Dornspeckkäfer
Speckkäfer im Haus sind fast immer ein Hinweis auf tierisches Material, das irgendwo liegt und dort nicht hingehört. Beim Dornspeckkäfer kommt ein zweites Problem dazu: Seine Larven fressen nicht nur, sie bohren. Zur Verpuppung legen sie Kammern von bis zu 20 mm Tiefe in Holz, Dämmstoff oder Hartschaum an. Das macht ihn zum bautechnisch unangenehmsten Vertreter seiner Gattung.
Dornspeckkäfer erkennen
Die Käfer sind 6 bis 10 mm lang, länglich-oval und dunkelbraun bis schwarz. Die Flügeldecken sind einfarbig und nur von helleren Härchen durchsetzt; an der Naht laufen sie hinten in je einen kleinen Dorn aus, der der Art ihren deutschen Namen gibt. Der Seitenrand der Flügeldecken ist fein gesägt. Auffällig ist die Unterseite: Sie ist dicht weiß behaart und trägt schwarze Flecken – daher der wissenschaftliche Zusatz maculatus.
- Larven bis etwa 15 mm, dunkelbraun, lang und dicht behaart, mit zwei nach oben gebogenen Dornen am Hinterleibsende
- Abgestreifte Larvenhäute in Ecken, hinter Fußleisten und in Hohlräumen – meist der erste Fund
- Ovale Bohrlöcher von 3 bis 5 mm in Weichholz, Kork, Dämmplatten, Hartschaum oder in der Kante von Papierstapeln
Zum Unterscheiden: Der Gemeine Speckkäfer trägt im vorderen Drittel der Flügeldecken ein helles, gelblich-graues Querband mit dunklen Punkten. Der Zweifarbig behaarte Speckkäfer ist ebenfalls dunkel, hat aber weder gesägte Flügeldeckenränder noch Dornen an der Naht. Nur beim Dornspeckkäfer treffen einfarbig dunkle Flügeldecken, Nahtdornen und weiß behaarte Unterseite zusammen.
Lebensweise
In der Natur ist Dermestes maculatus ein Kadaververwerter. Die Larven verdauen Keratin und kommen damit an Haut, Haare, Federn, Sehnen und Hornsubstanz heran, also an Material, das für die meisten anderen Insekten unbrauchbar ist. Ein Weibchen legt schubweise Eier ab, insgesamt einige hundert Stück, direkt an der Nahrungsquelle.
Die Art entwickelt sich in einem weiten Temperaturbereich, braucht dabei aber mehr Feuchte als der Gemeine Speckkäfer; auf staubtrockenem Substrat kommt sie nicht durch. Im Gebäude passen die Bedingungen vor allem an Tierkadavern in Hohlräumen, im Kaminfuß, unter Dielen und auf Dachböden mit Nistplätzen von Tauben. Auch Trockenfischlager, Gerbereien, Tierpräparate und Terrarien mit Futtertierhaltung sind typische Herde. Die Käfer fliegen gut und besiedeln warme Räume aus der Nachbarschaft neu.
Schäden und Risiken
Der Fraßschaden trifft alles Tierische: rohe Felle und Häute, wobei der Fraß in der Regel auf der Lederseite beginnt, außerdem Trockenfisch, Fleisch- und Räucherware, Käse, Wolle, Seidenkokons, Federn, Trophäen und zoologische Präparate. In Sammlungen tritt der Käfer oft gemeinsam mit Museumskäfer und Kabinettkäfer auf.
Der zweite, häufig unterschätzte Schaden entsteht bei der Verpuppung. Die reife Larve verlässt die Nahrung und sucht ein festes, aber bearbeitbares Material. Sie nagt Kammern von bis zu 20 mm Tiefe in Weichholz und Balken, in Kork, Wellpappe, gestapeltes Papier, Hartschaum- und Mineralwolldämmung sowie in Kabelisolierungen. Über Jahre summiert sich das zu sichtbaren Schäden an Möbeln, Einbauten und Dämmschichten. Als Überträger von Krankheitserregern ist der Käfer nicht bekannt; abbrechende Larvenhaare können bei empfindlichen Menschen die Haut reizen.
