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Vorratsschädling

Modermilbe

Die Modermilbe ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen, macht sich aber bemerkbar: als grauer, beweglicher Belag auf Käserinde, Schinken oder Trockenfutter, als muffiger Geruch im Vorratsschrank und bei manchen Menschen als hartnäckiger Hautausschlag. Tyrophagus putrescentiae ist neben der Mehlmilbe die wichtigste Vorratsmilbe in deutschen Haushalten.

Modermilbe erkennen

Die Tiere sind 0,3 bis 0,5 mm groß, farblos bis perlweiß und glasig glänzend; auch Beine und Mundwerkzeuge sind farblos. Rötlich getönte Beine sprechen dagegen für die Mehlmilbe. Auffällig sind die zahlreichen, sehr langen Borsten über den ganzen Hinterleib; die Mehlmilbe trägt am Hinterende nur zwei Paar lange Borsten; sicher unterscheiden lassen sich beide Arten allerdings nur unter dem Mikroskop. Im Alltag erkennen Sie einen Befall daher an seinen Spuren.

  • Feiner, hellgrauer Belag auf Käse, Schinken, Nüssen oder Trockenfutter, der sich bei genauem Hinsehen bewegt
  • Süßlich-muffiger Geruch im Schrank, den viele als moderig oder minzeartig beschreiben
  • Streichen Sie etwas Belag auf dunkles Papier: Nach wenigen Minuten hat sich das Häufchen verändert, weil die Milben auseinanderlaufen

Wichtig: Stark befallene Lebensmittel gehören in den Müll, auch wenn die Oberfläche abgewischt ist. Kot und Häutungsreste bleiben im Produkt, und bei sensibilisierten Menschen können sie nach dem Verzehr allergische Reaktionen auslösen.

Lebensweise

Modermilben brauchen Feuchtigkeit. Unterhalb von rund 65 Prozent relativer Luftfeuchte im Substrat entwickeln sie sich nicht. Am besten kommen sie bei etwa 25 bis 30 °C und sehr hoher Feuchte voran, dann vergehen von der Eiablage bis zur fertigen Milbe nur rund zwei Wochen. Aus wenigen eingeschleppten Tieren wird so binnen weniger Wochen ein sichtbarer Belag. Kühle Lagerung bremst die Entwicklung stark, tiefes Einfrieren tötet die Milben ab.

Gefressen werden Schimmelpilze sowie eiweiß- und fettreiches Material. Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort für Käse ab. Im Freien lebt die Art in Kompost, Heu, Stroh, Erde und Nestern; von dort gelangt sie mit Rohware, Verpackungen, Tierfutter oder Blumenerde ins Haus. Auch Terrarien, Futterinsektenzuchten und offene Futtersäcke im Keller sind häufige Quellen.

Schäden und Risiken

Betroffen sind vor allem fett- und eiweißreiche Waren: Hart- und Schnittkäse, luftgetrockneter Schinken und Rohwurst, Nüsse, Ölsaaten, Trockenfrüchte, Müsli, Backwaren sowie Hunde-, Katzen- und Vogelfutter. An Getreide fressen die Milben bevorzugt den Keimling, was Keimfähigkeit und Backqualität mindert. Nebenbei verschleppen sie Schimmelsporen und beschleunigen so den Verderb. An Rohwurst und Käse tritt gelegentlich zusätzlich die Käsefliege auf.

Gesundheitlich ist die Modermilbe vor allem als Allergen bedeutsam. Kot, Häutungsreste und tote Tiere lösen bei sensibilisierten Menschen Hautreizungen, Schnupfen, Bindehautentzündung und Asthmabeschwerden aus. Im beruflichen Umfeld ist das als Vorratsmilbenallergie bekannt, etwa in Landwirtschaft, Bäckerei und Futtermittelhandel. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, reagiert wegen verwandter Eiweiße oft auch auf Vorratsmilben. Nach dem Verzehr stark befallener Lebensmittel sind in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen beschrieben worden. Die Milben stechen nicht und leben nicht auf dem Menschen.

