Kabinettkäfer
Der Name führt zurück in die Zeit der Naturalienkabinette: Kabinettkäfer sind kleine Speckkäfer der Gattung Trogoderma, deren Larven getrocknete tierische Stoffe fressen und ganze Insektensammlungen ruinieren. In Deutschland ist vor allem Trogoderma angustum verbreitet, bekannt als Berlinkäfer. Gelegentlich wird auch der Museumskäfer so genannt, Schadbild und Bekämpfung sind bei beiden nahezu identisch.
Kabinettkäfer erkennen
Die Käfer sind 2 bis 4 mm lang, länglich-oval und dunkelbraun bis schwarz. Auf den Flügeldecken sitzen feine helle Schuppenhaare, die undeutliche, gewellte Querbinden bilden. Weil sie zum Licht streben, findet man sie im Frühsommer auf Fensterbänken. Die Larve ist das eigentliche Problem und zugleich das beste Erkennungsmerkmal: 4 bis 6 mm lang, gelb- bis rotbraun, dicht behaart und mit einem langen, pinselartigen Haarschopf am Hinterende.
- Häutungshüllen: leere, borstige Larvenhäute in Schubladen, Sammlungskästen und Vorratsdosen.
- Fraßstaub: feiner, heller Staub in Insektenkästen und unter befallenen Textilien.
- Angefressene Objekte: zerfressene Präparate, kahle Stellen an Vogelbälgen, Löcher in Wolle und Filz.
Lebensweise
Kabinettkäfer verwerten Keratin und trockenes Eiweiß: Insektenpräparate, Federn, Haare, Wolle, Leder, Trockenfleisch und Trockenfisch, dazu Getreideprodukte, Nudeln und Gewürze. Auch tote Insekten in Fensterfalzen, Lampenschalen und Dachhohlräumen zählen dazu und sind in vielen Wohnungen die eigentliche Brutquelle.
Ein Weibchen legt einige Dutzend Eier direkt am Nahrungsmaterial ab. Die Larve entwickelt sich je nach Temperatur und Nahrungsangebot über 4 bis 12 Monate und häutet sich mehrfach. Bei Nahrungsmangel unterbricht sie ihre Entwicklung über lange Zeiträume und überdauert auch in leer geräumten Schränken. Die erwachsenen Käfer leben nur wenige Wochen und fressen kaum.
Schäden und Risiken
Betroffen sind vor allem unersetzliche Dinge. In Sammlungen fressen die Larven Insektenpräparate von innen aus, bis im Kasten nur noch Nadeln und Staub stehen, ebenso Vogelbälge, Felle und Federschmuck. Im Haushalt treffen die Schäden Wolltextilien, Filz, Teppichkanten, Leder sowie Trockenvorräte und Tierfutter. Krankheiten übertragen Kabinettkäfer nicht, die Larvenhaare können bei intensivem Kontakt aber Hautreizungen auslösen.
Wichtig: Der Khaprakäfer (Trogoderma granarium) gilt in der EU als prioritärer Quarantäneschädling und ist in Deutschland nicht etabliert. Ein Befallsverdacht, etwa in importierter Ware, ist dem zuständigen Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes zu melden. Sichern Sie im Zweifel ein Belegtier und behandeln Sie die Ware nicht eigenmächtig.
Vorbeugen
- Sammlungen, Präparate und Wolltextilien in dicht schließenden Kästen und Boxen mit intakten Dichtungen aufbewahren.
- Tote Insekten regelmäßig aus Fensterfalzen, Lampenschalen, Dachböden und Kellern entfernen.
- Gebrauchte Möbel und Sammlungsteile vor dem Einbringen kontrollieren und im Zweifel zwei Wochen bei -18 °C behandeln.
- Trockenvorräte und Tierfutter in Gläsern oder Dosen lagern, offene Tüten vermeiden.
- Klebe- oder Pheromonfallen als Frühwarnsystem in Depots und Vorratsräumen aufstellen und protokollieren.
Bekämpfen
Entscheidend ist, die Brutquelle zu finden. Kontrollieren Sie Sammlungskästen, Schrankecken, Teppichkanten und Vorratsdosen. Häufig liegt der Herd in einem selten geöffneten Kasten, einer alten Futterpackung oder in Insektenresten in einem Hohlraum.
Zur Behandlung eignen sich physikalische Verfahren. Einfrieren bei mindestens -18 °C über zwei Wochen tötet alle Stadien, luftdicht verpackt. Wärme wirkt ab etwa 55 °C Kerntemperatur über mehrere Stunden, waschbare Textilien behandeln Sie bei 60 °C. Danach den Bereich mit der Fugendüse aussaugen und den Beutel sofort außerhalb entsorgen. Zedernholz und Mottenkugeln retten kein befallenes Objekt, Sprühmittel erreichen die Larven kaum.
Tipp: Legen Sie nach der Behandlung Klebefallen aus und kontrollieren Sie sie mindestens sechs Monate lang. Weil die Larvenzeit sich jahrelang hinziehen kann, zeigt erst diese Nachkontrolle, ob der Befall beendet ist.
Wann zum Profi?
Bei befallenen Sammlungen, Museen und Depots gehört die Behandlung in Fachhände, die mit Wärme-, Kälte- oder Stickstoffkammern arbeiten und den Erfolg dokumentieren. Auch wenn der Befall trotz Reinigung zurückkehrt oder die Quelle unauffindbar bleibt, lohnt der Schädlingsbekämpfer. Bei Verdacht auf den Khaprakäfer ist der Pflanzenschutzdienst die richtige Adresse, nicht der Baumarkt.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Was genau ist ein Kabinettkäfer?
Gemeint sind kleine Speckkäfer der Gattung Trogoderma, deren Larven getrocknete tierische Stoffe fressen. Der Name stammt aus der Zeit der Naturalienkabinette, weil die Tiere klassischerweise Insektensammlungen und Präparate schädigen. In Deutschland tritt vor allem Trogoderma angustum auf, der Berlinkäfer. Gelegentlich wird auch der Museumskäfer so bezeichnet.
Wie unterscheide ich Kabinettkäferlarven von Mottenraupen?
Kabinettkäferlarven sind dicht behaart und tragen am Hinterende einen langen Haarpinsel, sie hinterlassen borstige, leere Häutungshüllen. Mottenraupen sind nahezu kahl und spinnen feine Gespinströhren mit Kotkrümeln. Pheromonfallen für Kleidermotten fangen die Käfer nicht, dafür braucht es eigene Lockstoffe.
Wie behandle ich eine befallene Insektensammlung?
Verpacken Sie den Kasten luftdicht und frieren Sie ihn mindestens zwei Wochen bei -18 °C ein, danach langsam auf Raumtemperatur bringen und erst dann öffnen, damit kein Kondenswasser die Präparate schädigt. Anschließend Kasten reinigen, Dichtungen prüfen und über mehrere Monate mit Klebefallen nachkontrollieren. Bei wertvollen Beständen ist eine restauratorische Beratung sinnvoll.
Woher kommen die Käfer in meiner Wohnung?
Meist werden sie mit Ware eingeschleppt, etwa mit gebrauchten Möbeln, Sammlungsobjekten, Tierfutter oder Trockenware. Eine zweite Quelle sind tote Insekten in Fensterfalzen, Lampen und Dachhohlräumen sowie Vogelnester am Gebäude. Beides regelmäßig zu entfernen, senkt das Befallsrisiko deutlich.