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Vorratsschädling

Getreidekapuziner

Der Getreidekapuziner gehört weltweit zu den schädlichsten Vorratsschädlingen im Getreidelager. In Deutschland tritt er regelmäßig in Silos, Mühlen und warmen Lagerräumen auf. Das Tückische für die Praxis: Larven und Puppen sitzen im Inneren der Körner. Von außen wirkt der Bestand lange in Ordnung.

Getreidekapuziner erkennen

Der Käfer ist nur 2 bis 3 mm lang, walzenförmig und kastanienbraun bis fast schwarz; Beine und Bauchseite sind heller. Kennzeichnend ist der stark gewölbte Halsschild, der wie eine Kapuze über den Kopf gezogen ist – von oben ist der Kopf gar nicht zu sehen. Der Vorderrand des Halsschilds trägt raspelartige Zähnchen, die Fühler enden in drei keulig verdickten Gliedern. Anders als Kornkäfer und Reiskäfer hat er keinen Rüssel: Er gehört zu den Bohrkäfern.

  • Runde Ausbohrlöcher in den Körnern, daneben ausgehöhlte, auffällig leichte Körner
  • Viel feines Fraßmehl im Lagergut und in den Siebrückständen
  • Süßlich-muffiger, moschusartiger Geruch bei stärkerem Besatz

Tipp: Versteckten Befall macht die Schwimmprobe sichtbar. Geben Sie eine Handvoll Körner in ein Glas Wasser und rühren Sie um: Ausgehöhlte Körner mit Larve im Inneren sind leichter und schwimmen auf, gesunde sinken ab. Das ersetzt keine Siebprobe, verrät aber in einer Minute, ob genaueres Hinsehen lohnt.

Lebensweise

Die Art stammt ursprünglich aus dem tropischen Asien und ist heute in allen wärmeren Regionen der Erde verbreitet. Sie ist ausgesprochen wärmeliebend: Optimal sind über 30 °C und rund 70 % relative Luftfeuchte, die Entwicklung läuft aber schon ab etwa 20 °C. Unter besten Bedingungen dauert ein Zyklus vom Ei zum Käfer knapp vier Wochen, bei 25 °C etwa zwei Monate. Ein Weibchen legt über rund sechs Monate bis zu 500 Eier.

Die Eier werden außen an die Körner oder lose ins Lagergut abgelegt. Die geschlüpften Larven bohren sich in ganze, unbeschädigte Körner ein, höhlen sie von innen aus und verpuppen sich dort. Auch die Käfer fressen kräftig und bohren sich selbst ins Korn. Damit ist der Getreidekapuziner ein Primärschädling – er ist nicht auf Bruchkorn oder Vorschädigung angewiesen wie viele andere Lagerkäfer.

Anders als der Kornkäfer sind die Tiere gut flugfähig und unternehmen im Frühjahr und Herbst Wanderflüge über größere Strecken. Ein frisch gereinigtes Silo kann deshalb von außen neu besiedelt werden. In Deutschland überdauert die Art nicht im Freien, sondern in beheizten Mühlen und Lagern sowie in Restgetreide in der Fördertechnik.

Schäden und Risiken

Der Fraßschaden ist hoch: Befallene Körner sind ausgehöhlt, das Lagergut verliert an Gewicht, der Anteil an Fraßmehl steigt deutlich. Saatgut verliert die Keimfähigkeit, weil der Keimling mitgefressen wird. Dazu kommt die Verunreinigung mit Kot und Häutungsresten, die Geruch und Geschmack von Mehl und Backwaren beeinträchtigt.

Das größere Risiko ist indirekt. Stoffwechselwärme und Feuchte eines starken Besatzes erwärmen die Schüttung nesterweise. In diesen feuchtwarmen Zonen wachsen Schimmelpilze, es drohen Verderb und Mykotoxine. Stark befallenes Getreide ist als Lebens- oder Futtermittel nicht mehr verwendbar. Für Menschen selbst ist der Käfer harmlos: Er sticht nicht, beißt nicht und überträgt keine Krankheiten.

