Getreidemotte
Die Getreidemotte ist die klassische Kornmotte: Ihre Raupe lebt weder im Mehl noch im Gespinst zwischen den Vorräten, sondern im Inneren eines einzelnen Getreidekorns. Von außen sieht eine befallene Partie deshalb lange unauffällig aus, während die Körner innen bereits ausgehöhlt sind. Erst wenn kleine, strohfarbene Falter aus dem Sack oder dem Vorratsglas kommen, fällt der Befall auf.
Getreidemotte erkennen
Der Falter ist etwa 6 bis 8 mm lang und erreicht 12 bis 18 mm Flügelspannweite. Die Vorderflügel sind gelbbraun bis strohfarben und leicht glänzend, häufig mit einzelnen dunklen Schuppenpunkten. Charakteristisch sind die grauen Hinterflügel: Sie laufen in eine fingerförmig ausgezogene Spitze aus und tragen am Hinterrand auffallend lange Fransen.
- Runde Ausschlupflöcher von etwa 1 mm im Korn, oft noch mit einem dünnen Deckelchen verschlossen
- Befallene Körner sind auffallend leicht und schwimmen in Wasser obenauf
- Falter sitzen tagsüber ruhig an Wänden und Säcken und fliegen vor allem in der Dämmerung
Wichtig: Verwechseln Sie die Art nicht mit der Dörrobstmotte oder der Mehlmotte. Deren Raupen spinnen die Ware oberflächlich zusammen und sind gut zu sehen. Die Getreidemotte hinterlässt kaum Gespinst – hier müssen Sie die Körner selbst aufschneiden, um den Befall überhaupt zu beurteilen.
Lebensweise
Das Weibchen klebt im Lauf seines Lebens zahlreiche rötlich weiße Eier von außen an die Körner. Die Räupchen schlüpfen nach etwa einer Woche und bohren sich sofort ein. Sie fressen den Mehlkörper vollständig aus, nagen vor der Verpuppung ein Loch bis auf eine hauchdünne Außenhaut und verpuppen sich im Korn. Der fertige Falter drückt dieses Deckelchen auf und schlüpft. Die gesamte Entwicklung läuft also geschützt im Korn ab – der Grund, warum viele oberflächliche Verfahren an dieser Art scheitern.
Die Getreidemotte stammt aus wärmeren Regionen und überlebt in Mitteleuropa im Freien nicht dauerhaft; in kalten, unbeheizten Lagern kommt ihre Entwicklung zum Erliegen. In beheizten Lagern, Silos und Wohnungen läuft die Vermehrung dagegen das ganze Jahr. In der Wärme dauert eine Generation gut vier Wochen, bei kühler Lagerung entsprechend länger. Feuchtes Getreide begünstigt die Entwicklung zusätzlich. In warmen Sommern kann die Art auch reifende Ähren und Maiskolben auf dem Feld befallen und gelangt so mit der Ernte ins Lager.
Schäden und Risiken
Die Getreidemotte ist ein Primärschädling: Sie befällt unversehrte, ganze Körner und macht sie damit erst für Nachfolger wie den Getreideplattkäfer zugänglich. Betroffen sind Weizen, Mais, Gerste, Roggen, Hafer, Reis und Hirse, ebenso Saatgut. Anders als beim Kornkäfer, dessen Larve ebenfalls im Korn lebt, verrät hier kein Käfer den Befall, sondern nur der schlüpfende Falter.
Bei starkem Befall sind erhebliche Masseverluste beschrieben; entscheidender ist meist, dass die ganze Partie entwertet wird. Keimfähigkeit und Backqualität sinken, Kot und Gespinstreste verunreinigen das Lagergut. Für den Menschen ist die Art dagegen ungefährlich: Sie überträgt keine Krankheiten, sticht nicht und geht nicht an Textilien. Stark befallenes, muffig riechendes Getreide sollten Sie trotzdem nicht mehr verzehren, weil ausgehöhlte Körner leicht verpilzen.
