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Vorratsschädling

Gelbhalsmaus

Nachts poltert und trippelt es über dem Schlafzimmer, im Frühjahr liegen Nussschalen und zernagte Dämmwolle unter dem Dach. Der Verdacht fällt fast immer auf die Hausmaus. Am Ortsrand, am Waldrand und auf dem Land steckt jedoch meist die Gelbhalsmaus dahinter, eine besonders geschützte Wildmaus, für die andere Regeln gelten als für den Schadnager im Keller.

Gelbhalsmaus erkennen

Die Gelbhalsmaus ist eine kräftige Langschwanzmaus. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 9 bis 13 cm, der Schwanz ist etwa ebenso lang oder länger, das Gewicht liegt meist zwischen 25 und 40 g. Der Rücken ist warm rotbraun bis ockerfarben, der Bauch reinweiß und scharf davon abgesetzt. Namensgebend ist ein gelbbraunes Band, das quer über die Kehle zieht; bei der sehr ähnlichen Waldmaus sitzt dort höchstens ein kleiner Fleck.

  • Auffallend große, schwarz glänzende Augen und große, abstehende runde Ohren
  • Lange Hinterfüße: Sie flüchtet in weiten Sprüngen, statt am Boden entlangzuhuschen
  • Vorratsdepots aus Haselnüssen, Bucheckern und Eicheln in Dämmung, Kartons, Stiefeln und Blumentöpfen
  • Sauber ausgenagte Nussschalen mit rundem Loch statt zersplitterter Reste

Wichtig: Die Bestimmung entscheidet hier über die Rechtslage. Die Hausmaus ist einfarbig graubraun ohne scharfe Bauchgrenze, hat kleinere Ohren und einen strengen Geruch; sie darf bekämpft werden. Die Gelbhalsmaus ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Wer bei ihr Schlagfallen oder Giftköder einsetzt, verstößt gegen das Artenschutzrecht.

Lebensweise

Die Art lebt in Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, in Hecken, auf Streuobstwiesen und in Gärten am Ortsrand. Sie ist nachtaktiv, klettert hervorragend und ist bis in die Baumkronen unterwegs; Nistkästen nutzt sie regelmäßig als Schlafplatz und Speicher. Einen Winterschlaf hält sie nicht, sie lebt im Winter von angelegten Vorräten.

Ab den ersten kalten Nächten im Herbst rücken die Tiere in Gebäude ein. Sie klettern an rauem Putz, an Efeu, Fallrohren und überhängenden Ästen hoch und nutzen Spalten am Dachüberstand, offene Traufen und Lüftungsöffnungen. Auf dem Dachboden, in Zwischenwänden und unter Dielenböden legen sie Vorratslager an. Anders als die Hausmaus baut die Gelbhalsmaus im Haus keine dauerhafte Population auf: Ein großer Teil der Tiere zieht im Frühjahr von selbst wieder nach draußen.

Schäden und Risiken

Im Haus geht die Gelbhalsmaus an Vorräte, Saatgut, Vogelfutter und Obstlager. Nistmaterial holt sie sich aus Dämmstoffen. Mineralwolle, Zellulose und Hartschaum werden zerlegt, in Zwischensparrendämmung entstehen dabei ganze Kammersysteme. Angenagte Kabelisolierungen kommen vor allem an Leitungen vor, die frei über den Dachboden laufen. Dazu kommt die nächtliche Geräuschkulisse aus Trippeln, Nagen und rollenden Nüssen.

Gesundheitlich ist die Art vor allem als Reservoir bedeutsam. Sie trägt Borrelien und ist einer der wichtigsten Wirte für Larven und Nymphen des Gemeinen Holzbocks; ein hoher Mäusebestand am Haus hält damit auch den Bestand an Zecken im Garten hoch. Hantaviren sind bei mehreren einheimischen Wildmäusen nachgewiesen, die meisten Erkrankungen in Deutschland gehen jedoch auf die Rötelmaus zurück. Kot und Urin in Vorratsbereichen sind in jedem Fall ein Hygieneproblem.

