Erdnussplattkäfer
Wenn kleine, flache braune Käfer aus einer Packung Erdnüsse oder aus dem Nussmüsli krabbeln, steckt oft der Erdnussplattkäfer dahinter. Er sieht dem Getreideplattkäfer zum Verwechseln ähnlich, bevorzugt aber fett- und ölhaltige Ware. In beheizten Wohnungen, Bäckereien und Lagern findet er ganzjährig gute Bedingungen.
Erdnussplattkäfer erkennen
Der Käfer ist rund 3 mm lang, auffällig flach und schmal, rotbraun bis dunkelbraun, wobei Kopf und Halsschild meist dunkler wirken als die Flügeldecken. An jeder Seite des Halsschilds sitzen sechs spitze Zähnchen – das typische Merkmal der Plattkäfer. Die Larven sind gelblich weiß, schlank und bis etwa 4 mm lang; sie verpuppen sich in einer Kammer aus verklebten Nahrungsteilchen.
- Käfer laufen schnell und flüchten in Falze, Verschlüsse und Kartonfalten
- Ware wirkt staubig und riecht muffig bis ranzig, im Bodensatz liegen Häutungshüllen
- Feines Fraßmehl und Krümel in Nussmischungen, Trockenobst und Tierfutter
Verwechslung: Sicher trennen lassen sich Erdnuss- und Getreideplattkäfer nur unter der Lupe, und zwar an den Schläfen hinter dem Auge, die beim Erdnussplattkäfer deutlich kürzer als der halbe Augendurchmesser sind. Für die Praxis genügt meist die befallene Ware als Hinweis: Nüsse, Ölsaaten und Trockenobst sprechen für den Erdnussplattkäfer, Getreide und Mehl für seinen Verwandten.
Lebensweise
Die Art stammt aus den Tropen und wird mit importierter Ware eingeschleppt. Sie braucht Wärme: Die Entwicklung läuft zwischen etwa 20 und 37 °C, optimal bei 31 bis 34 °C. Bei 30 °C dauert eine Generation gut drei Wochen, bei 20 °C zieht sie sich über mehrere Monate. Unbeheizte Keller und Garagen übersteht der Erdnussplattkäfer schlechter als der Getreideplattkäfer, in geheizten Räumen vermehrt er sich dagegen das ganze Jahr über. Ein Weibchen legt im Lauf seines Lebens über hundert Eier, verteilt über mehrere Wochen.
Anders als sein Verwandter fliegt der Erdnussplattkäfer bereitwillig. So erreicht er Lager, Läden und Wohnungen, in denen vorher kein Befall bestand. Ganze, unbeschädigte Körner kann er nicht anbohren; er lebt von bereits gebrochener, geschälter oder verarbeiteter Ware und wird deshalb zu den Folgeschädlingen gezählt.
Schäden und Risiken
Befallen werden vor allem fett- und ölreiche Lebensmittel: Erdnüsse, Mandeln, Cashews, Walnüsse, Kopra, Muskatnuss, Ölsaaten, Schokolade mit Nussanteil, Müsli, Haferflocken und Trockenobst, dazu Trocken- und Vogelfutter. Der eigentliche Schaden ist selten der Fraßverlust, sondern die Verunreinigung durch Kot, Häutungsreste und tote Tiere. Fettreiche Ware wird dadurch rasch ranzig.
Krankheiten übertragen die Käfer nicht. Bei starkem Befall kann der feine Staub aus Häutungsresten jedoch Allergien auslösen, und die aufgebrochene Ware zieht Folgebefall durch Mehlmilben und Schimmel nach sich. In Lebensmittelbetrieben ist befallene Ware nicht mehr verkehrsfähig.
