von den Larven als Gegenleistung für Insektenfutter bekommen haben. Sie decken ihren Energiebedarf jetzt an Fallobst, Limonade und Kuchen. Gleichzeitig ist das Volk mit mehreren tausend Tieren am größten.

Was tun nach einem Wespenstich?

Stichstelle kühlen, etwa mit einem feuchten Tuch oder Kühlakku im Stoffbezug, und nicht kratzen. Ein Stichheiler mit kurzer Hitzeeinwirkung kann den Juckreiz lindern. Rufen Sie sofort den Notruf 112 bei Stichen in Mund oder Rachen sowie bei Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Quaddeln am ganzen Körper – das sind Zeichen einer allergischen Reaktion.