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Vorratsschädling

Backobstmilbe

Getrocknete Aprikosen mit einem hellen Belag, der sich bei genauem Hinsehen langsam bewegt, sind fast immer ein Fall für die Backobstmilbe. Das Tier ist knapp einen halben Millimeter groß, lebt von Zucker und braucht Feuchtigkeit. Wo beides zusammenkommt, wächst eine Population innerhalb weniger Wochen stark an.

Backobstmilbe erkennen

Der Körper misst etwa 0,35 bis 0,5 mm, ist oval und glasig durchscheinend. Beine und Mundwerkzeuge heben sich rötlich ab, am Hinterende sitzen zwei Paar auffallend lange Borsten. Anders als bei der Mehlmilbe trennt keine deutliche Querfurche den Rücken. Erwachsene Tiere tragen vier Beinpaare, frisch geschlüpfte Larven nur drei.

  • Auf dunklem Trockenobst wirkt der Befall wie feiner heller Staub, der bei Zimmerwärme sichtbar wandert
  • Süßlich-gäriger Geruch aus dem Vorratsglas, oft zusammen mit einem klebrigen Beschlag auf der Ware
  • Bräunliche Krümelschicht aus Kot und Häutungsresten an Glasrand, Deckeldichtung und Tütenfalz

Wichtig: Mit bloßem Auge lassen sich Vorratsmilben nicht sicher auseinanderhalten. Sitzt der Belag auf Mehl, Müsli oder Trockenfutter statt auf Süßem, kommen ebenso Mehlmilbe oder Modermilbe in Frage. Für die Praxis ändert die Artbestimmung wenig, befallene Lebensmittel gehören in allen Fällen in den Müll und nicht auf den Teller.

Lebensweise

Die Backobstmilbe ist auf zuckerreiche Substrate spezialisiert. Am besten entwickelt sie sich in Trockenfrüchten mit hohem Zuckeranteil, also in Rosinen, Backpflaumen, Datteln, Feigen und Aprikosen. Daneben besiedelt sie Honig, Bienenpollen, Marmelade, Fruchtsaftkonzentrate, Wein, Kakaobohnen, Erdnüsse sowie Käse und Milchpulver.

Wärme beschleunigt die Entwicklung, ausschlaggebend ist aber die Feuchtigkeit: Erst oberhalb von etwa 70 Prozent relativer Luftfeuchte oder bei entsprechend hoher Restfeuchte in der Ware selbst vermehrt sich die Art stark. Unter günstigen Bedingungen dauert ein kompletter Zyklus vom Ei bis zur fertigen Milbe nur ein bis zwei Wochen, ein Weibchen lebt mehrere Wochen und legt in dieser Zeit einige hundert Eier. Verschleppt wird die Art vor allem passiv: mit befallener Ware, über Staub, Verpackungen, Schrankritzen und gemeinsam benutzte Schaufeln oder Löffel. Genau darüber wandert der Befall von einer Packung zur nächsten.

Schäden und Risiken

Der reine Fraßschaden ist gering, entscheidend ist die Verunreinigung. Kot, leere Häute und tote Tiere durchsetzen die Ware, Gärungs- und Fäulnisprozesse setzen ein, Trockenobst schmeckt muffig und wird klebrig. Lebensmittel mit sichtbarem Milbenbelag sind verdorben, im gewerblichen Bereich sind sie nicht mehr verkehrsfähig.

Der Verzehr befallener Ware kann allergische Reaktionen auslösen. Wer beruflich viel mit stark befallenen Vorräten umgeht, kann sich außerdem über die Atemwege auf Vorratsmilben sensibilisieren. Ob und wie stark dabei eine bestehende Allergie gegen die Hausstaubmilbe hineinspielt, lässt sich pauschal nicht sagen und gehört ärztlich abgeklärt. Krankheiten überträgt die Backobstmilbe nicht, und sie befällt weder Menschen noch Haustiere.