Vorbeugen

  • Lager, Fördertechnik, Elevatoren und Ritzen vor der Einlagerung restlos von Altgetreide räumen und reinigen
  • Getreide trocken einlagern und zügig auf unter 15 °C, besser 12 °C herunterkühlen – per Belüftungskühlung oder Getreidekühlgerät
  • Regelmäßig Siebproben ziehen, Temperaturfühler auswerten und Fallen kontrollieren, besonders in den ersten Wochen nach der Ernte

Weil die Käfer fliegen, lohnen Insektenschutzgitter an Zu- und Abluftöffnungen. Alte und neue Ernte gehören nie in dieselbe Zelle. Im Haushalt genügen kleine Vorratsmengen in dicht schließenden Gläsern oder Metalldosen; Sackware und Tierfutter sollten Sie nach dem Kauf kurz kontrollieren.

Bekämpfen

Im Haushalt ist die Sache überschaubar: befallene Vorräte entsorgen, den Schrank vollständig ausräumen, aussaugen und feucht auswischen, Ritzen und Bohrlöcher der Regalböden nicht vergessen. Nicht befallene Restbestände können Sie vorsorglich eine Woche bei −18 °C einfrieren.

Im Lager wird es schwierig, weil Larven und Puppen geschützt im Korn sitzen. Spritz- und Sprühbehandlungen erreichen sie nicht, sie erfassen nur frei laufende Käfer. Wirksam sind das Herunterkühlen des Lagerguts unter die Entwicklungsschwelle, die Begasung mit Phosphorwasserstoff sowie – in geeigneten Anlagen – kontrollierte Atmosphären mit Kohlendioxid oder Stickstoff; Mühlen werden zusätzlich thermisch entwest. Für Leerraumbehandlungen stehen zugelassene Präparate zur Verfügung. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wichtig: Eine Begasung mit Phosphorwasserstoff ist nichts, was man selbst durchführt. Das Gas ist hochgiftig, die Anwendung ist an einen Befähigungsschein, gasdichte Räume oder Folienzelte und umfangreiche Sicherheitsauflagen gebunden. Ein Begasungsunternehmen zu beauftragen ist keine Bequemlichkeit, sondern vorgeschrieben.

Wann zum Profi?

In landwirtschaftlichen Lagern, Mühlen, Futtermittel- und Lebensmittelbetrieben gehört ein Befall in die Hand einer Vorratsschutzfirma. Sie bestimmt die Art sicher, schätzt den Befallsgrad über Siebproben und Fallen ein und wählt zwischen Kühlung, Begasung und kontrollierter Atmosphäre. Beratung gibt es außerdem beim Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes. Privathaushalte sind selten betroffen; kehrt der Befall dort wieder, steckt meist eine Dauerquelle im Haus – Tierfutter, Dekomaterial oder ein vergessener Sack im Keller. Daneben finden sich in Lagern häufig auch Getreideplattkäfer oder Getreidemotten, die anders bekämpft werden müssen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie erkenne ich einen Befall, bevor Käfer sichtbar werden?

Achten Sie auf auffällig viel feines Fraßmehl im Lagergut und in den Siebrückständen sowie auf einen süßlich-muffigen Geruch. Runde Ausbohrlöcher in den Körnern sind ein sicheres Zeichen. Für einen schnellen Test geben Sie eine Handvoll Körner in Wasser – ausgehöhlte Körner schwimmen auf.

Warum reicht Spritzen im Silo nicht aus?

Larven und Puppen entwickeln sich vollständig im Inneren der Körner. Spritz- und Sprühbehandlungen erreichen dort nichts, sie erfassen nur die frei laufenden Käfer. Wirksam sind Kühlung unter die Entwicklungsschwelle, Begasung oder eine kontrollierte Atmosphäre.

Kann ich befallenes Getreide noch verwenden?

Bei starkem Befall nicht mehr. Das Getreide ist mit Kot, Häutungsresten und toten Tieren verunreinigt, Geruch und Geschmack leiden. Zusätzlich droht durch die Eigenerwärmung der Schüttung Schimmelbildung, und Saatgut hat seine Keimfähigkeit verloren.

Wie kommt der Käfer überhaupt ins Lager?

Meist über Restgetreide in Fördertechnik, Ritzen und schlecht gereinigten Zellen oder über zugekaufte Ware. Anders als der Kornkäfer fliegt der Getreidekapuziner gut und legt bei seinen Wanderflügen im Frühjahr und Herbst größere Strecken zurück. Auch ein frisch gereinigtes Silo kann deshalb von außen neu besiedelt werden.