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Materialschädling

Termiten

Termiten gelten als Problem warmer Länder. Trotzdem gibt es in Deutschland seit den 1930er Jahren eine eingeschleppte Termitenpopulation: In Hamburg lebt die Nordamerikanische Gelbfußtermite in und unter Gebäuden. Wer heute weiße Krabbler im Haus findet, hat allerdings fast immer etwas anderes vor sich.

Termiten erkennen

Arbeiterinnen von Reticulitermes flavipes sind 4 bis 5 mm lang, weißlich bis cremefarben, weichhäutig und blind. Soldaten fallen durch einen großen, gelbbraunen Kopf mit kräftigen Kiefern auf. Die Geschlechtstiere sind dunkelbraun bis schwarz und schwärmen im Frühjahr mit vier gleich großen, milchig getrübten Flügeln, die sie danach abwerfen. Termiten sind keine Ameisen, auch wenn sie oft so genannt werden.

  • Termiten haben keine Wespentaille: Brust und Hinterleib gehen breit ineinander über, die Fühler sind gerade und perlschnurartig
  • Ameisen haben eine deutliche Einschnürung, geknickte Fühler und ungleich große Flügelpaare
  • Typisches Zeichen sind abgeworfene Flügel auf Fensterbänken sowie erdig verschmierte Schutzröhren über Mauerwerk und Fundamenten

Das Fraßbild unterscheidet sich klar von dem der heimischen Holzschädlinge: Termiten fressen im Holzinneren entlang der weichen Frühholzschichten und lassen eine papierdünne Außenschicht stehen. Es entsteht kein Bohrmehl und es bleiben keine runden Ausfluglöcher zurück, wie sie Holzwurm und Hausbock hinterlassen. Die Gänge sind dafür oft mit Erde und Kot ausgekleidet.

Tipp: Sammeln Sie bei Verdacht einige Tiere und abgeworfene Flügel in einem festen, verschlossenen Gefäß, und fotografieren Sie die Fundstelle im Holz mit einem Maßstab daneben. Beides zusammen reicht Fachleuten meist schon für die Bestimmung.

Lebensweise

Bodentermiten legen ihre Kolonie im Erdreich unterhalb der Frostgrenze an. Ein Staat umfasst je nach Alter einige zehntausend bis mehrere Millionen Tiere, im Mittel einige hunderttausend. Von dort aus tasten sich die Arbeiterinnen durch Gänge und selbst gebaute Erdröhren zu Holz vor, das Erdkontakt hat oder feucht ist. Trockene Luft vertragen sie nicht, deshalb bleiben sie stets in geschlossenen Röhren und werden kaum je offen gesehen.

Verdauen können sie das Holz nicht allein. Im Darm leben Geißeltierchen, die Zellulose aufschließen; die Nahrung wird durch gegenseitige Fütterung im Staat verteilt. Genau dieser Austausch macht die Kolonie angreifbar, wenn ein Wirkstoff über Köder eingebracht wird. Geht das Königspaar verloren, können Ersatzgeschlechtstiere nachrücken, was Bekämpfungen langwierig macht.

Schäden und Risiken

Termiten fressen alles Zellulosehaltige: Bauholz, Fußböden, Türzargen, Papier, Karton, Dämmstoffe und Wurzeln lebender Bäume. Weil der Befall im Verborgenen abläuft, fällt er häufig erst auf, wenn ein Balken nachgibt. Für Menschen und Haustiere sind die Tiere ungefährlich, sie stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Das Risiko ist rein baulicher Natur.

In Deutschland ist die Lage örtlich sehr begrenzt. Nachgewiesen wurde die Art in Hamburg erstmals 1937, eingeschleppt mit Importholz aus Nordamerika; überlebt haben die wärmebedürftigen Tiere vor allem in den warmen Kanälen der Fernwärmeleitungen. 1966 kam ein Nachweis in München hinzu. Bekämpft wird seit Jahrzehnten, inzwischen vor allem mit Ködersystemen. Als getilgt gilt die Hamburger Population nach dem bisher veröffentlichten Kenntnisstand aber nicht; sie bleibt auf wenige Bereiche der Stadt beschränkt. Vereinzelt gelangen Termiten mit Importholz, Verpackungsholz oder Möbeln ins Land, ohne dass daraus bislang weitere Vorkommen entstanden sind.

