Speichermotte
Die Speichermotte ist die dritte große Vorratsmotte Mitteleuropas, neben Mehlmotte und Dörrobstmotte, aber deutlich unauffälliger gefärbt. Sie fällt vor allem in Lagern für Kakao, Tabak, Nüsse und Trockenfrüchte auf. Von den drei Arten ist sie die einzige, die auch unbeheizte Räume dauerhaft besiedelt: Ihre Raupen überwintern kältefest in Ritzen und Spalten.
Speichermotte erkennen
Der Falter erreicht 14 bis 20 mm Flügelspannweite bei etwa 8 mm Körperlänge. Die Vorderflügel sind matt braungrau bis blaugrau und zeigen mehrere hellere, dunkel gesäumte Querbinden, die Hinterflügel sind einfarbig hellgrau. Abgeflogene Tiere wirken oft fast zeichnungslos, was die Bestimmung erschwert.
- Raupe cremeweiß bis gelblich mit brauner Kopfkapsel, ausgewachsen 12 bis 15 mm lang
- Wandernde Raupen an Wänden und Decken, die einen Verpuppungsplatz suchen
- Feine Gespinstfäden, Kot und Häutungsreste in und auf der Ware
Wichtig: Die Mehlmotte ist mit 20 bis 25 mm Spannweite deutlich größer und bleigrau mit zickzackförmigen Querlinien, die Dörrobstmotte trägt auf der äußeren Flügelhälfte einen kupferroten Bereich. Die Unterscheidung lohnt sich, weil die Speichermotte anders als die beiden anderen auch kalte Lagerräume übersteht und dort im Frühjahr erneut auftritt.
Lebensweise
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen direkt an der Ware ab. Die Raupen fressen im Substrat, verlassen es aber zur Verpuppung. Ein bis drei Tage wandern sie umher, dann spinnen sie in Ritzen, Spalten, unter Regalböden oder in Sackfalten einen festen Kokon. Genau dort sitzt bei einer Sanierung der Rest der Population – nicht im Vorratsglas.
Bei Zimmertemperatur und ausreichender Luftfeuchte dauert eine Generation etwa zwei Monate. In beheizten Räumen entwickeln sich zwei bis drei Generationen im Jahr, im Freien fliegen die Falter etwa von Mai bis Oktober. Raupen, die im Herbst herangewachsen sind, gehen in eine Diapause und überwintern in diesem Zustand; sie vertragen wochenlang Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und verpuppen sich erst im Frühjahr. Deshalb sind Befälle in unbeheizten Scheunen, Speichern und Lagerhallen möglich, in denen die Tropische Speichermotte längst ausgefallen wäre.
Schäden und Risiken
Das Warenspektrum ist breit: Kakaobohnen und Schokoladenerzeugnisse, Tabak, Nüsse und Mandeln, Trockenfrüchte, Getreide und Getreideprodukte, Gewürze, Trockenkräuter, Heu und Tierfutter. Auch in botanischen Sammlungen und Herbarien tritt die Art auf. Mengenmäßig bleibt der Fraß oft überschaubar; unbrauchbar wird die Ware durch Gespinst, Kot und Häutungsreste. In Kakao- und Tabakbetrieben ist das ein Reklamationsgrund ersten Ranges.
Gesundheitlich ist die Speichermotte harmlos. Sie sticht nicht, überträgt keine Krankheiten und geht nicht an Textilien – wer Fraßlöcher in Wolle findet, sucht eher die Kleidermotte. Bei starkem Befall können Kot- und Schuppenstaub allerdings Atemwegsbeschwerden auslösen, vor allem bei Beschäftigten in Lagern.
