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Materialschädling

Gemeiner Nagekäfer (Holzwurm)

Runde Löcher von ein bis zwei Millimetern im Dielenboden, feines Bohrmehl unter der Kommode: Dahinter steckt fast immer der Gemeine Nagekäfer, im Alltag Holzwurm genannt. Den Schaden richtet die Larve an, die ein bis drei Jahre im Holz frisst. Für Menschen ist er ungefährlich, für Möbel und Balken kann er teuer werden.

Holzwurm erkennen

Der Käfer ist 2,5 bis 5 Millimeter lang, walzenförmig und rotbraun, sein Halsschild ist kapuzenartig über den Kopf gezogen. Die Larve wird bis 6 Millimeter lang, ist cremeweiß, stark gekrümmt und hat eine braune Kopfkapsel. Zu sehen bekommt man meist nur die Spuren.

  • Ausfluglöcher: kreisrund, 1 bis 2 Millimeter, scharfrandig – frische hell, alte vergraut
  • Bohrmehl: körnig-sandig, mit zitronenförmigen Kotpartikeln
  • Bohrmehlhäufchen, die nach dem Wegwischen erneut auftauchen
  • Käfer von Mai bis August auf Fensterbänken
  • Bei langem Befall Löcher dicht an dicht, das Holz gibt unter Druck nach

Verwechselt wird er vor allem mit dem Hausbock, der ovale Löcher von 5 bis 10 Millimetern erzeugt und nur Nadelholz befällt. Der Gescheckte Nagekäfer, Namensgeber der Totenuhr, hinterlässt rund 3 Millimeter große Löcher in feuchtem Eichenholz.

Tipp: Aktiv oder längst erloschen? Saugen Sie das Bohrmehl restlos ab, legen Sie dunkles Papier unter und markieren Sie die Stelle. Rieselt bis zum Spätsommer neues, helles Mehl nach, fressen Larven im Holz.

Lebensweise

Befallen wird das Splintholz von Laub- und Nadelholz, Kernholz rührt der Käfer kaum an. Alles entscheidet die Holzfeuchte: Unter etwa 10 Prozent kommt die Entwicklung zum Erliegen, ab rund 12 Prozent läuft sie. Deshalb sitzt er in Kellern, unbeheizten Räumen und Altbau-Erdgeschossen und stirbt in dauerhaft beheizten Wohnungen oft von selbst aus.

Ein Weibchen legt 20 bis 40 Eier in Risse, Fugen und alte Ausfluglöcher; auf lackierten oder gewachsten Flächen kann es nicht ablegen. Die Larve frisst ein bis drei Jahre und verpuppt sich dicht unter der Oberfläche, der Käfer schlüpft von Mai bis August und lebt nur zwei bis vier Wochen. Sein Verwandter im Haushalt ist der Brotkäfer.

Schäden und Risiken

Gesundheitlich ist der Holzwurm unbedenklich: Er sticht nicht, beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Der Schaden ist reiner Materialschaden.

In Möbeln, Parkett und Dielen zerfressen die Larven den Splintanteil: Furniere lösen sich, Stuhlbeine und Schubladenzargen brechen, bei Antiquitäten sinkt der Wert. An Balkenköpfen und Fachwerk arbeitet er langsamer als der Hausbock, schwächt Querschnitte über Jahrzehnte aber erheblich. Fast jeder aktive Befall ist im Kern ein Feuchteproblem.

Vorbeugen

  • Holzfeuchte unter 10 bis 12 Prozent halten: heizen, stoßlüften, Luftfeuchte unter 60 Prozent
  • Feuchtequellen abstellen – undichtes Dach, aufsteigende Feuchte, Kondensat an Außenwänden
  • Möbel nicht bündig an kalte Außenwände stellen, Luft dahinter zirkulieren lassen
  • Sichtbares Holz lackieren, ölen oder wachsen; Schwachstellen sind Rückwände und Sockelleisten
  • Gebrauchtmöbel und Brennholz vor dem Einbringen auf frische Löcher prüfen, neues Holz technisch getrocknet einbauen

Bekämpfen

Bei Möbeln und Kleinteilen ist die Wärmebehandlung Standard: 55 Grad im Holzkern über mindestens eine Stunde töten alle Stadien ab, rückstandsfrei nach DIN 68800-4. Fachbetriebe arbeiten mit Wärmekammern, meist für 150 bis 500 Euro pro Stück. Der Backofen taugt dafür nicht, weil Leimfugen sich lösen und das Holz reißt. Für wertvolle Antiquitäten ist die Stickstoffbehandlung unter Sauerstoffabschluss am schonendsten.

An Bauteilen kommen Heißluft- und Mikrowellenverfahren infrage sowie geprüfte Holzschutzmittel. Streichen und Sprühen erreicht tiefer sitzende Larven nicht zuverlässig; bei größeren Querschnitten wird im Bohrlochtränkverfahren gearbeitet. Nichts bringen zugespachtelte Löcher, Zwiebel- und Essigauflagen sowie Ultraschallgeräte.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Holzschutzmittel für Innenräume nur mit passendem Prüfzeichen und nach Fachberatung einsetzen, in Schlaf- und Kinderzimmern besonders zurückhaltend.

Wann zum Profi?

An tragenden Bauteilen gehört ein aktiver Befall immer in fachliche Hände: Ein Holzschutz-Sachverständiger prüft, wie tief die Zerstörung reicht und ob die Reststatik ausreicht, saniert wird nach DIN 68800-4. Auch großflächiger Befall in Parkett und wertvolle Antiquitäten sind ein Fall für den Fachbetrieb.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Woran erkenne ich, ob der Holzwurm noch aktiv ist?

Saugen Sie alles Bohrmehl ab, legen Sie dunkles Papier unter und markieren Sie die Stelle. Rieselt in den folgenden Wochen, vor allem im Frühjahr und Sommer, neues Mehl nach, sind Larven im Holz. Frische Ausfluglöcher sind hell und scharfrandig, alte dunkel und verstaubt. Bleibt es monatelang sauber, ist der Befall erloschen.

Ist der Holzwurm gefährlich für Menschen oder Haustiere?

Nein. Der Gemeine Nagekäfer sticht nicht, beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Er geht auch nicht an Lebensmittel oder Textilien. Das Risiko liegt allein im Materialschaden an Möbeln, Böden und Holzkonstruktionen.

Hilft es, befallene Möbel in den Backofen zu stellen?

Davon ist abzuraten. Zwar töten 55 Grad Kerntemperatur über eine Stunde alle Stadien ab, doch im Haushaltsofen lässt sich die Temperatur im Holz nicht kontrollieren. Leimfugen lösen sich, Furniere werfen sich, das Holz reißt, und es besteht Brandgefahr. Fachbetriebe behandeln Möbel in Wärmekammern, meist für 150 bis 500 Euro.

Warum kommt der Holzwurm immer wieder?

Weil die Ursache steht: zu feuchtes Holz. Ab etwa 12 Prozent Holzfeuchte entwickeln sich die Larven, unter 10 Prozent kaum noch. Solange ein undichtes Dach, aufsteigende Feuchte oder ein ungelüfteter Kellerraum die Feuchte hochhält, folgt auf jede Behandlung der nächste Befall. Trocknung und Lüftung sind der wichtigste Schritt.