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Materialschädling

Motten

Wer nach Motten sucht, meint fast immer eines von zwei sehr unterschiedlichen Problemen: Löcher im Wollpullover oder Gespinste in der Müslipackung. Beides verursachen kleine Nachtfalter, aber es sind verschiedene Familien mit verschiedenen Ansprüchen. Die Unterscheidung ist der wichtigste erste Schritt, denn Fallen, Nützlinge und Maßnahmen sind jeweils andere.

Motten erkennen

Im Haushalt spielen drei Familien eine Rolle: die Echten Motten (Tineidae) mit Kleidermotte, Pelzmotte, Tapetenmotte und Kornmotte, die Zünsler (Pyralidae) mit Dörrobstmotte, Mehlmotte und Speichermotte sowie die Faulholzmotten (Oecophoridae) mit Samenmotte und Kleistermotte. Alle sind 6 bis 12 mm lang und legen die Flügel in Ruhe dachförmig über den Körper.

  • Textilmotten sind meist unscheinbar: die Kleidermotte einfarbig strohgelb und seidig glänzend, die Pelzmotte bräunlich-grau mit ein bis drei dunklen Punkten, die Tapetenmotte auffällig zweifarbig mit schwarzbraunem Basisdrittel. Sie meiden Licht und flattern niedrig und ungeschickt.
  • Vorratsmotten sind gezeichnet: Bei der Dörrobstmotte ist das vordere Flügeldrittel hellgrau bis ockergelb, der hintere Teil kupferrot. Sie fliegen abends auch offen im Raum.
  • Der schnellste Hinweis ist der Fundort. Küche und Vorratsschrank sprechen für Vorratsmotten, Kleiderschrank, Teppich und Schlafzimmer für Textilmotten.

Wichtig: Pheromonfallen wirken artspezifisch. Eine Falle für die Lebensmittelmotte fängt keine Kleidermotte und umgekehrt. Ein leerer Klebestreifen beweist also nicht, dass kein Befall vorliegt – es kann schlicht die falsche Falle gewesen sein.

Lebensweise

Schäden verursachen ausschließlich die Larven. Die erwachsenen Falter haben verkümmerte Mundwerkzeuge, nehmen keine feste Nahrung mehr auf und leben nur wenige Wochen, lange genug für die Eiablage. Ein Weibchen bringt je nach Art einige Dutzend bis mehrere hundert Eier direkt auf oder in das Substrat.

Textilmottenlarven spinnen Röhren aus Seide und Nahrungsfasern, in denen sie sich vorwärtsfressen; die Larve der Pelzmotte trägt stattdessen einen Sack mit sich herum. Vorratsmottenlarven durchziehen Mehl, Müsli und Trockenobst mit Gespinsten und verkleben Körner zu Klumpen. Zur Verpuppung wandern sie oft weit von der Nahrung weg und sitzen dann an Schrankkanten, Deckenübergängen und in Scharnieren.

In geheizten Wohnungen gibt es keine Winterpause. Bei Zimmertemperatur dauert eine Generation je nach Art einige Wochen bis mehrere Monate, sodass im Jahr mehrere Generationen aufeinanderfolgen. Deshalb hört ein Befall nicht von allein auf.

Schäden und Risiken

Textilmotten fressen Keratin und gehen daher an Wolle, Kaschmir, Seide, Filz, Pelz, Federn und Rosshaar. Baumwolle, Leinen und Synthetik werden nur angenommen, wenn sie mit Schweiß, Hautschuppen oder Speiseresten verunreinigt sind – dort entstehen dann die typischen Löcher an Kragen und Achseln. Die Tapetenmotte greift zusätzlich Teppichunterseiten, Polsterfüllungen und alte Kleisterschichten an.

Vorratsmotten befallen Getreide, Mehl, Nüsse, Trockenobst, Reis, Gewürze, Tee, Kakao, Schokolade und Trockenfutter für Haustiere. Die Larven durchbeißen dünne Papier- und Folienverpackungen problemlos, sodass auch ungeöffnete Ware betroffen sein kann. Befallene Lebensmittel sind durch Kot, Häutungsreste und Gespinste verunreinigt und gehören entsorgt. Als Überträger von Krankheitserregern sind Motten nicht bekannt; bei starkem Befall sind allergische Reaktionen auf Gespinst- und Kotstaub möglich.

