Kornmotte
Die Kornmotte gehört zu den Echten Motten und ist damit näher mit der Kleidermotte verwandt als mit den Zünslern, die sonst die Vorratsschränke besiedeln. Ursprünglich lebten ihre Raupen an Baumpilzen und in morschem Holz. In Lagerräumen fressen sie Getreide, Hülsenfrüchte, Trockenobst und Mandeln – und in Weinkellern gelegentlich Flaschenkorken.
Kornmotte erkennen
Die Falter sind 6 bis 7 mm lang und spannen 9 bis 16 mm. Die Vorderflügel wirken hell bräunlich bis weißlich und sind unregelmäßig dunkelbraun gefleckt, fast marmoriert; die Fransen am Hinterrand sind graubraun. Die Raupen werden 7 bis 10 mm lang, sind weißlich gelb und tragen eine dunkelbraune Kopfkapsel.
- Dämmerungsaktiv; tagsüber sitzen die Falter ruhig an Wänden, Regalböden und Sacknähten
- Verklumpte Nester aus zusammengesponnenen Getreidekörnern, verbacken mit Gespinstfäden, Fraßmehl und gelbgrünen Kotkrümeln
- Ausgehöhlte Keimlinge einzelner Körner, dadurch sinkende Keimfähigkeit bei Saatgut
- Im Weinkeller helles Bohrmehl auf der Korkoberfläche und feine Fraßgänge im Kork
Wichtig: Kleine braune Falter im Vorratsschrank sind meist keine Kornmotten. Deutlich häufiger sind die Zünsler Dörrobstmotte und Mehlmotte, deren Vorderflügel zweifarbig geteilt beziehungsweise bleigrau erscheinen. Die Kornmotte ist kleiner, schmaler und fein gesprenkelt. Für das weitere Vorgehen ist die Unterscheidung zweitrangig – die Maßnahmen sind dieselben.
Lebensweise
Ein Weibchen legt seine Eier einzeln direkt in das Nahrungssubstrat, bevorzugt in Ritzen und zwischen die Körner. Die Raupe spinnt sich eine Röhre aus Seide, Kot und Nahrungspartikeln und frisst von dort aus. Die gesamte Entwicklung dauert je nach Temperatur zwei bis fünf Monate; in ungeheizten Lagern schafft die Art meist eine Generation im Jahr, in beheizten Räumen zwei.
Entscheidend ist die Feuchte. Anders als die meisten Vorratsmotten braucht die Kornmotte relativ feuchtes Substrat und feuchte Luft; trockenes, gut belüftetes Getreide ist für sie wenig geeignet. Im Freiland fliegen die Falter im Sommerhalbjahr und entwickeln sich an Baumpilzen. Die Art ist in Mitteleuropa heimisch und kann jederzeit von draußen zufliegen – ein Befall bedeutet also nicht zwingend, dass Sie ihn eingekauft haben.
Schäden und Risiken
Der Fraßverlust selbst fällt kaum ins Gewicht. Unbrauchbar wird das Lagergut durch die Verunreinigung: Gespinst, Kot, Häutungsreste und Fraßmehl durchsetzen die Ware, die Klumpen verstopfen Siebe und Fördertechnik. Bei Saatgut kommt der Keimlingsfraß dazu, der die Keimfähigkeit senkt. In Weinkellern werden befallene Korken porös, sodass Flaschen auslaufen oder Luft ziehen.
Kornmotten stechen nicht und gelten nicht als Überträger von Krankheitserregern. Wie bei anderen Vorratsschädlingen kann der Staub aus Gespinst, Kot und Häutungsresten bei starkem Befall die Atemwege reizen. Problematisch wird stark befallenes, feucht gehaltenes Getreide vor allem durch die begleitende Schimmelbildung.
