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Vorratsschädling

Lebensmittelmotte

Lebensmittelmotte ist kein Artname, sondern der Sammelbegriff für die Vorratsmotten in Küche und Speisekammer. In deutschen Haushalten stecken fast immer die Dörrobstmotte oder die Mehlmotte dahinter. Wer abends einen kleinen Falter durchs Zimmer flattern sieht, hat den Befall meist schon seit Wochen im Schrank.

So erkennen Sie einen Befall

Die Dörrobstmotte erkennen Sie an den zweifarbigen Vorderflügeln: Die körpernahe Hälfte ist hellgrau, die äußere kupferbraun. Die Mehlmotte ist mit 20 bis 25 mm Spannweite größer und gleichmäßig bleigrau mit dunklen Querlinien. Beide sitzen tagsüber flach an Wänden und fliegen erst in der Dämmerung. Die goldglänzende Kleidermotte ist kleiner, meidet Licht und hat mit Lebensmitteln nichts zu tun.

  • feine Gespinstfäden in Mehl, Müsli, Nüssen oder Trockenobst, die Krümel zu Klumpen verkleben
  • weißliche bis rosafarbene Larven mit brauner Kopfkapsel, je nach Art bis 17 mm (Mehlmotte bis 20 mm) lang
  • walzenförmige Kokons in Schrankecken, an der Deckenkante und in Regalfugen
  • Fraßlöcher in Tüten und Folienbeuteln, oft an der Schweißnaht

Lebensweise

Ein Weibchen legt 100 bis 400 Eier direkt auf oder neben die Nahrung und stirbt danach; die Falter selbst fressen nichts und leben nur ein bis zwei Wochen. Nach drei bis acht Tagen schlüpfen die Larven und fressen sich durch Getreideprodukte, Nüsse, Trockenobst, Schokolade, Gewürze, Tee und Tierfutter. Zum Verpuppen verlassen sie die Ware und wandern mehrere Meter weit an Wände, Decken und in Schrankfugen.

Bei 25 bis 30 °C dauert eine Generation nur vier bis sechs Wochen, in einer beheizten Wohnung sind drei bis fünf Generationen pro Jahr möglich. Wichtig für die Praxis: Die Larven durchbeißen dünne Folien, Papier und Zellophan. Ungeöffnete Neuware ist deshalb kein Beweis für Befallsfreiheit, im Gegenteil stammt der Befall häufig aus einer bereits im Handel befallenen Packung.

Schäden und Risiken

Befallene Vorräte sind durch Kot, Häutungsreste und Gespinste verunreinigt und gehören entsorgt. Der Verlust ist selten auf eine Packung beschränkt, weil die Larven wandern und benachbarte Vorräte erschließen. Gefährlich ist die Motte nicht: Sie sticht nicht, überträgt keine Krankheiten, und wer versehentlich eine Larve mitisst, nimmt keinen Schaden. Problematisch wird es bei länger befallener Ware, die feucht wird und verschimmelt. Vorratsmilben und Schimmelpilze können Allergien und Magen-Darm-Beschwerden auslösen, deshalb gilt: im Zweifel wegwerfen.

Vorbeugen

  • Mehl, Müsli, Reis, Nüsse und Tierfutter in Schraub- oder Bügelgläser umfüllen, Folienbeutel bieten keinen Schutz
  • Neueinkäufe vor dem Einräumen kurz auf Gespinste und Fraßlöcher prüfen
  • Schrankfugen, Bohrlöcher und Regalböden regelmäßig aussaugen und feucht auswischen
  • Vorräte kühl lagern, unter 15 °C kommt die Entwicklung fast zum Erliegen

Tipp: Pheromonfallen fangen ausschließlich die Männchen und beenden keinen Befall. Als Frühwarnsystem sind sie ausgezeichnet: Hängen Sie eine Falle in den Vorratsschrank und kontrollieren Sie sie monatlich. Jeder Fang bedeutet, dass irgendwo Larven sitzen.

Bekämpfen

Räumen Sie den kompletten Schrank aus, jede Packung einzeln. Befallenes wandert verschlossen in die Restmülltonne. Scheinbar saubere Vorräte retten Sie, indem Sie sie eine Stunde bei 60 °C in den Backofen geben oder mindestens eine Woche bei −18 °C einfrieren; bei dicht gepackter Ware sind zwei Wochen sicherer. Danach den leeren Schrank gründlich aussaugen, Kokons in Ecken und Fugen abkratzen und alles mit heißem Essigwasser auswischen. Vergessen Sie die Rückwand, die Scharniere und den Raum über dem Schrank nicht.

Gegen die Restpopulation haben sich Schlupfwespen der Gattung Trichogramma bewährt. Die 0,4 mm kleinen Tiere parasitieren die Motteneier und verschwinden von selbst, sobald keine Eier mehr da sind. Nötig sind mehrere Kartenlieferungen über etwa zehn Wochen. Lavendelsäckchen, Zedernholz und Nelken vertreiben Vorratsmotten nicht, sie überdecken nur den Geruch. Insektensprays haben im Lebensmittelschrank nichts zu suchen.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. In Küchen und Vorratsräumen sind Hitze, Kälte und konsequente Reinigung den chemischen Mitteln vorzuziehen.

Wann zum Profi?

Wenn nach zwei gründlichen Räumaktionen weiter Falter auftauchen, sitzt der Herd außerhalb des Schranks, etwa in einer Zwischendecke, hinter einer Küchenzeile oder beim Nachbarn. Auch in Mehrparteienhäusern, Bäckereien, Gastronomie und Lebensmittellagern ist ein Fachbetrieb der richtige Ansprechpartner, weil er die Quelle mit systematischem Monitoring eingrenzt.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Sind Lebensmittelmotten gesundheitsschädlich?

Die Falter stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Eine versehentlich mitgegessene Larve ist unbedenklich. Kritisch wird befallene Ware erst, wenn sie durch Kot und Gespinste feucht wird und schimmelt oder sich Vorratsmilben ansiedeln, die Allergien auslösen können. Befallene Lebensmittel gehören deshalb in den Restmüll.

Helfen Pheromonfallen gegen einen Mottenbefall?

Nur eingeschränkt. Die Fallen locken ausschließlich die Männchen an, ein Teil der Weibchen wird trotzdem begattet. Als Frühwarnsystem und zur Erfolgskontrolle nach einer Bekämpfung sind sie sehr nützlich, als alleinige Maßnahme reichen sie nicht aus.

Woher kommen die Motten, obwohl alles sauber ist?

Meist werden sie als Ei oder Larve in einer Packung mit nach Hause getragen; Getreideprodukte, Nüsse und Vogelfutter sind die häufigsten Quellen. Die Larven durchbeißen dünne Folien, sodass auch ungeöffnete Ware befallen sein kann. Seltener fliegen Falter im Sommer durchs offene Fenster ein.