Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer ist einer der wichtigsten Getreideschädlinge in europäischen Lagern und taucht gelegentlich auch in Haushalten auf, meist in Mehl, Müsli oder Tierfutter. Mit 1,5 bis 2,5 mm ist er winzig und so flach gebaut, dass er durch Verpackungsnähte und Haarrisse schlüpft. Gefährlich für den Menschen ist er nicht, für Vorräte dagegen schon: Seine Larven fressen den Keimling aus dem Korn und machen die Ware unbrauchbar.
Käfer und Befall erkennen
Die Käfer sind glänzend rot- bis rostbraun und auffallend schmal und abgeflacht. Kennzeichnend sind die langen, perlschnurartigen Fühler, die bei Männchen fast Körperlänge erreichen, sowie zwei feine Längsleisten seitlich am Kopf, die der Art ihren Namen geben. Die Larven werden bis 4 mm lang, sind gelblich-weiß und dünn. Ab etwa 23 Grad fliegen die Käfer und besiedeln so neue Lagerbereiche.
- Kleine flinke Käfer an Sackecken, Silowänden, in Schrankfugen und auf Vorratsgläsern
- Körner mit ausgefressenem Keimling und feinem Bohrmehl
- Warme Nester im Getreidestapel, teils mehrere Grad über der Umgebungstemperatur
- Klumpiges, muffig riechendes Mehl und beginnender Schimmel
- Käfer in Pheromonfallen bei der Lagerkontrolle
Verwechselt wird die Art oft mit dem Getreideplattkäfer, der mit 2,5 bis 3,5 mm größer ist und sechs deutliche Zähnchen an den Seiten des Halsschilds trägt. Der Rotbraune Reismehlkäfer ist mit 3 bis 4 mm kräftiger gebaut, der Kornkäfer gut am Rüssel zu erkennen.
Lebensweise
Ein Weibchen legt 100 bis 400 Eier lose zwischen die Körner. Bei 30 bis 33 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte dauert die Entwicklung vom Ei zum Käfer nur etwa drei Wochen, bei 20 Grad mehrere Monate. Unter 20 Grad kommt die Vermehrung praktisch zum Erliegen, die Käfer selbst überstehen kühle Perioden jedoch gut und leben bis zu neun Monate.
Die Art gilt als Folgeschädling: Sie bevorzugt bereits beschädigte, gebrochene oder von anderen Insekten angefressene Körner. Larven bohren sich in den Keimling, ausgewachsene Käfer fressen an Mehl, Schrot, Ölsaaten, Nüssen und Trockenobst. Feuchte Ware mit Pilzbewuchs ist besonders attraktiv.
Schäden und Risiken
Der Fraß am Keimling senkt die Keimfähigkeit von Saatgut drastisch, was bei Braugerste und Saatgetreide den Totalverlust bedeuten kann. Im Massenbefall entstehen im Getreidestapel warme, feuchte Nester, in denen Schimmelpilze wachsen. Damit steigt das Risiko für Mykotoxine, die Ware wird als Lebens- und Futtermittel unbrauchbar. Kot, Häutungsreste und tote Käfer verunreinigen zusätzlich. Für Menschen sind die Käfer weder giftig noch Krankheitsüberträger, allergische Reaktionen auf Käfer- und Milbenstaub kommen bei Beschäftigten in Mühlen aber vor.
Vorbeugen
- Getreide auf unter 13 Prozent Kornfeuchte trocknen und auf unter 15 Grad herunterkühlen
- Lager vor jeder Einlagerung vollständig leeren, aussaugen und Ritzen reinigen
- Alte und neue Ernte niemals mischen, Restmengen zuerst verbrauchen
- Haushaltsvorräte wie Mehl, Grieß, Müsli und Tierfutter in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen
- Pheromonfallen zur Überwachung aufstellen und monatlich auswerten
Bekämpfen
Im Haushalt entsorgen Sie alle befallenen und benachbarten Packungen in einem verschlossenen Beutel im Hausmüll. Räumen Sie den Schrank leer, saugen Sie Fugen und Bohrlöcher aus, wischen Sie mit heißem Essigwasser nach und lassen Sie alles trocknen. Kleine Mengen unbefallen wirkender Vorräte können Sie sieben Tage bei minus 18 Grad einfrieren oder eine Stunde bei 60 Grad im Backofen behandeln.
Duftmittel wie Lorbeer, Nelken oder Lavendel vertreiben die Käfer nicht, Klebefallen fangen nur einen Bruchteil. In Lagern ist Kühlung das wirksamste Mittel, ergänzt durch Kieselgur in Leerräumen. Eine Begasung mit Phosphorwasserstoff darf ausschließlich ein zugelassener Fachbetrieb durchführen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Messen Sie im Getreidelager regelmäßig die Temperatur an mehreren Stellen. Ein Nest dieser Käfer verrät sich meist zuerst durch eine warme Zone, lange bevor Sie ein einzelnes Tier zu Gesicht bekommen.
Wann zum Profi?
Einzelne Käfer in der Küche bekommen Sie mit Ausräumen und Reinigen selbst in den Griff. Einen Fachbetrieb brauchen Sie bei Befall in Silos, Mühlen, Lagerhallen und Futtermittelbetrieben, bei Verdacht auf Schimmel und Mykotoxine sowie dann, wenn nach vier Wochen erneut Käfer auftauchen. Betriebe mit Lebensmittelverarbeitung sind zusätzlich über ihr HACCP-Konzept zur Schädlingsüberwachung verpflichtet.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer für Menschen gefährlich?
Nein. Die Käfer beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Versehentlich mitgegessene Tiere sind gesundheitlich unbedenklich. Problematisch ist der Schimmel, der in stark befallener, feuchtwarmer Ware entsteht, deshalb gehören solche Vorräte in den Müll.
Wie kommt der Käfer in verschlossene Packungen?
Sein flacher Körper von unter einem Millimeter Höhe passt durch Klebenähte, Faltkanten und feine Risse in Papier- und Folienverpackungen. Häufig ist die Ware aber schon vor dem Kauf befallen und die Tiere schlüpfen erst im Vorratsschrank.
Bei welcher Temperatur stirbt der Käfer ab?
Unter 20 Grad vermehrt sich die Art kaum noch, bei unter 15 Grad kommt die Entwicklung zum Stillstand. Sicher abgetötet werden alle Stadien durch sieben Tage bei minus 18 Grad oder eine Stunde bei 60 Grad. Im Lager ist das Herunterkühlen des Getreides die wichtigste Maßnahme.
Muss ich alle Vorräte wegwerfen?
Entsorgen Sie alles, worin Sie Käfer, Larven oder ausgefressene Körner finden, samt der direkt daneben stehenden offenen Packungen. Ungeöffnete Ware in dichten Gläsern können Sie behalten, sollten sie aber vier Wochen lang kontrollieren.