Käsefliege
Die Käsefliege fällt selten als Fliege auf, sondern über ihre Larven: weiße, schlanke Maden, die aus Käserinde, Schinken oder Räucherfisch kriechen und bei Störung mehrere Zentimeter weit springen. Dieses Springen hat der Art den Beinamen Käsehüpfer eingebracht und ist zugleich der zuverlässigste Hinweis darauf, womit Sie es zu tun haben.
Käsefliege erkennen
Die erwachsene Fliege ist 3,5 bis 5 mm lang und glänzend schwarz, mit kugeligem Kopf, roten Augen sowie gelblichen Beinen und Gesichtsteilen. Auf dem Rücken verlaufen drei Längsreihen feiner Borsten. Sie fliegt eher träge und bleibt dicht an der Nahrungsquelle. Die ausgewachsene Larve ist weißlich, walzenförmig und 9 bis 10 mm lang, vorn zugespitzt, hinten stumpf abgeschnitten.
- Springende Maden auf Arbeitsplatte, Regalboden oder im Kühlschrankfach, teils 10 bis 15 cm weit
- Feuchte, dunkle Fraßgänge unter der Käserinde, in Speckseiten oder in geräucherter Ware
- Kleine schwarze Fliegen, die sich beharrlich auf gereiftem Käse, Rohwurst oder Schinken niederlassen
Tipp: Legen Sie eine gefundene Made auf eine glatte Fläche und stupsen Sie sie an. Springt sie, ist es die Käsefliege. Kriecht sie nur, kommen eher Larven von Schmeißfliegen, der Buckelfliege oder vom Gemeinen Speckkäfer in Frage, die an ähnlicher Ware auftreten.
Lebensweise
Piophila casei ist weltweit verbreitet und in Deutschland vor allem dort zu finden, wo eiweißreiche Lebensmittel offen reifen oder lagern: in Käsereien und Reifekellern, in Fleischereien und Räuchereien, in Speisekammern und Vorratskellern. Im Freien geht die Art auch an Aas und spielt deshalb in der forensischen Entomologie eine Rolle.
Das Weibchen legt seine Eier in Ritzen und Risse der Nahrung, gern unter Rinden, in Anschnitte oder in Verpackungsfalten. Die Larven schlüpfen nach ein bis zwei Tagen, bohren sich sofort ins Substrat und meiden Licht. Nach rund zwei Wochen verlassen sie das Lebensmittel, um sich in einer trockenen Ritze zu verpuppen, dabei springen sie durch ruckartiges Zusammenkrümmen und Loslassen erstaunlich weit. Die Puppenruhe dauert noch einmal etwa zwei Wochen, die fertige Fliege lebt danach nur wenige Tage. Bei Zimmerwärme entsteht so in gut vier Wochen eine neue Generation, unter 10 Grad kommt die Entwicklung praktisch zum Erliegen.
Schäden und Risiken
Befallene Ware ist verloren. Käse, Schinken, Speck, Pökelfleisch und Räucherfisch werden durchfressen, verunreinigt und riechen ranzig, oft ist der Schaden im Inneren deutlich größer, als das kleine Loch an der Oberfläche vermuten lässt. Die erwachsenen Fliegen können außerdem Keime von Abfall oder Aas auf offene Lebensmittel verschleppen, ähnlich wie andere Fliegen in Küchen und Betrieben.
Medizinisch relevant ist der Weg über den Magen. Die Larven sind gegen Magensäure teilweise unempfindlich und können lebend in den Darm gelangen. Dort verursachen sie eine sogenannte Darm-Myiasis mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und mitunter blutigem Stuhl. In Mitteleuropa sind solche Fälle selten, aus wärmeren Ländern werden sie regelmäßig berichtet.
Wichtig: Schneiden Sie befallene Stellen nicht einfach heraus und essen den Rest. Die Larven sitzen in Gängen tief im Lebensmittel, und verschluckte Maden können den Darm lebend erreichen. Bei anhaltenden Bauchschmerzen oder Durchfall nach dem Verzehr verdächtiger Ware gehört der Verdacht in ärztliche Hände.