Vorbeugen

  • Alle Öffnungen ab etwa 6 mm dauerhaft schließen: Dachüberstand, Traufkasten, Lüftungsgitter, Kabel- und Rohrdurchführungen
  • Efeu, Spaliere und überhängende Äste vom Dach fernhalten, mindestens einen Meter Abstand einplanen
  • Vorräte, Saatgut und Vogelfutter auf Dachboden und in Schuppen in dicht schließenden Metall- oder Glasbehältern lagern
  • Fallobst und Nussernte nicht offen lagern, Reisig- und Holzstapel mit Abstand zur Hauswand setzen

Was erlaubt ist

Die Gelbhalsmaus ist nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Damit greifen die Zugriffsverbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz: Die Tiere dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Schlagfallen, Klebefallen und Rodentizide scheiden bei dieser Art also aus. Auch der Lebendfang mit anschließendem Aussetzen an anderer Stelle ist nicht frei erlaubt, sondern muss von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigt werden. Stellt sich während einer laufenden Bekämpfung heraus, dass geschützte Arten mitbetroffen sind, muss die Maßnahme abgebrochen werden.

Erlaubt und in der Praxis auch am wirksamsten ist der bauliche Ausschluss: abdichten, Zugänge kappen, Nahrung und Nistmaterial entziehen. Wo ein Gebäude sauber verschlossen ist, verschwindet das Problem dauerhaft, anders als nach einer Bekämpfung, bei der aus der Umgebung laufend Tiere nachrücken.

Tipp: Bauschaum und Silikon halten keine Nacht. Verschließen Sie Spalten mit Edelstahlgewebe, feinmaschigem Lochblech oder Mörtel und schäumen Sie erst darüber. Arbeiten Sie im Spätsommer, bevor die Tiere im Herbst einwandern, sonst schließen Sie sie mit ein.

Wann zum Profi?

Sinnvoll ist fachliche Hilfe schon bei der Bestimmung, denn Mäuse auf dem Dachboden sehen im Halbdunkel alle gleich aus, und von der Art hängt ab, was überhaupt zulässig ist. Ein Fachbetrieb nimmt außerdem die Zugänge am Gebäude systematisch auf; am Dach findet sich fast immer mehr, als vom Boden aus zu sehen ist. Bei starkem Kotanfall in Vorrats- oder Wohnräumen sollte die Reinigung fachgerecht und mit Staubbindung erfolgen, statt trocken zu kehren. Für jede Maßnahme, die über Abdichten und Reinigen hinausgeht, ist die Untere Naturschutzbehörde der richtige Ansprechpartner; sie entscheidet auch über Ausnahmen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Ist das eine Gelbhalsmaus oder doch eine Hausmaus?

Achten Sie auf den Bauch und die Augen. Die Gelbhalsmaus hat einen rotbraunen Rücken und einen reinweißen Bauch mit scharfer Grenzlinie, dazu auffallend große Augen und Ohren sowie ein gelbbraunes Band quer über der Kehle. Die Hausmaus ist einfarbig graubraun ohne klare Bauchgrenze, wirkt kleiner und hinterlässt einen strengen, muffigen Geruch.

Darf ich Gelbhalsmäuse mit Fallen fangen?

Nein. Die Gelbhalsmaus ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, damit sind Fangen, Verletzen und Töten verboten. Das gilt für Schlagfallen und Klebefallen ebenso wie für Giftköder. Auch ein Lebendfang mit Umsetzen an anderer Stelle ist genehmigungspflichtig; zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde.

Wie kommen die Mäuse überhaupt auf den Dachboden?

Die Gelbhalsmaus ist eine ausgezeichnete Kletterin und steigt an rauem Putz, Efeu, Fallrohren und überhängenden Ästen bis unters Dach. Sie nutzt dann Spalten am Dachüberstand, offene Traufen, Lüftungsöffnungen und Durchführungen für Kabel und Rohre. Spalten ab etwa 6 mm reichen aus, deshalb lohnt eine gründliche Kontrolle der gesamten Dachkante.

Sind Gelbhalsmäuse gefährlich?

Angriffslustig sind die Tiere nicht, sie sind scheu und beißen nur, wenn man sie greift. Bedeutsam sind sie als Reservoir: Sie tragen Borrelien und sind wichtige Wirte für junge Zecken, außerdem sind bei einheimischen Wildmäusen Hantaviren nachgewiesen. Räume mit Mäusekot sollten Sie deshalb nie trocken kehren, sondern angefeuchtet und mit Handschuhen reinigen.