Tabakkäfer
Der Tabakkäfer trägt einen irreführenden Namen. Er lebt längst nicht nur in Tabak, sondern in Gewürzen, Trockenkräutern, Tee, Backwaren, Trockenfutter und sogar in Tierpräparaten. In Wohnungen fällt er meist erst auf, wenn abends kleine braune Käfer ums Licht schwirren oder in der Gewürzschublade liegen.
Tabakkäfer erkennen
Der Käfer ist 2 bis 3 mm lang, gedrungen oval und gleichmäßig gelbbraun bis rotbraun, fein anliegend behaart. Der Kopf steckt unter dem kapuzenartig vorgezogenen Halsschild und ist von oben nicht zu sehen. In Ruhe zieht das Tier Beine und Fühler an und wirkt dann wie ein Krümel. Die Larve ist etwa 4 mm lang, weißlich, gekrümmt und dicht behaart.
- Kleine runde Bohrlöcher in Papier-, Karton- und Folienverpackungen
- Feiner Fraßstaub und Kotkrümel am Boden von Vorratsgefäßen
- Käfer an Fenstern, Lampen und hellen Flächen, vor allem in der Dämmerung
- Verklumpte, muffig riechende Gewürze und Trockenkräuter
Wichtig: Die Verwechslung mit dem Brotkäfer ist die Regel, beide gehören zu den Nagekäfern. Der Tabakkäfer hat innen gesägte Fühler und glatte, glänzende Flügeldecken, der Brotkäfer eine dreigliedrige Endkeule an den Fühlern und deutlich gereihte Punktstreifen. Behandelt werden beide ähnlich, für die Suche nach der Befallsquelle lohnt die Unterscheidung trotzdem.
Lebensweise
Die Weibchen legen einige Dutzend bis etwa hundert Eier lose an die Ware. Die geschlüpften Larven sind lichtscheu, bohren sich in Vorräte oder Verpackungen und fressen dort mehrere Wochen. Nach der Verpuppung in einem Kokon aus Nahrungspartikeln schlüpft der Käfer. Er nimmt keine feste Nahrung mehr auf und lebt nur wenige Wochen, seine Aufgabe ist die Verbreitung.
Das Tempo hängt fast vollständig an der Temperatur. Bei rund 30 °C ist eine Generation in gut vier Wochen fertig, bei 25 °C dauert sie etwa zwei Monate, und unterhalb von etwa 20 °C kommt die Larvenentwicklung praktisch zum Erliegen. Im Freien überlebt die Art in Deutschland nicht, sie ist auf beheizte Räume angewiesen: Lager, Bäckereien, Tabakbetriebe, Küchen. Die Käfer fliegen gut und wandern von der befallenen Packung in Nachbarpackungen und Nachbarräume.
Schäden und Risiken
Den Schaden richten die Larven an. Sie fressen Gänge in Gewürze, Nudeln, Trockenobst, Kakao, Tabak, Tier- und Fischfutter, verunreinigen die Ware mit Kot, Häutungsresten und Gespinstfäden und öffnen mit ihren Bohrlöchern den Weg für Schimmel und Milben. Befallene Lebensmittel sind nicht mehr verkehrsfähig und gehören entsorgt.
Über Vorräte hinaus schädigt die Art Sammlungen: In Herbarien, Insektenkästen und Tierpräparaten frisst sie an getrocknetem organischem Material, ähnlich wie Museumskäfer. Für Menschen ist der Tabakkäfer ungefährlich, er sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Wer allerdings stark befallene Ware verarbeitet, kann auf den Staub aus Kot und Häutungsresten allergisch reagieren.