Vorbeugen
- Käse, Rohschinken und Räucherware abgedeckt oder in dicht schließenden Behältern aufbewahren, offene Anschnitte nie über Nacht stehen lassen
- Kühl halten: Im Kühlschrank oder in einem Reifekeller unter 10 Grad läuft kaum eine Entwicklung
- Fliegengitter an Fenstern von Vorrats-, Reife- und Räucherräumen anbringen
- Rinden, Abschnitte und Fleischabfälle geschlossen entsorgen und Abfallbehälter häufig leeren
- Regalritzen, Bretterfugen und Kistenböden regelmäßig kontrollieren, dort sitzen die Puppen
Bekämpfen
Der erste Schritt ist immer die Quelle. Entsorgen Sie befallene Lebensmittel großzügig und verschlossen im Restmüll und prüfen Sie alles, was im selben Fach oder Regal lag. Danach die Umgebung gründlich reinigen: Krümel und Fettreste entfernen, Ritzen und Fugen aussaugen, den Staubsaugerbeutel sofort nach draußen bringen. Puppen überstehen einfaches Wischen, sie müssen mechanisch entfernt werden.
Gegen die verbliebenen erwachsenen Fliegen wirken Klebefallen und UV-Lichtfallen in Betrieben zuverlässig, im Haushalt genügen meist Fenstergitter und konsequente Sauberkeit. Insektensprays über offenen Lebensmitteln sind weder nötig noch zulässig, sie ersetzen die Reinigung nicht. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Im Haushalt lässt sich ein Befall fast immer selbst beenden, sobald die befallene Ware weg ist und die Ritzen sauber sind. Kommt die Käsefliege trotzdem nach wenigen Wochen zurück, gibt es eine zweite Quelle, häufig ein vergessenes Paket im Kühlschrankfach, ein Tierkadaver im Zwischenboden oder ein Nagerköder mit Fleischanteil.
In Käsereien, Fleischereien, Räuchereien und in der Gastronomie gehört der Befall in fachliche Betreuung, weil er dokumentiert und im Rahmen des Eigenkontrollkonzepts abgestellt werden muss. Ein Fachbetrieb prüft Reifeklima, Ritzenverstecke und Zuflugwege, richtet ein Monitoring mit Lichtfallen ein und grenzt die Quelle ein, statt nur die sichtbaren Fliegen zu erschlagen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Was sind die springenden weißen Maden in meinem Käse?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit Larven der Käsefliege. Sie sind 9 bis 10 mm lang, weißlich und krümmen sich ruckartig zusammen, um 10 bis 15 cm weit zu springen. Kein anderer verbreiteter Vorratsschädling im Haushalt zeigt dieses Verhalten.
Ist es gefährlich, eine Käsemade zu verschlucken?
Die Larven sind gegen Magensäure teilweise unempfindlich und können den Darm lebend erreichen, wo sie eine Darm-Myiasis mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auslösen können. In Mitteleuropa ist das selten, ausgeschlossen ist es aber nicht. Treten nach dem Verzehr Beschwerden auf, sollten Sie ärztlichen Rat einholen und den Verdacht ansprechen.
Reicht es, die befallene Stelle abzuschneiden?
Nein. Die Larven fressen Gänge tief ins Lebensmittel, das sichtbare Loch ist meist der kleinste Teil des Schadens. Entsorgen Sie befallenen Käse, Schinken oder Räucherfisch komplett und verschlossen im Restmüll.
Wie kommt die Käsefliege überhaupt in die Speisekammer?
Meist fliegt sie durch offene Fenster oder Türen ein, angelockt vom Geruch reifender oder geräucherter Ware. Sie kann aber auch bereits als Ei oder Larve mit gekauftem Rohschinken, Reifekäse oder Räucherfisch ins Haus kommen. Fliegengitter und dicht schließende Behälter unterbrechen beide Wege.