Zum Inhalt springen
Materialschädling

Buntspecht

Im Frühjahr klopft es an der Hauswand, und wenig später klafft ein handtellergroßes Loch im Putz. Der Buntspecht behandelt Wärmedämmverbundsysteme wie morsches Holz: Der hohle Klang unter der dünnen Putzschicht verspricht Insekten und weiches Material für eine Bruthöhle. Der Vogel ist gesetzlich geschützt, die Fassade nicht – deshalb entscheidet der richtige Zeitpunkt über alles Weitere.

Buntspecht erkennen

Der Buntspecht ist 20 bis 24 cm lang, wiegt rund 80 g und erreicht 34 bis 39 cm Flügelspannweite. Das Gefieder ist schwarzweiß gemustert, mit großen weißen Schulterflecken, weißen Wangen und leuchtend rotem Unterschwanz. Männchen tragen einen roten Nackenfleck, Weibchen nicht; Jungvögel haben eine rote Scheitelkappe.

  • Trommelwirbel aus etwa zehn bis fünfzehn Schnabelschlägen in weniger als einer Sekunde, vor allem von Februar bis Mai
  • Ruf ein kurzes, scharfes „kick“, bei Erregung schnell wiederholt
  • An der Fassade: runde bis ovale Löcher, meist in den oberen Geschossen, darunter Putzbrocken und Dämmstoffflocken auf dem Boden

Lebensweise

Der Buntspecht ist der häufigste Specht Mitteleuropas und lebt in Wäldern, Parks, auf Friedhöfen und in Gärten; in Deutschland gilt er als weit verbreitet und ungefährdet. Er ist Standvogel und ganzjährig im Revier. Die Nahrung wechselt mit der Jahreszeit: im Sommer holzbewohnende Insektenlarven und Ameisen, im Winter Samen von Fichte und Kiefer, die er in selbst gehackte Spalten klemmt und aufmeißelt.

Gebrütet wird einmal im Jahr, meist zwischen April und Juni. Dafür zimmert das Paar in der Regel jedes Jahr eine neue Höhle, bevorzugt in Totholz oder in Bäume mit weichem Kernholz. Genau dieses Verhalten trifft die Fassade: Eine Dämmplatte hinter dünnem Putz klingt beim Klopfen hohl und lässt sich ähnlich leicht bearbeiten wie faules Holz. Betroffen sind fast immer verputzte Wärmedämmverbundsysteme, bevorzugt ab dem ersten Obergeschoss und in der Nähe alter Bäume.

Schäden und Risiken

Die Löcher reichen durch Putz und Armierungsschicht bis in den Dämmstoff, oft mit einer ausgehöhlten Kammer dahinter. Für die Gesundheit der Bewohner ist das ohne Belang, für die Bauphysik nicht: An der offenen Stelle geht die Dämmwirkung verloren, Regenwasser läuft in die Dämmebene und kann bis zum Untergrund vordringen. Bleibt die Feuchte im Aufbau, drohen durchfeuchtetes Mauerwerk und Schimmel auf der Innenseite.

Dazu kommt: Spechte sind revier- und ortstreu. Eine reparierte Stelle wird häufig im Folgejahr erneut angegangen, manchmal direkt daneben. Auch verlassene Höhlen bleiben selten leer – Stare, Haussperlinge und Fledermäuse ziehen nach, was den späteren Verschluss zusätzlich rechtlich bindet.

Wichtig: Ein Loch darf nicht verschlossen werden, solange es besetzt sein könnte. Während der Brut- und Aufzuchtzeit sind auch Vergrämung und Störung am Nistplatz untersagt. Wer zumauert, ohne die Höhle vorher zu kontrollieren, riskiert, Gelege oder Jungvögel einzuschließen – ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Vorbeugen

  • Bei Neubau und Sanierung auf einen widerstandsfähigen Aufbau achten: dickere, harte Putzschichten und zusätzliche Armierungsgewebe erschweren das Aufhacken deutlich
  • Anflughilfen reduzieren – überhängende Äste zurückschneiden, damit der Vogel keinen bequemen Ansitz direkt an der Wand hat
  • Gefährdete Flächen im Winter kontrollieren; frische, noch flache Anhackstellen lassen sich unproblematisch schließen, bevor daraus eine Höhle wird

Optische Abwehr wie Flatterbänder, reflektierende Streifen oder Greifvogelattrappen wirkt meist nur wenige Tage, weil sich die Vögel schnell gewöhnen. Verlässlicher sind mechanische Lösungen: ein weitmaschiges Netz oder Gewebe mit Abstand vor der betroffenen Fassadenfläche, straff und ohne lose Schlaufen gespannt, damit sich keine Tiere verfangen.