Vorbeugen
- Vorräte trocken und kühl lagern; Kälte bremst die Entwicklung stark, ganz zum Erliegen kommt sie aber erst bei etwa 7 bis 10 °C, denn die Larve ist kälteresistent und überdauert auch unbeheizte Lager
- Mehl, Grieß, Nüsse, Trockenobst und Hülsenfrüchte in dicht schließende Gläser oder Metalldosen umfüllen – Papier und dünne Folie durchbeißen die Raupen
- Regale, Ritzen und Fußleisten regelmäßig aussaugen, Restmehl hinter und unter Schränken entfernen
- Alte Restbestände nicht über Jahre stehen lassen, sondern der Reihe nach aufbrauchen
- Fliegengitter an Fenstern von Lager- und Kellerräumen, weil die Art auch von draußen zufliegt
Bekämpfen
Zuerst die Quelle finden: jede Packung im Schrank einzeln prüfen, auch ungeöffnete. Befallenes gehört in einen verschlossenen Beutel und in die Restmülltonne außerhalb der Wohnung. Danach den leeren Schrank vollständig aussaugen, den Staubsaugerbeutel sofort entsorgen und alle Fugen mit heißem Wasser auswischen. Eier und Puppen sitzen bevorzugt in Ecken, in Bohrlöchern der Regalträger und unter Leisten.
Grenzwertige Ware lässt sich retten: eine Woche bei minus 18 °C im Gefrierschrank oder eine Stunde bei 60 °C im Backofen töten alle Stadien ab. Pheromonfallen fangen nur Männchen und dienen der Erfolgskontrolle, nicht der Bekämpfung. Als biologische Ergänzung gibt es Trichogramma-Schlupfwespen, die die Motteneier parasitieren; sie wirken ausschließlich gegen Eier und ersetzen das Ausräumen nicht. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Lavendelsäckchen und Zedernholz halten Kornmotten nicht fern – die Art orientiert sich an Getreidegeruch, nicht an Wolle. Wirksam ist allein der dichte Behälter. Investieren Sie das Geld lieber in ein paar Schraubgläser als in Duftmittel.
Wann zum Profi?
Für den Haushalt reichen Ausräumen, Reinigen und dichtes Lagern fast immer aus. Fachliche Hilfe lohnt, wenn nach zwei sauber durchgeführten Durchgängen weiter Falter fliegen, wenn Nachschub aus einem gemeinsam genutzten Keller kommt oder wenn Sie größere Mengen Getreide, Saatgut oder Korken lagern. Betriebe der Lebensmittelbranche brauchen ohnehin ein dokumentiertes Monitoring; Fallenauswertung, Wärmeentwesung und Begasung gehören dort in die Hand eines zugelassenen Fachbetriebs. Wer parallel wiederkehrende Probleme mit Lagerkäfern wie dem Kornkäfer hat, sollte das Lager grundsätzlich prüfen lassen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich, ob es Kornmotten und nicht Lebensmittelmotten sind?
Kornmotten sind mit 9 bis 16 mm Spannweite meist kleiner und deutlich schmaler als Dörrobst- oder Mehlmotte und tragen ein unregelmäßig gesprenkeltes Muster aus Hell und Dunkel. Die häufigen Vorratszünsler wirken dagegen zweifarbig geteilt oder gleichmäßig bleigrau. Für die Behandlung ist der Unterschied allerdings ohne Bedeutung, weil bei allen Vorratsmotten dieselben Maßnahmen greifen.
Kann ich Mehl mit Kornmottenbefall noch verwenden?
Sichtbar verklumptes, mit Gespinst und Kot durchsetztes Mehl sollten Sie entsorgen. Ware, die nur am Rand betroffen oder verdächtig ist, lässt sich durch eine Woche bei minus 18 °C oder eine Stunde bei 60 °C im Backofen entwesen. Die Tiere selbst gelten nicht als gesundheitsgefährlich, aber die Verunreinigung macht das Lebensmittel unappetitlich und fördert Schimmel.
Warum sind meine Weinkorken angefressen?
Kornmotten und die nah verwandte Korkmotte nagen sich in Flaschenkorken ein, wenn diese in feuchten Kellern liegen. Erkennbar ist das an hellem Bohrmehl auf der Korkoberfläche und feinen Fraßgängen. Betroffene Flaschen ziehen Luft oder laufen aus; hilfreich sind trockenere Kellerluft, Kapseln über dem Korken und regelmäßige Sichtkontrollen.
Reichen Pheromonfallen gegen Kornmotten aus?
Nein. Pheromonfallen locken ausschließlich Männchen an und zeigen Ihnen, ob und wie stark noch geflogen wird. Sie eignen sich zur Erfolgskontrolle und zum Auffinden des Befallsschwerpunkts, beenden aber keinen Befall. Entscheidend bleiben das Aussortieren befallener Ware, gründliches Aussaugen und dichte Vorratsbehälter.