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Materialschädling

Papierfischchen

Das Papierfischchen breitet sich in Deutschland seit rund fünfzehn Jahren rasant aus und ist längst kein exotischer Fund mehr. Anders als das Silberfischchen braucht es keine feuchten Bäder, sondern lebt in normal beheizten, trockenen Räumen. Gefährlich ist es nicht, aber hartnäckig: Es frisst Papier, Karton, Tapeten und Buchbindeleim und ist ohne Ausdauer kaum wieder loszuwerden.

Papierfischchen erkennen

Die Tiere werden 11 bis 15 mm lang, mit den drei Schwanzfäden bis 19 mm. Ihre Beschuppung ist matt graubraun, ein Silberglanz fehlt. Fühler und Schwanzfäden sind auffällig lang, an den Körperseiten sitzen kleine Borstenbüschel. Papierfischchen laufen langsamer und ausdauernder als Silberfischchen und flüchten nicht sofort ins Dunkel.

  • Nachtaktive Tiere auf Fußböden, in Regalen und in Abstellräumen, tagsüber in Ritzen
  • Schwarze Kotkrümel in Kartonfalzen, Regalböden und Schubladen
  • Abgeschabte Tapetenränder, flache Fraßstellen und Löcher in Papier und Fotos
  • Angefressene Buchrücken, gelöste Etiketten und beschädigte Kartonkanten
  • Häutungshemden, die wie leere weiße Hüllen aussehen

Das Silberfischchen ist mit 8 bis 12 mm kleiner, silbrig glänzend und auf hohe Luftfeuchte angewiesen, es lebt deshalb in Bad und Küche. Das Ofenfischchen wirkt getigert und bevorzugt heiße Bereiche wie Bäckereien und Heizungskeller. Das Kammfischchen ist dem Papierfischchen sehr ähnlich und lässt sich nur unter dem Mikroskop sicher trennen.

Lebensweise

Papierfischchen fressen Zellulose und Stärke: Papier, Karton, Tapete, Kleister, Leim, Fotos, Baumwolle und Viskose sowie tote Insekten. Sie kommen mit 25 bis 60 Prozent Luftfeuchte zurecht und mögen 20 bis 25 Grad. Ohne Nahrung halten sie mehrere Monate durch.

Ein Weibchen legt über sein Leben etwa 50 Eier in kleinen Gruppen in Ritzen und Fugen. Die Entwicklung ist langsam und dauert je nach Temperatur ein bis drei Jahre, gehäutet wird das ganze Leben lang. Erwachsene Tiere können mehrere Jahre alt werden. Eingeschleppt werden sie fast immer über Umzugs- und Paketkartons, Bücher, Zeitungsstapel und Möbel, in Mehrfamilienhäusern wandern sie über Leitungsschächte von Wohnung zu Wohnung.

Schäden und Risiken

Für die Gesundheit sind Papierfischchen ohne Bedeutung. Sie beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten, Kot und Schuppen gelten allenfalls als schwaches Allergen. Der Schaden trifft Material: Bücher, Alben, Urkunden, Fotos, Tapeten, Kartonagen und Etiketten werden angefressen, meist als flache Abschabungen und unregelmäßige Löcher. In Archiven und Bibliotheken zählt die Art zu den ernstzunehmenden Schädlingen, im Haushalt trifft es vor allem Bücherregale und gelagerte Papiere.

Vorbeugen

  • Pakete und Umzugskartons direkt nach dem Auspacken entsorgen, Wellpappe ist Versteck und Futter zugleich
  • Papiere, Fotos und Bücher in dicht schließenden Kunststoffboxen lagern
  • Ritzen und Fugen an Fußleisten, Türzargen, Rollladenkästen und Steckdosen verschließen
  • Regelmäßig unter und hinter Möbeln saugen, besonders in Abstellräumen
  • Gebrauchte Bücher, Antiquitäten und Kartons vor dem Einräumen kontrollieren

Bekämpfen

Planen Sie mit sechs bis zwölf Monaten, ein Wochenendprojekt wird daraus nicht. Legen Sie zunächst Klebefallen aus, mindestens eine pro Raum an Wandkanten, und notieren Sie wöchentlich die Fänge. So finden Sie die Schwerpunkte. Anschließend bringen Sie Kieselgur in Ritzen, Hohlräume und Rollladenkästen ein, sie wirkt mechanisch und über Monate. Parallel entfernen Sie Kartonagen, Papierstapel und Staub konsequent.

Hausmittel wie Kartoffelscheiben, Honigfallen oder Lavendel bringen praktisch nichts. Sprühmittel auf Flächen wirken nur kurz, weil die Tiere tief in Hohlräumen sitzen. Fraßköder mit Insektizid setzen Fachbetriebe gezielt ein, sie erreichen auch versteckte Tiere. Wertvolle Bücher lassen sich durch Wärmebehandlung oder Einfrieren entwesen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Sprechen Sie im Mehrfamilienhaus früh mit Nachbarn und Verwaltung. Wird nur eine Wohnung behandelt, wandern die Tiere über Schächte und Leitungsdurchführungen zurück, und die ganze Arbeit war umsonst.

Wann zum Profi?

Einzelne Tiere lassen sich mit Fallen und Abdichten selbst in den Griff bekommen. Einen Fachbetrieb sollten Sie holen, wenn Sie über Wochen mehrere Tiere pro Falle fangen, wenn mehrere Wohnungen betroffen sind oder wenn Archivgut und Sammlungen im Spiel sind. Fachbetriebe kombinieren Monitoring, Kieselgur und Ködersysteme über mehrere Monate.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Papierfischchen und Silberfischchen?

Papierfischchen sind mit 11 bis 15 mm größer, matt graubraun und haben sehr lange Fühler und Schwanzfäden. Silberfischchen glänzen silbrig, sind kleiner und flüchten hektisch. Entscheidend ist auch der Ort: Silberfischchen brauchen Feuchte in Bad und Küche, Papierfischchen leben in trockenen Wohnräumen.

Sind Papierfischchen gefährlich?

Nein. Sie beißen und stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Der Schaden ist rein materiell und betrifft Papier, Bücher, Fotos, Tapeten und Kartonagen. Bei starkem Befall können Kot und Häutungsreste den Hausstaub belasten.

Wie lange dauert die Bekämpfung?

Rechnen Sie mit sechs bis zwölf Monaten. Die Tiere entwickeln sich langsam, verstecken sich tief in Hohlräumen und überleben lange ohne Nahrung. Erfolg bringt nur die Kombination aus Klebefallen zur Kontrolle, Kieselgur in Ritzen, konsequenter Entfernung von Kartonagen und gegebenenfalls Ködern vom Fachbetrieb.

Woher kommen Papierfischchen in einer sauberen Wohnung?

Sauberkeit schützt nicht. Die Tiere werden mit Paketen, Umzugskartons, Büchern und Möbeln eingeschleppt oder wandern in Mehrfamilienhäusern über Leitungsschächte ein. Neubauten mit vielen Hohlräumen und Kabelkanälen sind besonders betroffen.