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Materialschädling

Braune Wegameise

Die Braune Wegameise ist die Ameisenart, die in Mitteleuropa am häufigsten dauerhaft in Gebäuden nistet. Wer im Sommer schmale Ameisenstraßen an Fensterlaibungen, Fußleisten oder Dachbalken entdeckt, hat es meist mit ihr zu tun. Stechen kann sie nicht, als Krankheitsüberträger spielt sie keine Rolle. Zum Problem wird sie, weil ihr Nest in Dämmstoff, feuchtem Holz oder Mauerfugen sitzt und dort über Jahre Hohlräume erweitert.

Braune Wegameise erkennen

Arbeiterinnen messen 2,5 bis 4 mm und sind auffällig zweifarbig: Kopf und Hinterleib dunkelbraun, Brustabschnitt und Beine hell gelb- bis rotbraun. Der Kontrast ist mit einer Lupe sicher zu sehen. Königinnen werden 6 bis 8 mm groß, geflügelte Männchen messen mit 4 bis 5 mm etwas mehr als die Arbeiterinnen.

Auf ein Nest im Gebäude deuten diese Anzeichen hin:

  • schmale Laufstraßen, die über Wochen dieselbe Kante, Fuge oder Rohrdurchführung nutzen
  • Ameisen, die aus Fugen, Steckdosen oder hinter Verkleidungen hervorkommen statt von draußen hereinzulaufen
  • Holzmulm oder herausgetragene Dämmwollflocken unter Balken, Fußleisten und Revisionsklappen
  • viele geflügelte Tiere an den Fensterscheiben zwischen Juni und August

Verwechselt wird sie mit der Schwarzgrauen Wegameise, die einfarbig dunkel ist und in Erde und Plattenfugen nistet, sowie mit der Glänzendschwarzen Holzameise, die 4 bis 5 mm misst, tiefschwarz glänzt und große Kartonnester baut.

Lebensweise

Den Hauptteil der Nahrung liefert Honigtau von Blatt- und Rindenläusen, die die Ameisen pflegen und verteidigen. Dazu kommen tote Insekten, in Wohnungen Zucker, Honig, Fett und Krümel.

Im Freiland liegt das Nest in morschem Holz alter Eichen und Obstbäume oder unter loser Rinde. In Gebäuden besiedelt die Art feuchtes und pilzgeschädigtes Bauholz, Mineralwolle, Hartschaumdämmung und Hohlräume hinter Verkleidungen. Gesundes, trockenes Hartholz nagt sie nicht an, sie nutzt vorhandene Schäden. Ein Volk hat meist eine Königin und einige hundert bis mehrere tausend Arbeiterinnen. Vom Ei zur fertigen Arbeiterin vergehen bei 20 bis 25 °C etwa acht bis zehn Wochen. Arbeiterinnen leben ein bis zwei Jahre, die Königin viele Jahre – deshalb verschwindet ein Nest nicht von allein.

Schäden und Risiken

  • Bausubstanz: Nester vergrößern bestehende Schadstellen in feuchtem Holz. Statisch relevant wird das nur bei bereits verpilzten Bauteilen.
  • Dämmung: Mineralwolle und Hartschaum werden ausgehöhlt, die Dämmwirkung geht örtlich verloren.
  • Elektrik: Nester in Verteilerdosen, Rollladenkästen und Leerrohren können Kriechströme und Kurzschlüsse auslösen.
  • Hygiene und Garten: Offene Lebensmittel werden verunreinigt, und durch das Hegen der Blattläuse steigt deren Befall an hausnahen Obstbäumen.

Wichtig: Ein Nest im Haus ist fast immer ein Feuchtigkeitsanzeiger. Suchen Sie die Ursache: undichte Dachanschlüsse, Spritzwasser am Sockel, Leckagen hinter Bad- oder Küchenwänden. Ohne Trocknung kommt der Befall zurück.

Vorbeugen

  • Feuchteschäden beheben, betroffenes Holz trocknen oder austauschen.
  • Risse, Fugen und Rohrdurchführungen an Fassade, Fenstern und Türen schließen.
  • Äste, Efeu und Spaliere von der Hauswand abrücken – sie sind die bevorzugte Zulaufstrecke.
  • Blattläuse an hausnahen Obstbäumen und Sträuchern kurz halten.
  • Zucker, Mehl und Tiernahrung dicht verschlossen lagern, Krümel sofort entfernen.
  • Brennholz nicht an der Hauswand stapeln und nicht über Wochen im Keller lagern.

Bekämpfen

Wirksam ist nur, was die Königin erreicht. Setzen Sie deshalb auf Fraßköder als Dose oder Gel: Arbeiterinnen tragen den gezuckerten Wirkstoff ins Nest und verfüttern ihn dort. Stellen Sie die Köder direkt an die Laufstraße. Nach zwei bis vier Wochen versiegt sie.

Sprays auf die Laufstraße töten nur Arbeiterinnen und können das Volk zum Umzug in eine andere Wand veranlassen. Backpulver und Natron wirken nicht. Zimt, Essig oder Kreide überdecken die Duftspur und verlegen die Straße bestenfalls um einen halben Meter.

Tipp: Verfolgen Sie die Straße abends mit der Taschenlampe rückwärts. Wo Ameisen in einer Fuge verschwinden und mit Mulm herauskommen, sitzt das Nest. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Rufen Sie einen Schädlingsbekämpfer, wenn das Nest hinter geschlossenen Bauteilen sitzt, Schwärmer im Innenraum auftreten oder Köder nach vier Wochen nichts bewirken. Bei Nestern in der Elektroinstallation, in Flachdachdämmungen oder in Lebensmittelbetrieben braucht es Fachtechnik. Ein guter Betrieb sucht erst Nest und Feuchtequelle und behandelt danach gezielt – so, wie es die Befallsvorbeugung bei Ameisen generell vorsieht.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Zerstört die Braune Wegameise tragendes Holz wie eine Termite?

Nein. Sie nagt kein gesundes, trockenes Holz an, sondern besiedelt Holz, das bereits feucht oder pilzgeschädigt ist. Dort erweitert sie vorhandene Hohlräume für ihr Nest. Ein Befall ist damit vor allem ein Warnsignal für einen Feuchteschaden, der ohnehin behoben werden muss.

Warum fliegen plötzlich geflügelte Ameisen in meiner Wohnung?

Zwischen Juni und August verlassen Jungköniginnen und Männchen das Nest zum Schwarmflug. Tauchen sie innen an den Fenstern auf, liegt das Nest im Gebäude und nicht im Garten. Die Schwärmer selbst sind harmlos und sterben nach wenigen Tagen, das Nest bleibt bestehen.

Helfen Hausmittel wie Backpulver, Zimt oder Essig?

Backpulver und Natron wirken nicht, das ist ein verbreiteter Irrtum. Zimt, Essig, Kreide oder ätherische Öle überdecken kurzfristig die Duftspur, die Straße wird dann einfach verlegt. Nest und Königin bleiben unberührt, der Befall kehrt zurück.

Wie lange dauert es, bis ein Ameisenköder wirkt?

In den ersten Tagen laufen mehr Tiere als vorher, weil der Köder aktiv eingetragen wird. Das ist gewollt. Nach etwa zwei bis vier Wochen versiegt die Straße, bei großen Völkern kann es länger dauern. Wechseln Sie das Produkt nicht ständig und stören Sie die Laufstraße nicht.