Was erlaubt ist

Alle heimischen Vogelarten sind nach § 7 Absatz 2 Nummer 13 Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt; die Verbote regelt § 44 BNatSchG. Verboten sind das Fangen, Verletzen und Töten, die erhebliche Störung während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit sowie die Beschädigung oder Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Eine Spechthöhle in der Fassade ist eine solche Stätte, auch wenn sie in einer Dämmplatte sitzt.

Ohne Genehmigung zulässig sind nur vorbeugende Maßnahmen: bauliche Abwehr durch Netze, verstärkte Putzaufbauten oder Verkleidungen sowie das Anbringen von Nistkästen als Ersatzangebot. Das Verschließen einer fertigen Spechthöhle zerstört dagegen eine Fortpflanzungs- und Ruhestätte und ist auch außerhalb der Brutzeit und bei leerer Höhle nur mit einer Ausnahme nach § 45 BNatSchG erlaubt, in der Regel mit der Auflage, Ersatzquartiere anzubieten – zuständig ist die untere Naturschutzbehörde Ihrer Kreis- oder Stadtverwaltung. Fangen, Töten oder das Zerstören besetzter Höhlen sind keine Option, auch nicht bei hohem Sachschaden.

Tipp: Hängen Sie im selben Zug einen geräumigen Nistkasten in der Nachbarschaft der Fassade auf und lassen Sie stehendes Totholz im Garten, wo es niemanden gefährdet. Ein Revier mit genügend natürlichen Höhlenbäumen macht die Dämmplatte als Ausweichquartier weniger interessant.

Wann zum Profi?

Für die Reparatur lohnt ein Fachbetrieb für Wärmedämmverbundsysteme: verfüllter Dämmkern, neue Armierung und farblich passender Oberputz sind mit Baumarktmaterial schwer hinzubekommen, und schlecht geschlossene Löcher werden erfahrungsgemäß wieder aufgehackt. Vor jeder Maßnahme zwischen März und August sollten Sie die untere Naturschutzbehörde einbinden. Wiederholt sich der Befall jährlich, klärt ein Bausachverständiger, ob der gesamte Wandaufbau ertüchtigt werden muss. Anders als bei Eichhörnchen oder Mardern im Dach ist hier kein Schädlingsbekämpfer gefragt, sondern Handwerk in Abstimmung mit dem Naturschutz.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Darf ich das Spechtloch in meiner Fassade einfach zumachen?

Nur außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit und erst, wenn geprüft ist, dass die Höhle leer ist. Als Fortpflanzungs- und Ruhestätte ist sie nach § 44 BNatSchG geschützt. Im Zweifel fragen Sie vorab bei der unteren Naturschutzbehörde nach.

Warum hackt der Specht ausgerechnet an meiner gedämmten Wand?

Der dünne Putz über der Dämmplatte klingt beim Klopfen hohl und ähnelt damit morschem Holz mit Insektenbesatz. Zusätzlich lässt sich das weiche Material leicht zu einer Bruthöhle ausarbeiten. Ungedämmte Massivwände sind deshalb kaum betroffen.

Was hilft wirklich gegen Spechte an der Fassade?

Dauerhaft wirken nur bauliche Lösungen: ein weitmaschiges Netz mit Abstand vor der Wand, verstärkte Putz- und Armierungsschichten oder eine Verkleidung. Flatterbänder, Attrappen und reflektierende Streifen verlieren nach wenigen Tagen ihre Wirkung, weil sich die Vögel daran gewöhnen.

Kommt der Specht nach der Reparatur wieder?

Häufig ja, denn Buntspechte sind revier- und ortstreu und kehren im nächsten Frühjahr an dieselbe Wand zurück. Reparieren Sie deshalb nicht nur, sondern sichern Sie die Fläche zusätzlich baulich ab. Ein Nistkasten in der Nähe kann den Druck auf die Fassade senken.