Blauvioletter Scheibenbock
Ein flacher, metallisch blau schimmernder Käfer sitzt an der Fensterscheibe, daneben lagert Brennholz oder es wurde gerade ein neuer Dachstuhl eingebaut. Der erste Gedanke ist fast immer der Hausbock. In den meisten Fällen ist es aber der Blauviolette Scheibenbock – eine Art, die trockenes, entrindetes Bauholz gar nicht besiedeln kann.
Blauvioletten Scheibenbock erkennen
Der Käfer ist 8 bis 16 mm lang, deutlich abgeflacht und metallisch blau bis blauviolett, seltener blaugrün. Namensgebend ist der breite, flach scheibenförmige Halsschild. Die Fühler sind für einen Bockkäfer auffällig kurz, die Beine bräunlich, der Körper trägt eine kurze rostfarbene Behaarung.
- Ausfluglöcher oval, glattrandig, etwa 4 × 6 mm groß
- Fraßgänge flach und breit direkt unter der Rinde, gefüllt mit lockerem braunem Bohrmehl
- Zur Verpuppung zieht nur ein kurzer hakenförmiger Gang wenige Zentimeter ins Splintholz, das übrige Holz bleibt unversehrt
- Flugzeit Mai bis Juli, die Käfer sind tagaktiv und laufen gern an Fensterscheiben hoch
Wichtig: Die Abgrenzung zum Hausbock entscheidet darüber, ob ein Dachstuhl saniert werden muss. Hausbocklöcher sind oval, 5 bis 10 mm groß und ausgefranst, im Gang liegen wurstförmige Kotpellets, und der Fraß sitzt tief im trockenen Splintholz. Beim Scheibenbock bleibt der Fraß an der Rinde und das Loch ist glattrandig.
Lebensweise
Der Blauviolette Scheibenbock ist ein Frischholzinsekt. Die Weibchen legen ihre Eier in Rindenritzen von gefälltem oder abgestorbenem Nadelholz, vor allem Fichte und Kiefer, gelegentlich auch an Laubholz. Die elfenbeinfarbenen Larven fressen in der Bastschicht zwischen Rinde und Holz und schaben dabei die äußerste Splintholzschicht an. Zur Verpuppung ziehen sie einen kurzen Haken ins Holz. In Mitteleuropa dauert die Entwicklung ein bis zwei Jahre, unter warmen Bedingungen auch nur eine Saison.
Voraussetzung ist Holz, das noch Rinde trägt und ausreichend feucht ist. Ins Gebäude gelangt die Art deshalb fast immer als blinder Passagier: mit Brennholz, mit Rundholz für den Ofen oder mit berindetem Bauholz, das direkt vom Waldlagerplatz kam. Auf Dachböden, Holzlagerplätzen, in Sägewerken und Tischlereien ist der Käfer regelmäßig zu finden, ebenso an sonnenbeschienenen Holzstapeln im Garten.
Schäden und Risiken
Der Schaden bleibt gering. Der Fraß spielt sich an der Grenze zwischen Rinde und Holz ab, tragende Querschnitte werden praktisch nicht geschwächt. Entscheidend ist der zweite Punkt: In entrindetem, verbautem und abgetrocknetem Holz kann sich die Art nicht fortpflanzen. Ein Wiederbefall findet nicht statt, der Befall erlischt mit der letzten Generation, die aus dem eingeschleppten Holz schlüpft.
Für Menschen und Haustiere ist der Käfer harmlos, er beißt nicht und überträgt nichts. Übrig bleiben ein optisches Ärgernis an Sichtbalken, Käfer in den Wohnräumen und gelegentlich Löcher in dünnen Verkleidungen, wenn berindetes Holz hinter einer Bekleidung verbaut wurde.
Vorbeugen
- Brennholz entrinden und im Freien oder im offenen Schuppen lagern, nicht im Keller oder Wohnraum
- Nur den Bedarf für ein bis zwei Tage ins Haus holen
- Bauholz entrindet und technisch getrocknet einbauen, vor der Montage auf ovale Löcher und lose Rindenreste kontrollieren
- Waldkanten und Rindenreste am fertigen Dachstuhl abarbeiten und aus dem Gebäude entfernen
- Bei Holzlagern in Fensternähe im Frühsommer Insektengitter einsetzen
Bekämpfen
Eine Bekämpfung im bauaufsichtlichen Sinn ist beim Blauvioletten Scheibenbock nicht erforderlich, chemische Holzschutzmittel sind hier fehl am Platz. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Wirksam sind zwei einfache Handgriffe: befallenes Brennholz zügig verheizen oder nach draußen bringen und die Rinde von allem Holz entfernen, das im Gebäude bleibt. Einzelne Käfer lassen sich mit Glas und Karton einfangen und im Freien aussetzen.
Tipp: Ziehen Sie an einer verdächtigen Stelle die Rinde mit einem Spachtel ab. Liegen die breiten Fraßgänge unter der Rinde und ist das Holz darunter nur oberflächlich geschabt, ist die Sache klar. Gänge, die tief ins trockene Splintholz ziehen, sprechen dagegen für Hausbock oder Holzwurm.
Wann zum Profi?
Prüfen lassen sollten Sie den Befund, wenn Fluglöcher in rindenfreiem tragendem Holz sitzen, wenn nach dem Klopfen helles Bohrmehl rieselt oder wenn die Zahl der Löcher über Jahre zunimmt. Dann geht es nicht mehr um den Scheibenbock. Zuständig ist ein Sachverständiger für Holzschutz, der den Befall nach DIN 68800-4 einordnet und über Heißluft, Begasung oder den Austausch von Bauteilen entscheidet. Für die reine Artbestimmung genügt meist ein Käfer im Schraubglas oder ein scharfes Foto mit Maßstab. Auch der Weiche Nagekäfer und die Riesenholzwespe schlüpfen aus verbautem Nadelholz, ohne dass eine Sanierung nötig wird.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist das ein Hausbock oder ein Blauvioletter Scheibenbock?
Entscheidend sind Flugloch und Fraßort. Der Scheibenbock hinterlässt ovale, glattrandige Löcher von etwa 4 × 6 mm und frisst nur in der Schicht zwischen Rinde und Holz. Der Hausbock frisst tief im trockenen Splintholz, seine Löcher sind 5 bis 10 mm groß und haben einen ausgefransten Rand. Ziehen Sie an der Fundstelle die Rinde ab, dann sehen Sie den Unterschied sofort.
Muss ich wegen des Käfers meinen Dachstuhl sanieren lassen?
In aller Regel nicht. Der Blauviolette Scheibenbock kann sich in trockenem, entrindetem Bauholz nicht fortpflanzen, ein Wiederbefall bleibt aus. Sanierungsbedarf entsteht erst, wenn ein Sachverständiger einen aktiven Befall durch Hausbock oder Nagekäfer feststellt.
Kommen die Käfer aus meinem Brennholz?
Sehr oft ja. Rindenbehaftetes Nadelholz bringt Eier und Larven mit ins Haus, die Wärme im Wohnraum beschleunigt den Schlupf. Lagern Sie Brennholz draußen oder im offenen Schuppen und holen Sie nur den Bedarf für ein bis zwei Tage herein.
Ist der Käfer für Menschen oder Haustiere gefährlich?
Nein. Er sticht nicht, beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Er geht auch nicht an Lebensmittel oder Textilien. Fangen Sie ihn mit einem Glas und einem Stück Karton und setzen Sie ihn im Freien aus.