Vorbeugen
- Getreide, Reis und Saatgut trocken lagern; feuchtes Lagergut begünstigt die Entwicklung deutlich
- Die Lagertemperatur so niedrig wie möglich halten – in kalten Lagern kommt die Entwicklung zum Erliegen
- Vorratsgläser mit dicht schließendem Deckel verwenden; an Ware in Papiertüten und offenen Packungen legen die Falter ihre Eier direkt ab
- Leere Silos, Kisten und Regale vor der Neubefüllung ausbürsten und aussaugen, Restkörner aus Ritzen entfernen
- Pheromonfallen zur Überwachung aufhängen und die Fänge notieren, statt nur auf sichtbare Falter zu warten
Bekämpfen
Zuerst wird der Herd gefunden und entsorgt. Schneiden Sie im Zweifel eine Handvoll Körner auf: Ausgehöhlte Körner mit Deckelchen beweisen den Befall. Befallene Ware kommt in einem geschlossenen Beutel in die Außentonne, danach werden Schrank, Ritzen und Fußleisten gründlich ausgesaugt und der Staubsaugerbeutel sofort entsorgt.
Kleine Mengen retten Sie über Kälte oder Wärme: mindestens 72 Stunden bei minus 18 °C oder eine Stunde bei 55 °C erfassen auch die im Korn sitzenden Stadien. Biologisch arbeitet die Schlupfwespe Trichogramma evanescens: Sie parasitiert die außen am Korn klebenden Eier, an die Raupen im Korninneren kommt sie nicht heran. Das Verfahren braucht mehrere Ausbringungen und wirkt nur, wenn nicht ständig neue befallene Ware nachkommt. Im gewerblichen Bereich sind Begasung mit Stickstoff, Kohlendioxid oder Phosphorwasserstoff sowie Wärmeentwesung üblich; wegen des Schutzes im Korn braucht es lange Einwirkzeiten. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Pheromonfallen fangen ausschließlich Männchen. Sie sind ein gutes Frühwarnsystem und zeigen, ob eine Sanierung gegriffen hat, beseitigen einen Befall aber nicht. Wer nur Fallen aufhängt, verlängert das Problem.
Wann zum Profi?
Im Haushalt genügt meist Ausräumen, Kontrollieren und Umlagern. Fachliche Hilfe lohnt sich, wenn Sie größere Mengen Getreide lagern, wenn trotz Sanierung weiter Falter schlüpfen oder wenn der Befall aus einem nicht einsehbaren Bereich kommt – etwa aus Zwischenböden, Futterresten im Stall oder einem Silo.
In Landwirtschaft, Mühlen, Futtermittelbetrieben und im Saatgutbereich gehört die Getreidemotte in die Hand eines Fachbetriebs. Begasungen dürfen nur Sachkundige durchführen, und die Entscheidung zwischen Kühlung, Umlagerung und Behandlung hängt von Feuchte, Menge und Verwendungszweck ab. Bei Saatgut muss zusätzlich geklärt werden, ob die Keimfähigkeit noch ausreicht.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran sehe ich, ob mein Getreide von der Getreidemotte befallen ist?
Suchen Sie nach runden Löchern von etwa 1 mm in den Körnern, oft noch mit einem dünnen Deckelchen verschlossen. Befallene Körner sind auffallend leicht und schwimmen in einem Glas Wasser oben. Schneiden Sie im Zweifel eine Handvoll Körner auf: Ist der Mehlkörper ausgehöhlt, ist der Befall bestätigt.
Was ist der Unterschied zur Lebensmittelmotte im Küchenschrank?
Dörrobstmotte und Mehlmotte spinnen die Ware oberflächlich zusammen, ihre Raupen sind gut sichtbar und kriechen auch an Wänden. Die Getreidemotte hinterlässt kaum Gespinst, weil sich ihre Raupe komplett im Korn entwickelt. Deshalb fällt sie erst auf, wenn die Falter schlüpfen.
Überlebt die Getreidemotte den Winter in Deutschland?
Im Freien nicht dauerhaft: Sie stammt aus wärmeren Regionen, und in der Kälte kommt ihre Entwicklung zum Erliegen. In beheizten Lagern, Silos und Wohnungen vermehrt sie sich dagegen das ganze Jahr über.
Helfen Schlupfwespen gegen die Getreidemotte?
Nur eingeschränkt. Trichogramma evanescens parasitiert die Eier, die außen an den Körnern kleben; die Raupen im Korninneren erreicht die Schlupfwespe nicht. Das Verfahren braucht mehrere Ausbringungen über Wochen und wirkt nur, wenn nicht laufend neue befallene Ware nachkommt.