Vorbeugen
- Nüsse, Trockenobst und Müsli nach dem Einkauf in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen; Papier und dünne Folie halten die Käfer nicht auf
- Kleine Mengen kaufen und Vorräte nach dem Prinzip „ältestes zuerst“ aufbrauchen
- Vorratsschrank kühl und trocken halten – jedes Grad weniger verlängert die Entwicklungszeit deutlich
- Neue Ware, besonders lose Nüsse und Vogelfutter, vor dem Einräumen kurz durchsehen
- Krümel in Fugen, Regalfalzen und Schubladenschienen regelmäßig aussaugen
Bekämpfen
Entscheidend ist, den Herd zu finden. Räumen Sie den Schrank vollständig aus und kontrollieren Sie jede Packung, auch ungeöffnete, denn die Käfer wandern durch Klebefalze ein. Befallene Ware entsorgen Sie in einem verschlossenen Beutel im Restmüll. Anschließend Bretter und Fugen gründlich saugen, den Staubsaugerbeutel sofort entfernen und die Flächen feucht auswischen; offene Ritzen lassen sich nach dem Trocknen dauerhaft schließen.
Ware, die Sie behalten möchten, behandeln Sie thermisch: mindestens eine Woche bei −18 °C tiefgefrieren oder eine Stunde bei etwa 60 °C im Backofen erhitzen. Pheromon- und Lockstofffallen dienen der Überwachung, nicht der Bekämpfung – sie zeigen, ob nach dem Ausräumen noch Tiere unterwegs sind. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Im Haushalt sind sie in aller Regel entbehrlich.
Tipp: Prüfen Sie auch Tierfutter, Vogelfutter und Saatgut im Keller, in der Garage oder auf dem Balkon. Diese Vorräte werden beim Ausräumen fast immer vergessen und sind dann der Grund, warum der Befall nach wenigen Wochen zurückkommt.
Wann zum Profi?
Wenn zwei bis drei Wochen nach gründlichem Ausräumen weiterhin Käfer auftauchen, sitzt der Herd außerhalb des Schranks – etwa hinter einer Einbauküche, in einer Zwischendecke oder in einem Nachbarraum. Dann lohnt eine Fachfirma, die den Befallsherd mit Monitoringfallen systematisch eingrenzt.
Für Bäckereien, Lager und den Lebensmittelhandel gilt das ohnehin: Dort gehören Vorratsschädlinge in ein dokumentiertes Monitoring, und Begasungen dürfen ausschließlich Sachkundige durchführen. Treten gleichzeitig Dörrobstmotten oder Brotkäfer auf, spricht das für einen älteren und größeren Herd, den man besser planvoll angeht.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich, ob es der Erdnuss- oder der Getreideplattkäfer ist?
Am Tier selbst nur unter der Lupe: Beim Erdnussplattkäfer ist die Schläfe hinter dem Auge kürzer als der halbe Augendurchmesser. Praktischer ist der Blick auf die befallene Ware. Nüsse, Ölsaaten und Trockenobst sprechen für den Erdnussplattkäfer, Getreide und Mehl für den Getreideplattkäfer.
Sind die Käfer gesundheitsschädlich?
Krankheiten übertragen sie nicht. Befallene Ware sollten Sie trotzdem nicht mehr essen, weil sie Kot, Häutungsreste und tote Tiere enthält und fettreiche Lebensmittel schnell ranzig werden. Bei starkem Befall kann der feine Staub Allergien auslösen.
Wie kommen die Käfer in ungeöffnete Packungen?
Sie sind extrem flach und laufen durch Klebefalze und Verschlüsse in Papier- und Folienbeutel hinein. Außerdem fliegt die Art, sodass ein Befall auch aus einem Nachbarraum oder schon aus dem Laden stammen kann. Zuverlässig dicht sind nur Gläser und Dosen mit festem Deckel.
Der Befall kommt immer wieder – woran liegt das?
Meist wurde ein Vorrat übersehen, häufig Vogel- oder Trockenfutter im Keller, in der Garage oder auf dem Balkon. Auch Krümel in Regalfalzen und hinter Einbaumöbeln reichen als Herd aus. Kontrollieren Sie alle Räume und stellen Sie für einige Wochen Monitoringfallen auf.