Vorbeugen

  • Trockenvorräte nach dem Einkauf in dicht schließende Gläser oder Dosen umfüllen; Schraubdeckel halten, aufgesetzte Deckel oft nicht
  • Neue Vorräte sichtbar lagern und der Reihe nach aufbrauchen, statt Packungen jahrelang nach hinten zu schieben
  • Wolle und Pelz nur sauber und trocken einlagern, am besten in Kleidersäcken oder verschlossenen Boxen
  • Schränke zweimal jährlich leerräumen und Fugen, Bohrlöcher und Rückwände aussaugen

Bekämpfen

Bei Textilmotten wird der gesamte Schrank ausgeräumt und jedes Stück einzeln geprüft. Waschbares kommt bei mindestens 60 °C in die Maschine. Empfindliches lässt sich einfrieren: mindestens eine Woche bei −18 °C, luftdicht verpackt, danach langsam auftauen. Alternativ töten rund vier Stunden bei 55 °C alle Stadien ab. Anschließend Schrank, Fußleisten, Teppichkanten und Polsterritzen gründlich saugen und den Beutel sofort außer Haus entsorgen.

Bei Vorratsmotten müssen ausnahmslos alle Trockenvorräte durchgesehen werden, auch ungeöffnete Packungen und Tierfutter. Befallenes wird entsorgt, der leere Schrank ausgewischt, Fugen und Regalbohrungen ausgesaugt und mit heißem Wasser nachgearbeitet. Schlupfwespen der Gattung Trichogramma parasitieren die Motteneier und sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber das Ausräumen nicht. Sprays gehören nicht in den Vorratsschrank und nicht auf Textilien; wo Biozide überhaupt angebracht sind, werden sie gezielt in Spalten eingebracht. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Lavendelsäckchen und Zedernholz halten allenfalls anfliegende Falter etwas ab und wirken auf Eier und Larven gar nicht. Sitzen die Larven bereits im Pullover, ändern sie nichts mehr. Investieren Sie die Zeit lieber ins Ausräumen, Waschen und Saugen.

Wann zum Profi?

Bei einem normalen Wohnungsbefall reichen Sortieren, Hitze oder Kälte und gründliches Saugen fast immer aus. Fachliche Hilfe lohnt sich, wenn der Befall nach zwei sauber durchgeführten Durchgängen wiederkommt, wenn er sich über mehrere Räume oder Wohnungen zieht oder wenn die Quelle nicht zu finden ist – dann sitzt sie oft in Hohlräumen, in alter Rosshaarpolsterung oder in einem Vogelnest im Dachkasten. Auch bei wertvollen Teppichen, Sammlungstextilien und in Lebensmittelbetrieben sollten Sie früh einen Fachbetrieb einbeziehen, weil dort Wärme- oder Stickstoffbehandlung und ein dokumentiertes Monitoring nötig sind.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Habe ich Kleidermotten oder Lebensmittelmotten?

Der schnellste Hinweis ist der Fundort: Falter in Küche und Vorratsschrank sind fast immer Vorratsmotten, Falter im Kleiderschrank oder am Teppich fast immer Textilmotten. Zur Bestätigung hilft die Zeichnung. Textilmotten sind einfarbig strohgelb und seidig glänzend, die Dörrobstmotte hat ein hellgraues vorderes Flügeldrittel und einen kupferroten hinteren Teil.

Helfen Lavendel, Zedernholz oder Mottenkugeln?

Lavendel und Zedernholz halten anfliegende Falter allenfalls etwas ab und wirken auf Eier und Larven überhaupt nicht. Ist der Befall im Schrank, ändern sie nichts. Zuverlässig sind nur Waschen bei mindestens 60 °C, Einfrieren, Wärmebehandlung und gründliches Saugen.

Sind Motten in Lebensmitteln gesundheitsschädlich?

Als Überträger von Krankheitserregern sind Motten nicht bekannt, und der versehentliche Verzehr einzelner Larven gilt als unbedenklich. Befallene Ware ist aber durch Kot, Häutungsreste und Gespinste verunreinigt und gehört entsorgt. Bei starkem Befall kann der Gespinst- und Kotstaub allergische Reaktionen auslösen.

Wie lange dauert es, bis ein Mottenbefall vorbei ist?

Rechnen Sie mit mehreren Monaten, weil eine Generation bei Zimmertemperatur je nach Art einige Wochen bis mehrere Monate braucht. Erst wenn über diesen Zeitraum keine neuen Falter oder Fraßspuren auftauchen, ist der Befall durch. Eine zur Art passende Pheromonfalle als Dauerkontrolle zeigt Ihnen, ob noch etwas nachkommt.