Kornkäfer
Im Reisglas laufen kleine dunkle Käfer mit langem Rüssel, einzelne Körner haben ein rundes Loch: Das ist der Kornkäfer, der bedeutendste Vorratsschädling an gelagertem Getreide. Er entwickelt sich komplett im Inneren des Korns, weshalb ein Befall erst auffällt, wenn die erste Käfergeneration ausschlüpft.
Kornkäfer erkennen
Der Käfer ist 2,5 bis 5 mm lang, schlank-zylindrisch und dunkelbraun bis schwarz. Kennzeichnend ist der lange, nach unten gebogene Rüssel, mit dem er sich in Körner bohrt. Die Flügeldecken sind längs punktiert und verwachsen, Flughäute fehlen: Der Kornkäfer kann nicht fliegen und verbreitet sich nur laufend oder mit verschleppter Ware.
- Ausbohrlöcher: runde Löcher von 1 bis 1,5 mm mit leicht ausgefranstem Rand in einzelnen Körnern.
- Hohle Körner: Bei der Schwimmprobe in einem Glas Wasser treiben befallene, ausgefressene Körner oben.
- Fraßmehl: feiner, heller Staub am Boden von Gläsern, Säcken und Vorratsbehältern.
- Warme Nester: im Lager punktuell erwärmtes, feuchtes Getreide, das muffig riecht und verklumpt.
Sehr ähnlich sehen Reiskäfer und Maiskäfer aus. Beide tragen vier hellrote bis gelbliche Flecken auf den Flügeldecken und sind flugfähig. Der Getreideplattkäfer ist flach, schmal und hat keinen Rüssel.
Lebensweise
Das Weibchen nagt mit dem Rüssel ein Loch in ein Korn, legt ein Ei hinein und verschließt es mit einem kaum sichtbaren Sekretpfropf. Im Lauf des Lebens verteilt es 150 bis 250 Eier auf ebenso viele Körner. Die Larve frisst das Korn von innen aus, verpuppt sich darin und verlässt es erst als fertiger Käfer.
Wie lange das dauert, hängt an Temperatur und Feuchte: Bei 26 bis 30 °C und über 12 % Kornfeuchte ist eine Generation in 30 bis 40 Tagen fertig, bei 20 °C dauert es 60 bis 90 Tage. Unter 13 °C stoppt die Entwicklung. Erwachsene Käfer leben 7 bis 8 Monate und fressen selbst an Körnern. Befallen werden Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und feste Teigwaren; in losem Mehl fehlt der Larve der feste Kornkörper.
Schäden und Risiken
Ausgefressene Körner verlieren Gewicht, Keimfähigkeit und Backqualität, im Extremfall bleibt nur die Schale übrig. Kot, Häutungsreste und tote Tiere verunreinigen die Partie, die dann nicht mehr verkehrsfähig ist.
Gravierender ist die Folgewirkung im Lager: Die Stoffwechselwärme der Käfer erwärmt das Getreide punktuell, Feuchtigkeit wandert an die kühleren Ränder. Es entstehen feuchte Nester, in denen Schimmelpilze wachsen und Mykotoxine bilden können. Die Käfer selbst sind ungefährlich, sie stechen und beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Der Staub aus Fraßmehl und Häutungsresten kann allerdings die Atemwege reizen.
Vorbeugen
- Vorräte in dicht schließenden Gläsern oder Dosen lagern, denn Papier-, Folien- und Papptüten durchbohren die Käfer.
- Getreide trocken und kühl halten: unter 12 °C ruht die Entwicklung vollständig, und je trockener das Korn, desto langsamer die Vermehrung — ganz aus bleibt sie erst unter rund 10 % Kornfeuchte.
- Lose gekauftes Getreide, Reis und Vogelfutter beim Einräumen kontrollieren und zeitnah verbrauchen.
- Vorratsschränke regelmäßig ausräumen, aussaugen und Fugen auswischen.
- Im Lager alte Restpartien vor dem Einlagern neuer Ernte vollständig ausräumen und Leerräume reinigen.
Bekämpfen
Im Haushalt gilt: Befallene Packungen im verschlossenen Beutel entsorgen. Vorräte, die Sie retten wollen, frieren Sie mindestens eine Woche bei -18 °C ein oder erhitzen sie rund eine Stunde auf 60 °C. Beides tötet auch die Larven im Korninneren, die Keimfähigkeit geht dabei verloren.
Tipp: Räumen Sie den kompletten Vorratsschrank aus und prüfen Sie jede Packung, auch Nudeln und Tierfutter. Ein übersehenes Glas startet den Befall neu. Anschließend Regalböden und Ritzen mit der Fugendüse aussaugen und den Beutel sofort entsorgen.
Hausmittel wie Lorbeerblätter oder Nelken halten allenfalls einzelne Tiere fern, Insektensprays haben im Lebensmittelschrank nichts verloren. Im Lager arbeitet man mit Kühlbelüftung, Trocknung, Umlagern, Kieselgur und im Ernstfall mit Begasung, die nur zugelassene Fachbetriebe durchführen dürfen.
Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
In der Küche bekommen Sie einen Kornkäferbefall meist selbst in den Griff. Professionelle Hilfe brauchen Sie, wenn größere Mengen Getreide, ein Silo oder ein Lager betroffen sind oder wenn der Befall nach der Reinigung erneut auftritt. In Mühlen, Bäckereien und Landwirtschaft gehören Monitoring, Temperaturführung und Begasung ohnehin in fachkundige Hände.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann ich befallenes Getreide noch essen?
Kleine Mengen mit einzelnen Käfern sind nach dem Abtöten und Aussieben technisch unbedenklich, appetitlich ist das aber nicht. Sobald Fraßmehl, viele hohle Körner, Klumpen oder ein muffiger Geruch dazukommen, sollten Sie die Ware entsorgen, denn dann besteht Schimmelverdacht. Bei Schimmelbefall gilt: wegwerfen, nicht aussortieren.
Wie unterscheide ich Kornkäfer und Reiskäfer?
Der Kornkäfer ist einfarbig dunkelbraun bis schwarz und flugunfähig. Reis- und Maiskäfer tragen vier hellrote bis gelbliche Flecken auf den Flügeldecken und können fliegen, weshalb sie sich im Lager schneller ausbreiten. Alle drei haben den typischen Rüssel und entwickeln sich im Korninneren.
Wie werde ich Kornkäfer in der Küche wieder los?
Vorratsschrank komplett ausräumen und jede Packung prüfen, auch Nudeln und Tierfutter. Befallenes entsorgen, gefährdete Ware eine Woche bei -18 °C einfrieren oder eine Stunde bei 60 °C erhitzen. Danach Schrank aussaugen, Ritzen auswischen und alles künftig in Gläsern oder Dosen lagern.
Woher kommen Kornkäfer überhaupt?
Sie werden mit der Ware eingeschleppt, meist über Getreide, Reis, Mehlprodukte, Vogel- oder Tierfutter aus befallenen Lagern. Weil der Kornkäfer nicht fliegen kann, wandert er nicht durchs Fenster ein. Wer neue Vorräte beim Einräumen kurz kontrolliert, verhindert die meisten Fälle.