Vorbeugen
- Gewürze, Tee, Trockenkräuter und Tierfutter in Schraubgläser oder dichte Dosen umfüllen, Papier und Folie halten nicht stand
- Kleine Mengen kaufen und Restbestände nicht jahrelang stehen lassen
- Vorratsschrank kühl halten, unter 20 °C vermehrt sich die Art kaum
- Krümel in Schrankfugen, Regalböden und hinter Gefäßen regelmäßig aussaugen
- Neu gekaufte Ware, besonders Importgewürze und lose Kräuter, vor dem Einräumen kurz durchsehen
Bekämpfen
Der erste Schritt ist immer die Quelle. Prüfen Sie jede Packung im Schrank einzeln, auch ungeöffnete, und schütten Sie Verdächtiges auf ein weißes Blatt Papier: Larven, Kot und Fraßstaub fallen dort sofort auf. Befallene Ware kommt luftdicht verpackt in den Restmüll, nicht in den Biomüll. Danach den Schrank leerräumen, Fugen aussaugen, den Staubsaugerbeutel sofort entsorgen und die Flächen feucht wischen.
Ware, die Sie behalten wollen, lässt sich durch Kälte entwesen: mehrere Tage bei −18 °C im Gefrierschrank, bei dicken Packungen sicherheitshalber eine Woche, damit auch Eier und Puppen im Inneren erfasst werden. Eine mehrstündige Wärmebehandlung über 55 °C wirkt ebenso. In Betrieben arbeiten Fachfirmen mit Wärme-, Kälte- oder Begasungsverfahren. Insektizide sind im Haushalt selten nötig und im Vorratsschrank ohnehin fehl am Platz. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Pheromonfallen für Tabakkäfer locken nur Männchen an. Sie zeigen zuverlässig, ob und wo noch Tiere unterwegs sind, beseitigen den Befall aber nicht. Nutzen Sie sie als Erfolgskontrolle nach dem Ausräumen: Fängt die Falle vier Wochen lang nichts mehr, ist die Sache erledigt.
Wann zum Profi?
Holen Sie Hilfe, wenn nach gründlichem Ausräumen weiter Käfer auftauchen. Dann sitzt die Quelle außerhalb des Vorratsschranks, etwa in Vogelfutter, einem Trockenblumengesteck, einer Präparatesammlung oder in Ritzen hinter der Einbauküche. Auch bei Befall in Bäckereien, Lagern, Apotheken und Museen gehört die Sache in Fachhände, weil dort Ursachensuche, dokumentierte Behandlung und ein Monitoring mit Fallen zusammengehören. Treten gleichzeitig Dörrobstmotten oder andere Käfer auf, spricht das für eine ältere und größere Befallsquelle, als der Schrank vermuten lässt.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann ich Gewürze noch verwenden, in denen ich Tabakkäfer gefunden habe?
Nein. Befallene Ware enthält neben den sichtbaren Tieren auch Eier, Kot und Häutungsreste und ist nicht mehr zum Verzehr geeignet. Entsorgen Sie sie luftdicht verpackt im Restmüll, damit sich der Befall nicht über die Biotonne weiterverbreitet.
Wie unterscheide ich Tabakkäfer und Brotkäfer?
Am sichersten an den Fühlern: Der Tabakkäfer hat gleichmäßig innen gesägte Fühler, der Brotkäfer eine deutlich abgesetzte dreigliedrige Endkeule. Außerdem sind die Flügeldecken beim Tabakkäfer glatt und glänzend, beim Brotkäfer erkennbar in Punktreihen gestreift.
Woher kommt der Tabakkäfer in meiner Wohnung?
Fast immer wird er mit Ware eingeschleppt, häufig über Importgewürze, lose Kräuter, Tee oder Tierfutter. Draußen überlebt die Art in Deutschland nicht, sie stammt also nicht aus dem Garten. Ein Befall ist deshalb kein Hygieneproblem, sondern ein Warenproblem.
Reicht Einfrieren, um den Befall loszuwerden?
Für einzelne Packungen ja, wenn Sie lange genug einfrieren: Bei −18 °C sollte die Ware mehrere Tage im Gefrierschrank bleiben, bei dicken Packungen sicherheitshalber eine Woche, damit auch Eier und Puppen im Inneren absterben. Der Schrank selbst muss trotzdem ausgeräumt, ausgesaugt und gewischt werden, weil Larven auch in Fugen und hinter Regalböden sitzen können.