Vorbeugen
- Tierkadaver ausschließen: Zugänge zu Kamin, Zwischendecke und Kriechkeller sichern, tote Tiere zeitnah aus Hohlräumen entfernen lassen
- Vogelnester auf Dachböden erst nach dem Ende der Brut und nur im rechtlich zulässigen Rahmen räumen, Einflugöffnungen danach dauerhaft verschließen
- Felle, Trophäen und andere tierische Materialien kühl, trocken und in dichten Behältern lagern; die Luftfeuchte möglichst niedrig halten
- Dachraum und Nebenräume zweimal jährlich kontrollieren – Larvenhäute in Ecken sind der zuverlässigste Frühindikator
Was erlaubt ist: Heimische Vögel und ihre Fortpflanzungsstätten sind nach § 44 BNatSchG geschützt. Nur eine Saison genutzte Nester dürfen Sie nach dem Ende der Brut entfernen. Regelmäßig wiederbenutzte Nester von Schwalben, Mauerseglern oder Haussperlingen stehen auch leer unter Schutz; Entfernen und Verschließen brauchen dann eine Ausnahme der Unteren Naturschutzbehörde.
Bekämpfen
Der erste Schritt ist immer die Suche nach der Proteinquelle. Solange irgendwo ein Kadaver, ein Nest oder ein Sack Fischmehl liegt, produziert der Herd nach. Kontrollieren Sie Kaminfuß, Dachschräge, Zwischenböden und Installationsschächte und achten Sie auf Geruch. Ist die Quelle entfernt, folgt die gründliche Reinigung mit dem Sauger, einschließlich aller Fugen und vorhandener Bohrlöcher.
Kleinere Gegenstände lassen sich rückstandsfrei behandeln: mindestens 72 Stunden bei −20 °C oder mehrere Stunden bei 55 °C töten Eier, Larven und Puppen ab. Größere Bereiche werden gezielt behandelt, mit Kieselgur in den Schlupfwinkeln oder einem zugelassenen Kontaktinsektizid in Spalten und entlang der Laufwege, nicht flächig auf offenen Oberflächen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Achten Sie beim Absuchen auf die Puppenwiegen, nicht nur auf die Käfer. Reihen ovaler Löcher in Dämmplatten, Hartschaumstreifen oder an der Kante eines Papierstapels zeigen genau, wohin die Larven gewandert sind. Die Nahrungsquelle liegt meist nur wenige Meter davon entfernt.
Wann zum Profi?
Rufen Sie Fachleute, wenn Sie den Herd nicht finden, wenn ein Kadaver in einem unzugänglichen Hohlraum vermutet wird oder wenn Dämmung, Holzbauteile und Einbauten bereits Bohrgänge zeigen. Gleiches gilt für Befall in Museen, Depots und in Betrieben, die mit tierischen Rohstoffen arbeiten; dort sind Wärme- oder Stickstoffbehandlung ganzer Objekte üblich. Ein Fachbetrieb kann außerdem beurteilen, ob befallene Dämmschichten ausgetauscht werden müssen – in geschlossenen Puppenkammern erreicht kein Bekämpfungsmittel die Larven zuverlässig.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich Dornspeckkäfer und Gemeinen Speckkäfer?
Der Gemeine Speckkäfer hat im vorderen Drittel der Flügeldecken ein helles, gelblich-graues Querband mit dunklen Punkten. Beim Dornspeckkäfer sind die Flügeldecken einfarbig dunkel und laufen an der Naht in zwei kleine Dornen aus. Ein Blick auf die Unterseite hilft zusätzlich: Sie ist beim Dornspeckkäfer dicht weiß behaart und schwarz gefleckt.
Warum bohren die Larven in Dämmung, Holz und Styroporplatten?
Zur Verpuppung braucht die Larve einen geschützten Hohlraum. Sie verlässt dafür ihre Nahrung und nagt sich bis zu 20 mm tief in ein festes, aber weiches Material ein. Die Löcher sind kein Fraßschaden im eigentlichen Sinn, richten in Dämmschichten und Möbeln aber den größeren wirtschaftlichen Schaden an.
Woher kommt ein Befall im Wohnhaus?
Fast immer von einer tierischen Proteinquelle im Gebäude. Typisch sind ein Vogel- oder Nagerkadaver in Zwischendecke, Kaminschacht oder unter Dielen sowie Taubennester auf dem Dachboden. Auch offen gelagerter Trockenfisch, Tierfutter oder Futtertiere für Terrarien kommen als Herd in Frage. Beim Räumen von Nestern ist das Artenschutzrecht zu beachten – siehe Hinweis im Abschnitt Vorbeugen.
Kann ich befallene Gegenstände selbst behandeln?
Kleinere Stücke ja: mindestens 72 Stunden bei −20 °C im Gefrierschrank oder mehrere Stunden bei 55 °C töten alle Stadien ab. Bei größeren Objekten und bei Bohrgängen in Bauteilen stoßen Hausmittel an ihre Grenzen, weil Mittel die Larven in geschlossenen Puppenkammern nicht erreichen.