Vorbeugen

  • Kein direkter Erdkontakt von Bauholz: Sockel, Kies- oder Sperrschichten und ausreichender Abstand zwischen Boden und Holzbauteil einplanen
  • Brennholz, Bretter, Paletten und Baumstümpfe nicht an der Hauswand oder im Kriechkeller lagern
  • Feuchtequellen abstellen, also Leitungslecks, aufsteigende Nässe und unbelüftete Kriechräume; Termiten und heimische Arten wie der Braune Splintholzkäfer profitieren von feuchtem Holz

Bei importierten Massivholzmöbeln, Kisten und Verpackungshölzern lohnt ein Blick auf Bohrlöcher, Erdanhaftungen und Gangsysteme, bevor die Ware in den Keller kommt.

Bekämpfen

Termitenbekämpfung ist keine Aufgabe für Eigenleistung. Da die Kolonie im Boden sitzt und nur ein Bruchteil der Tiere im befallenen Bauteil arbeitet, bringt das Behandeln einzelner Balken nichts. Bewährt hat sich das Ködersystem: Stationen mit zellulosehaltigem Material und einem Häutungshemmer werden im Erdreich und an Befallsstellen verteilt. Die Arbeiterinnen tragen den Wirkstoff in den Staat, der über Monate bis wenige Jahre zusammenbricht. Ergänzend werden zerstörte Bauteile ausgetauscht, Bodenbarrieren eingebaut und Feuchtequellen beseitigt. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wichtig: Weiße oder helle Insekten im Haus sind in Deutschland fast nie Termiten. Deutlich häufiger stecken Springschwänze, frisch gehäutete Tiere, Larven oder geflügelte Ameisen dahinter, die im Frühsommer schwärmen. Bestimmen Sie die Art, bevor Sie über Maßnahmen nachdenken.

Wann zum Profi?

Bei einem begründeten Verdacht sollten Sie in jedem Fall eine Fachfirma oder eine Sachverständige für Holzschutz einschalten, und zwar bevor Bauteile geöffnet oder Möbel entsorgt werden. Wichtig sind die zweifelsfreie Artbestimmung, die Abgrenzung gegen heimische Holzschädlinge und die Feststellung, wie weit sich der Befall bereits ausgedehnt hat. Sinnvoll ist außerdem, den Fund der zuständigen Stelle beim Pflanzenschutzdienst oder Umweltamt zu melden, denn eingeschleppte Vorkommen lassen sich nur früh eindämmen. Für die Bewertung tragender Bauteile braucht es ohnehin ein Gutachten; das gilt genauso, wenn sich der Verdacht auflöst und am Ende Rossameisen im feuchten Holz sitzen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Gibt es Termiten in Deutschland?

Ja, aber nur örtlich sehr begrenzt. In Hamburg besteht seit den 1930er Jahren eine eingeschleppte Population der Nordamerikanischen Gelbfußtermite; erstmals nachgewiesen wurde sie dort 1937, überlebt hat sie vor allem in den warmen Kanälen der Fernwärmeleitungen. 1966 kam ein Nachweis in München hinzu. Trotz jahrzehntelanger Bekämpfung gilt die Hamburger Population nach dem veröffentlichten Kenntnisstand nicht als getilgt. Außerhalb solcher Befallsstellen leben in Deutschland keine Termiten.

Wie unterscheide ich Termiten von geflügelten Ameisen?

Termiten haben keine Wespentaille, gerade perlschnurartige Fühler und vier gleich große Flügel. Ameisen zeigen eine deutliche Einschnürung zwischen Brust und Hinterleib, geknickte Fühler und ein größeres Vorderflügelpaar. Die im Frühsommer schwärmenden Ameisen sind der mit Abstand häufigste Grund für Termitenverdacht.

Woran erkenne ich Termitenfraß im Holz?

Termiten fressen von innen entlang der weichen Frühholzschichten und lassen nur eine dünne Außenhaut stehen; das Holz klingt hohl, ohne dass Löcher sichtbar wären. Es fällt kein Bohrmehl an, dafür sind die Gänge oft mit Erde und Kot verschmiert. Bohrmehl und runde Ausfluglöcher sprechen für Holzwurm oder Hausbock.

Können Termiten durch den Klimawandel nach Deutschland kommen?

Neue, dauerhafte Ansiedlungen im Freiland sind bisher nicht belegt; das bekannte Vorkommen in Hamburg hängt an beheizten Gebäuden und warmen Leitungskanälen. Eingeschleppt werden die Tiere immer wieder mit Import- und Verpackungsholz oder Möbeln. Deshalb ist es sinnvoll, einen Verdacht früh prüfen und melden zu lassen.