Berlinkäfer
Berlinkäfer heißt der kleine Speckkäfer Trogoderma angustum. Die Art wurde um 1920 aus Südamerika (Chile) eingeschleppt und zuerst vor allem in Berliner Wohnhäusern gefunden, daher der Name. Der erwachsene Käfer schadet nicht, seine Larven fressen sich dagegen durch Trockenvorräte, Wolltextilien, Felle und Sammlungen. Auffällig wird der Befall meist spät: erst wenn Käfer am Fenster sitzen oder Larvenhäute in der Schublade liegen.
Berlinkäfer erkennen
Der Käfer ist langgestreckt-oval und etwa doppelt so lang wie breit. Männchen messen 2,5 bis 3,0 Millimeter, Weibchen 3,2 bis 4,0 Millimeter. Die Grundfarbe ist rotbraun bis schwarzbraun, über die Flügeldecken ziehen helle, zackige weiße Haarbinden, die sich bei älteren Tieren abreiben. Die Larve wird bis 7 Millimeter lang, ist gold- bis rotbraun, dicht behaart und trägt am Hinterleibsende einen deutlichen Haarpinsel.
- Leere, hell schimmernde Larvenhäute in Schubladen, Schrankecken und Fußleistenritzen
- Fraßlöcher und kahle Stellen an Wolle, Filz, Federn, Fellen und Tierpräparaten
- Feiner Fraßstaub unter Vorratspackungen und in Sammlungskästen
- Tote Käfer auf Fensterbänken und in Lampenschalen, weil die Tiere ans Licht fliegen
Dieselbe Art führt das Lexikon unter ihrem wissenschaftlichen Namen als Trogoderma angustum, in Museen und Depots heißt sie Kabinettkäfer.
Nicht verwechseln: In Berliner Altbauten wird umgangssprachlich gelegentlich auch der Kugelkäfer so genannt. Der ist kugelrund, kahl glänzend, flugunfähig und stammt aus der Stroh-Lehm-Schüttung alter Zwischendecken.
Lebensweise
Ein Weibchen legt 30 bis 60 Eier direkt an das Fraßsubstrat. Bei 25 bis 30 Grad dauert die Entwicklung rund zwei bis drei Monate, in kühlen Räumen oder bei magerer Kost zieht sie sich über ein Jahr hin. Ohne Nahrung überstehen die Larven mehrere Monate.
Gefressen wird alles Trockene tierischer und pflanzlicher Herkunft: Wolle, Pelz, Federn, Leder, Trockenfrüchte, Nüsse, Mehl, Tiertrockenfutter und vor allem tote Insekten. Die Brutherde sitzen selten im Vorratsschrank, sondern in Vogelnestern unter Dachziegeln, alten Wespennestern und Fliegenresten in Rollladenkästen; von dort wandern die Larven in die Wohnräume. Die erwachsenen Käfer fressen nicht und leben nur wenige Wochen, Schaden richten allein die Larven an.
Schäden und Risiken
Im Haushalt trifft es Vorräte und Textilien: durchlöcherte Wollpullover, ausgefressene Trockenfrüchte, Mehl mit Häuten und Kot, angefressene Teppichkanten. In Museen und privaten Insektensammlungen höhlen die Larven Präparate von innen aus. Ein Berlinkäferbefall ist deshalb kein bloßer Lästling-Fall, sondern ein Vorrats- und Materialschaden.
Krankheiten überträgt der Käfer nicht, er sticht und beißt auch nicht. Die feinen Larvenhaare können bei starkem oder jahrelangem Befall aber Haut und Atemwege reizen. Befallene Lebensmittel gehören in den Müll.
Vorbeugen
- Trockenvorräte in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen, Papierbeutel reichen nicht
- Wolle, Pelze und Felle gewaschen und luftdicht verpackt einlagern
- Vogelnester nach der Brutzeit entfernen, Rollladenkästen, Dachböden und Fensterfalze von toten Insekten säubern
- Secondhand-Textilien, gebrauchte Möbel und Sammlungsstücke vor dem Einräumen kontrollieren
Bekämpfen
Entscheidend ist der Herd. Solange ein altes Vogelnest im Dach oder ein Sack Tierfutter im Abstellraum bleibt, kommen die Käfer wieder. Räumen Sie den Bereich aus und prüfen Sie jede Packung einzeln.
Befallene Gegenstände behandeln Sie zuverlässig ohne Chemie: mindestens sieben Tage bei minus 18 Grad einfrieren oder eine Stunde auf 60 Grad erhitzen, jeweils im verschlossenen Beutel. Danach mit der Fugendüse saugen und den Beutel sofort außer Haus entsorgen. Lavendel, Zedernholz und Mottenkugeln retten kein befallenes Objekt, Sprühmittel erreichen die Larven im Substrat kaum.
Tipp: Kleben Sie nach der Reinigung eine Falle in den Schrank und kontrollieren Sie sie ein halbes Jahr lang. Weil sich die Larvenzeit lange hinzieht, zeigt erst diese Nachkontrolle, ob der Befall beendet ist.
Wann zum Profi?
Kehrt der Befall trotz Grundreinigung zurück oder lässt sich der Herd nicht finden, gehört ein IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer hinzugezogen. Gleiches gilt für Museen, Depots und Lebensmittelbetriebe, wo Wärme-, Kälte- oder Stickstoffverfahren nötig werden.
Wichtig: Der nahe verwandte Khaprakäfer (Trogoderma granarium) gilt in Deutschland als ausgerottet und wird nur mit Importware eingeschleppt; einen Verdacht sollten Sie dem Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes melden. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Was genau ist ein Berlinkäfer?
Gemeint ist der Speckkäfer Trogoderma angustum, ein 2,5 bis 4 Millimeter kleiner, langgestreckter Käfer mit hellen Haarbinden. Der Name entstand, weil die um 1920 aus Südamerika eingeschleppte Art zuerst und besonders häufig in Berliner Wohnhäusern auftrat. Dieselbe Art läuft im Lexikon auch unter Trogoderma angustum und Kabinettkäfer.
Ist der Berlinkäfer dasselbe wie der Kugelkäfer?
Nein, auch wenn der Kugelkäfer in Berliner Altbauten umgangssprachlich manchmal so genannt wird. Der Kugelkäfer (Gibbium psylloides) ist kugelrund, kahl glänzend und flugunfähig und stammt aus der Deckenschüttung. Der Berlinkäfer ist doppelt so lang wie breit, trägt helle Haarbinden und fliegt ans Licht. Auch das Vorgehen unterscheidet sich: hier Herdsuche in Vorräten und Nestern, dort Abdichten der Bausubstanz.
Sind Berlinkäfer gefährlich?
Krankheiten übertragen sie nicht, sie stechen und beißen auch nicht. Die Larven richten aber echte Schäden an Vorräten, Wolltextilien, Fellen und Sammlungen an. Bei starkem Befall können die feinen Larvenhaare Haut und Atemwege reizen. Befallene Lebensmittel sind zu entsorgen.
Hilft Einfrieren gegen die Larven?
Ja, wenn Sie lang genug einfrieren. Mindestens sieben Tage bei minus 18 Grad im luftdicht verschlossenen Beutel töten alle Stadien einschließlich der Eier ab, bei wertvollen Sammlungsstücken sind zwei Wochen sicherer. Kurzes Kühlen reicht nicht. Alternativ wirkt eine Stunde bei 60 Grad, waschbare Textilien behandeln Sie bei 60 Grad in der Maschine.