Vorbeugen

  • Trockenobst, Nüsse und Backzutaten in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen und nicht in der Papiertüte lassen
  • Vorratsraum kühl und trocken halten: Unter etwa 60 Prozent relativer Luftfeuchte entwickeln sich die Milben nicht weiter
  • Kleine Mengen kaufen und Vorräte durchrotieren, statt Restbestände monatelang stehen zu lassen
  • Neue Ware nie auf alte Reste schütten und den Schrank ein- bis zweimal im Jahr komplett ausräumen und trocken auswischen
  • Vogel- und Nagerfutter getrennt und verschlossen lagern, es ist eine der häufigsten Quellen im Haushalt

Bekämpfen

Befallene Packungen kommen verschlossen in den Restmüll, nicht in den offenen Küchenabfall. Danach zählt die Umgebung: Prüfen Sie jede Packung im selben Fach, auch ungeöffnete, denn die Tiere wandern durch Papier und unter schlecht sitzende Deckel. Den leergeräumten Schrank feucht auswischen, Fugen und Bohrlöcher aussaugen, anschließend gründlich trocknen lassen. Entscheidend ist hinterher die Feuchte, denn ein wirklich trockener Schrank ist für diese Art unbewohnbar.

Unauffällige Ware aus derselben Charge lässt sich durch drei Tage bei minus 18 Grad oder eine halbe Stunde bei 55 bis 60 Grad im Backofen absichern. Sprays und andere Biozidprodukte haben im Lebensmittelvorrat dagegen nichts verloren und lösen das Feuchteproblem ohnehin nicht. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Einfrieren tötet Milben zuverlässig ab, macht stark befallene Ware aber nicht wieder genießbar, weil Kot und Häutungsreste darin bleiben. Nutzen Sie die Gefriertruhe deshalb vorbeugend für frisch gekaufte Trockenfrüchte und nicht als Rettungsversuch für wimmelnde Gläser.

Wann zum Profi?

Im Haushalt reichen Entsorgen, Reinigen und Trockenhalten in aller Regel aus. Kehrt der Befall trotzdem nach wenigen Wochen zurück, steckt meist eine unentdeckte Quelle dahinter: vergessenes Tierfutter, ein Sack Backzutaten im Keller oder ein dauerfeuchter Bereich hinter der Schrankrückwand. Wer parallel Dörrobstmotten im selben Schrank findet, sollte den gesamten Vorrat einmal komplett durchsehen.

Für Lager, Bäckereien, Imkereien und Betriebe der Lebensmittelherstellung ist Fachhilfe der richtige Weg. Dort wird mit Stickstoff, Kohlendioxid oder Phosphorwasserstoff begast, wobei die Behandlung in der Regel wiederholt werden muss, weil einzelne Stadien die erste Runde überstehen können. Auch der Einsatz von Raubmilben als Gegenspieler gehört in fachliche Hände. Treten nach dem Umgang mit befallenen Vorräten Hautausschlag, Husten oder Atembeschwerden auf, klären Sie das ärztlich ab.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Kann ich befallenes Trockenobst noch essen, wenn ich es abwasche?

Nein. Neben den lebenden Milben stecken Kot, Häutungsreste und tote Tiere im Lebensmittel, und die lassen sich nicht abwaschen. Der Verzehr kann allergische Reaktionen auslösen. Entsorgen Sie die Packung verschlossen im Restmüll.

Woher kommen Milben in einem geschlossenen Vorratsglas?

Fast immer sind sie schon beim Kauf in der Ware, oft als Eier oder als kaum sichtbare Jungmilben. Sobald das Glas warm genug steht und die Ware genügend Restfeuchte hat, startet die Vermehrung. Seltener wandern die Tiere aus einer benachbarten Packung ein, etwa unter einer schlecht sitzenden Deckeldichtung hindurch.

Hilft Einfrieren gegen Backobstmilben?

Ja, drei Tage bei minus 18 Grad töten alle Stadien ab, ebenso eine halbe Stunde bei 55 bis 60 Grad im Backofen. Sinnvoll ist das aber nur für unauffällige Ware aus derselben Charge. Stark befallenes Trockenobst bleibt auch abgetötet mit Kot und Häuten belastet und gehört in den Müll.

Ist die Backobstmilbe für Menschen gefährlich?

Sie überträgt keine Krankheiten, sticht nicht und befällt weder Menschen noch Haustiere. Problematisch ist sie über das Lebensmittel: Der Verzehr befallener Ware kann Allergien auslösen, und wer beruflich viel mit stark befallenen Vorräten arbeitet, kann sich über die Atemwege sensibilisieren.