Vorbeugen

  • Vorratsräume trocken und kühl halten, die Luftfeuchte möglichst unter 60 Prozent, und regelmäßig lüften
  • Trockenware, Nüsse und Tierfutter in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen
  • Große Futtersäcke nicht monatelang offen im feuchten Keller stehen lassen, sondern portionsweise abfüllen
  • Käse und Rohwurst gekühlt aufbewahren und Reifekeller regelmäßig auf Belag kontrollieren

Bekämpfen

Entsorgen Sie alle sichtbar befallenen Lebensmittel in einem verschlossenen Beutel. Räumen Sie den Schrank vollständig aus, saugen Sie Fugen und Ecken ab und wischen Sie feucht nach. Danach unbedingt trocknen lassen, denn Restfeuchte ist genau das, was die Milben brauchen. Ware ohne sichtbaren Befall wird durch eine Woche bei minus 18 °C oder eine Stunde bei 60 °C milbenfrei, die Rückstände bleiben allerdings darin enthalten.

Der entscheidende Hebel ist nicht das Mittel, sondern das Raumklima: Sinkt die Feuchte dauerhaft, geht die Population von selbst zurück. Akarizide oder Insektensprays gehören nicht in den Vorratsschrank und sind für die Anwendung an Lebensmitteln nicht zugelassen. In gewerblichen Lagern kommen bei starkem Befall Begasung oder Schutzatmosphäre in Betracht, beides ausschließlich durch Fachbetriebe. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Ein einfaches Hygrometer im Vorratsschrank oder Keller sagt mehr als jede Falle. Bleibt die Luftfeuchte über Wochen oberhalb von 65 Prozent, kommen Modermilbe, Mehlmilbe und Schimmel immer wieder. Dann helfen nur Trocknen, Lüften oder ein Entfeuchter.

Wann zum Profi?

Rufen Sie Fachleute, wenn der Befall trotz Entsorgung und Trocknung wiederkehrt, wenn ganze Lagerbestände, ein Reifekeller oder ein Betrieb betroffen sind, oder wenn im Haushalt jemand allergisch reagiert und die Quelle unklar bleibt. Ein Fachbetrieb bestimmt die Art mikroskopisch, was wichtig ist, weil Mehlmilbe, Backobstmilbe und räuberische Milbenarten unterschiedlich zu bewerten sind, und findet mit Feuchtemessungen den eigentlichen Herd. Bei anhaltenden allergischen Beschwerden ist zusätzlich eine ärztliche Abklärung sinnvoll, denn eine Sensibilisierung gegen Vorratsmilben lässt sich testen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Was ist der graue Belag auf meinem Käse oder Schinken?

Wenn sich der feine graue Staub bei genauem Hinsehen bewegt, sind es Vorratsmilben, meist Modermilben. Ein Test: etwas Belag auf dunkles Papier streichen und ein paar Minuten warten. Verändert sich das Häufchen, laufen die Milben auseinander.

Kann ich befallenen Käse einfach abwaschen und essen?

Bei sichtbarem Befall besser nicht. Kot, Häutungsreste und tote Milben verteilen sich im Produkt und lassen sich nicht abwischen. Bei sensibilisierten Menschen können sie nach dem Verzehr allergische Reaktionen auslösen.

Machen Modermilben krank oder beißen sie?

Sie stechen nicht und leben nicht auf dem Menschen. Sie sind aber ein starkes Allergen: Kot und Häutungsreste können Hautreizungen, Schnupfen, Bindehautentzündung und Asthmabeschwerden auslösen. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, reagiert oft auch auf Vorratsmilben.

Wie werde ich die Milben dauerhaft los?

Über die Luftfeuchte. Unter etwa 65 Prozent im Substrat entwickeln sich Modermilben nicht mehr. Befallene Ware entsorgen, Schrank aussaugen, feucht wischen und gut trocknen lassen, danach alles in dicht schließenden Behältern lagern.