Zum Inhalt springen
Vorratsschädling

Mehlmilbe

Mehlmilben sind mit 0,3 bis 0,7 mm kaum zu sehen, machen sich aber durch einen süßlich-minzigen Geruch, bitteren Geschmack und einen bräunlichen Schleier auf dem Mehl bemerkbar. Bei starkem Befall bewegt sich die Oberfläche von Vorräten sichtbar. Die Tiere sind keine Insekten, sondern Spinnentiere, und sie können bei empfindlichen Menschen erhebliche allergische Reaktionen auslösen.

Mehlmilben erkennen

Der Körper ist farblos bis perlweiß und glasig, die Beine wirken rötlich bis hellbraun, lange Borsten stehen vom Rücken ab. Erkennbar wird ein Befall meist als grauer, staubartiger Belag, der sich bei genauem Hinsehen bewegt. Auf dunkler Unterlage zeigen sich die Tiere als helle Punkte.

  • Süßlicher, an Minze erinnernder Geruch beim Öffnen der Packung
  • Bräunlich-grauer Schimmer auf Mehl und Grieß, das Mehl schmeckt bitter
  • Verklumpte, feuchte Stellen in Mehl, Müsli oder Tierfutter
  • Feiner Milbenstaub auf Regalböden, Gläsern und Dosen
  • Juckende Hautausschläge nach dem Umgang mit befallener Ware

Tipp: Streichen Sie das Mehl mit einem Löffel glatt und warten Sie 20 bis 30 Minuten. Ist die Oberfläche danach wieder aufgeraut und von feinen Spuren durchzogen, sind Mehlmilben aktiv. Der Test kostet nichts und ist erstaunlich zuverlässig.

In Vorräten treten außerdem Staubläuse auf, die mit 1 bis 2 mm größer sind und sechs Beine haben. Gespinste und Klümpchen mit Fäden weisen dagegen auf die Mehlmotte hin, ausgefressene Körner mit Bohrloch auf den Kornkäfer.

Lebensweise

Mehlmilben fressen Keimlinge, Mehlstaub, Bruchkorn, Käserinde und Pilzbeläge. Entscheidend ist die Feuchtigkeit: Unter 60 Prozent relativer Luftfeuchte oder bei Kornfeuchten unter 13 Prozent kommt die Entwicklung zum Stillstand, bei 80 Prozent und 23 bis 25 Grad explodiert die Population.

Ein Weibchen legt 20 bis 30 Eier am Tag und mehrere hundert im Leben. Unter guten Bedingungen dauert die Entwicklung vom Ei zur geschlechtsreifen Milbe nur zwei bis drei Wochen, sodass sich der Bestand innerhalb eines Monats vertausendfachen kann. Wird es zu trocken oder knapp, bilden sich robuste Wanderstadien, die sich an Käfer, Mäuse oder Kleidung heften und so neue Vorräte erreichen.

Schäden und Risiken

Befallene Lebensmittel verlieren Geschmack und Backfähigkeit, das Getreide büßt seine Keimfähigkeit ein, weil zuerst der Keimling gefressen wird. Milbenkot und Häutungsreste verunreinigen die Ware, gleichzeitig verschleppen die Tiere Schimmelsporen und erhöhen die Feuchte im Lager. Gesundheitlich sind die Allergene bedeutsam: Sie können Bäckerasthma, Heuschnupfensymptome, juckende Hautausschläge an Händen und Unterarmen sowie in seltenen Fällen schwere Reaktionen nach dem Verzehr stark befallener Mehle auslösen. Deshalb gilt bei sichtbarem Befall grundsätzlich: entsorgen statt aussieben.

Vorbeugen

  • Mehl, Grieß, Müsli, Nüsse und Tierfutter in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen
  • Vorratsschrank trocken und kühl halten, Luftfeuchte unter 60 Prozent
  • Kleine Mengen kaufen und Vorräte nach dem Prinzip Ältestes zuerst verbrauchen
  • Regalböden und Fugen regelmäßig auswischen und vollständig trocknen lassen
  • Vogel- und Nagerfutter getrennt und verschlossen lagern, es ist eine häufige Quelle

Bekämpfen

Werfen Sie alle befallenen und danebenstehenden offenen Packungen in einem verschlossenen Beutel weg. Aussieben oder Ausbacken hilft nicht, weil Kot und Allergene im Mehl bleiben. Räumen Sie den Schrank komplett leer, saugen Sie Ecken und Fugen ab, wischen Sie mit heißem Essigwasser nach und trocknen Sie alles gründlich. Behälter spülen Sie bei 60 Grad in der Spülmaschine.

Vorräte ohne sichtbaren Befall können Sie vorbeugend 72 Stunden bei minus 18 Grad einfrieren, das tötet alle Stadien ab. Duftmittel wie Lorbeer oder Lavendel wirken nicht, Klebefallen erfassen Milben nicht. Entscheidend bleibt die trockene Lagerung, denn ohne Feuchte stirbt die Population von allein ab. In Lagern und Mühlen kommen Trocknung, Kühlung und bei Bedarf zugelassene Akarizide oder eine Begasung durch Fachbetriebe zum Einsatz. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

In der Küche genügen Entsorgen, Reinigen und trockene Lagerung. Fachliche Unterstützung brauchen Sie, wenn der Befall nach vier Wochen zurückkehrt, wenn er in Mühlen, Bäckereien, Lagerhallen oder Käsereien auftritt oder wenn im Haushalt jemand mit Asthma und Allergien lebt. Lebensmittelbetriebe müssen den Befall zudem im Rahmen ihres HACCP-Konzepts dokumentieren und die Ursache abstellen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Kann ich befallenes Mehl noch verwenden, wenn ich es aussiebe?

Nein. Milbenkot, Häutungsreste und Allergene bleiben auch nach dem Sieben im Mehl und lassen sich durch Backen nicht unschädlich machen. Bei empfindlichen Personen können sie allergische Reaktionen auslösen. Entsorgen Sie befallene Ware im verschlossenen Beutel.

Wie erkenne ich Mehlmilben ohne Lupe?

Achten Sie auf den typischen süßlich-minzigen Geruch beim Öffnen der Packung und auf einen bräunlichen Schleier. Der Glattstreich-Test hilft zusätzlich: Ist die geglättete Mehloberfläche nach 20 bis 30 Minuten wieder aufgeraut, sind Milben aktiv.

Sind Mehlmilben gefährlich für den Menschen?

Sie stechen nicht und übertragen keine Infektionskrankheiten. Ihre Allergene können jedoch Hautausschläge, Atemwegsbeschwerden und in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen nach dem Verzehr stark befallener Ware auslösen. Wer Hausstaubmilben nicht verträgt, reagiert oft auch auf Mehlmilben.

Welche Luftfeuchtigkeit stoppt Mehlmilben?

Unter 60 Prozent relativer Luftfeuchte können sich Mehlmilben nicht mehr vermehren, unter 55 Prozent sterben sie nach einigen Wochen ab. Halten Sie Vorratsräume deshalb kühl und trocken und füllen Sie Lebensmittel in dichte Behälter um.