Vorbeugen
- Nüsse, Trockenobst, Kakao, Tee und Tierfutter in dicht schließenden Gläsern oder Dosen aufbewahren
- Regale, Fußleisten, Palettenauflagen und Ritzen regelmäßig aussaugen – dort sitzen die Puppen, nicht in der Ware
- Lagerräume kühl und trocken halten und immer die älteste Ware zuerst aufbrauchen
- Neu angelieferte Nüsse, Trockenfrüchte und Kakaoprodukte vor dem Einlagern durchsehen
- Pheromonfallen dauerhaft hängen lassen und die Fangzahlen notieren, um Trends früh zu erkennen
Bekämpfen
Suchen Sie zuerst die befallene Ware und entsorgen Sie sie in einem geschlossenen Beutel außerhalb der Wohnung. Danach folgt der entscheidende Schritt, der oft vergessen wird: die gründliche mechanische Reinigung aller Ritzen, Fugen, Schrankfalze und Regalunterseiten im Umkreis. Solange dort Kokons sitzen, schlüpfen weiter Falter, auch wenn die Vorräte längst getauscht sind.
Kleine Mengen lassen sich durch Kälte oder Wärme entwesen: mehrere Tage bei minus 18 °C oder eine Stunde bei 55 °C erfassen alle Stadien. Gegen die Eier werden im Wohnbereich Schlupfwespen der Gattung Trichogramma eingesetzt; sie müssen über mehrere Generationen ausgebracht werden und ersetzen die Reinigung nicht. Im gewerblichen Bereich kommen Wärmeentwesung, Begasung mit Stickstoff, Kohlendioxid oder Phosphorwasserstoff sowie eine Behandlung des gereinigten Leerraums infrage. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Pheromonfallen fangen nur Männchen und sind ein Messinstrument, kein Bekämpfungsmittel. Hängen Sie mehrere davon auf und notieren Sie die Fänge wöchentlich – ein plötzlicher Anstieg im Frühjahr zeigt an, dass überwinterte Raupen sich verpuppt haben.
Wann zum Profi?
Im Haushalt reichen Ausräumen, Reinigen und dichte Behälter fast immer aus. Fachliche Unterstützung ist sinnvoll, wenn nach einer vollständigen Sanierung weiter Falter auftauchen, wenn der Herd nicht auffindbar ist oder wenn der Befall aus schwer zugänglichen Bereichen wie abgehängten Decken, Hohlräumen oder Nachbarwohnungen kommt.
In Lebensmittellagern, Schokoladen- und Tabakbetrieben, Futtermittelwerken sowie in Museen und Sammlungen gehört die Speichermotte in professionelle Hände. Dort geht es um ein systematisches Monitoring mit ausgewerteten Fallenlinien, um die Abgrenzung gegen andere Motten und um Verfahren wie die Begasung, die nur Sachkundige durchführen dürfen. Bei empfindlichen Sammlungsobjekten ist zusätzlich zu klären, welches Verfahren das Material verträgt.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich Speichermotte und Mehlmotte?
Die Mehlmotte ist mit 20 bis 25 mm Spannweite deutlich größer und bleigrau mit zickzackförmigen Querlinien. Die Speichermotte bleibt bei 14 bis 20 mm und wirkt matt braungrau mit mehreren helleren Querbinden. Praktisch wichtiger ist der Unterschied im Verhalten: Nur die Speichermotte übersteht kalte, unbeheizte Lagerräume.
Warum kommen die Motten trotz entsorgter Vorräte wieder?
Weil die Raupen die Ware zur Verpuppung verlassen. Sie wandern ein bis drei Tage umher und spinnen ihren Kokon in Ritzen, Fugen, Schrankfalzen und unter Regalböden. Wenn Sie nur die Lebensmittel austauschen, schlüpfen aus diesen Verstecken weiter Falter.
Sind Speichermotten schädlich für die Gesundheit?
Nein. Sie stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und beschädigen keine Textilien. Bei starkem Befall in Lagern können Kot- und Schuppenstaub jedoch die Atemwege reizen. Befallene Lebensmittel sollten Sie wegen Gespinst, Kot und Häutungsresten trotzdem entsorgen.
Welche Vorräte sind besonders gefährdet?
Kakaobohnen und Schokoladenwaren, Tabak, Nüsse und Mandeln, Trockenfrüchte, Getreideprodukte, Gewürze, Trockenkräuter, Heu und Tierfutter. Genau deshalb heißt die Art auch Kakao-, Tabak- oder Heumotte. Auch getrocknete Pflanzenteile in Sammlungen werden befallen.