Kammfischchen
Kammfischchen sind flügellose Urinsekten der Gattung Ctenolepisma und nah mit dem bekannten Silberfischchen verwandt. Ihren Namen tragen sie wegen der Borstenkämme an den Körperseiten. Der Name wird doppelt gebraucht: als Sammelbegriff für die ganze Gattung und im engeren Sinn für die Art Ctenolepisma lineata. Was in trockenen Wohnungen, Büros und Archiven Papier, Karton und Tapeten anfrisst, ist dagegen fast immer das Papierfischchen oder das seltenere Geisterfischchen.
Kammfischchen erkennen und unterscheiden
Die Arten der Gattung werden je nach Art 8 bis 15 mm lang, sind schlank, hinten zugespitzt und tragen drei lange Schwanzfäden sowie zwei kräftige Fühler. Der Körper wirkt matt grau bis bräunlich und glänzt nicht metallisch, an den Körperseiten sitzen die namengebenden Borstenkämme. Welche Art vor Ihnen liegt, entscheiden Fühler- und Schwanzfadenlänge, die Beschuppung und vor allem das Raumklima.
- Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudatum): 11 bis 15 mm, matt graubraun, Fühler und Schwanzfäden fast körperlang; trockene Wohn-, Büro- und Archivräume. Die häufigste Art in Gebäuden, die einzige mit erheblichem Schadpotenzial.
- Geisterfischchen (Ctenolepisma calvum): mit etwa 8 mm deutlich kleiner, blass und wie nackt wirkend, weil die Borstenbüschel am Körperrand fehlen; ebenfalls trockene Innenräume, bislang selten.
- Kammfischchen im engeren Sinn (Ctenolepisma lineata): 10 bis 15 mm, aus dem Mittelmeerraum, lebt auch im Freien unter Steinen, Rinde und Laub; in Wohnungen selten und nur mit oberflächlichem Schabefraß.
- Silberfischchen: 8 bis 12 mm, silbrig metallisch glänzend, kürzere Fühler; braucht hohe Luftfeuchte, sitzt in Bad, Küche und feuchtem Keller. Keine Ctenolepisma-Art.
- Ofenfischchen: gescheckt, wärmeliebend, an Heizungen und Backöfen. Ebenfalls eine eigene Gattung.
Auf ein Vorkommen im Raum deuten außerdem Löcher und ausgeschabte Flächen an Buchrücken, Tapetenkanten, Fotos und Kartons hin, dazu Häutungshemden, feine schwarze Kotkrümel und Schuppen hinter Regalen und Sockelleisten.
Lebensweise
Kammfischchen sind nachtaktiv und lichtscheu. Tagsüber sitzen sie in Fugen, hinter Fußleisten, unter Teppichkanten, in Steckdosen, Bücherstapeln und Kartonwellen. Sie fressen alles Stärke- und zellulosehaltige: Papier, Buchbinderleim, Tapetenkleister, Karton, Fotos, Stärke aus Textilien, dazu Hausstaub, Schimmelrasen, Haare und tote Insekten. Monatelanges Hungern überstehen sie problemlos. Von der Eiablage bis zur Geschlechtsreife vergehen ein bis drei Jahre, erwachsene Tiere werden mehrere Jahre alt und häuten sich lebenslang. Ein Weibchen legt seine Eier in kleinen Portionen von 2 bis 30 Stück versteckt in Ritzen ab. Die Population wächst deshalb langsam, aber stetig. Optimal sind 20 bis 25 °C bei normaler Raumluftfeuchte. Eingeschleppt werden die Tiere mit Kartons, Umzugsgut, Paketen und gebrauchten Büchern.
Schäden und Risiken
Kammfischchen stechen nicht, beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Wie groß der Schaden ausfällt, hängt an der Art. Das Papierfischchen schabt Bücher, Fotoalben, Urkunden, Zeichnungen, Tapetenränder, Etiketten und Archivgut flächig ab und zählt in Bibliotheken, Museen und Archiven zu den am schwersten kontrollierbaren Materialschädlingen, weil es sich langsam vermehrt und jahrelang unbemerkt bleibt. Das Geisterfischchen fällt bisher kaum durch Fraßschäden auf, und Ctenolepisma lineata bleibt in Gebäuden bei oberflächlichem Schabefraß. Schadbild und Bekämpfungsplan im Detail stehen deshalb im Eintrag Papierfischchen.
Vorbeugen
- Kartons und Pakete nicht in der Wohnung zwischenlagern, Umzugskisten und gebrauchte Bücher vor dem Einräumen kontrollieren.
- Fugen an Sockelleisten, Wanddurchbrüchen, Fensterlaibungen und Elektrodosen verschließen.
- Papier, Fotos und Dokumente in dicht schließenden Kunststoffboxen statt in offenen Kartons aufbewahren.
- Regelmäßig hinter und unter Möbeln saugen, besonders an Bücherregalen und in Abstellräumen.
- Klebefallen als Frühwarnsystem entlang der Wände auslegen und alle paar Wochen kontrollieren.
Bekämpfen
Bestimmen Sie zuerst die Art, denn davon hängt der Aufwand ab: Ein einzelnes Ctenolepisma lineata von Balkon oder Terrasse braucht keine Behandlung, ein Papierfischchen-Befall dagegen einen Plan über Monate. Beginnen Sie mit Monitoring, also Klebefallen entlang der Wandkanten und notierten Fangzahlen. Erst die Fangkurve zeigt Schwerpunkte und Erfolg.
Gegen einen bestätigten Befall wirken drei Bausteine zusammen: konsequentes Absaugen aller Ritzen samt sofortiger Beutelentsorgung, Kieselgur-Staub in Hohlräumen, Fugen und hinter Sockelleisten sowie ausgelegte Fraßköder, die im Versteck weiterverteilt werden.
Tipp: Trockenlegen hilft hier nicht. Anders als Silberfischchen kommen Kammfischchen mit trockener Raumluft bestens zurecht, Lüften und Entfeuchten senken den Befall also nicht. Ebenso wirkungslos sind Lavendel, Zedernholz und Ultraschallgeräte.
Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Rufen Sie eine Fachfirma, wenn die Fangzahlen über Monate nicht sinken, wenn mehrere Wohnungen betroffen sind oder wenn Archive, Sammlungen und Bibliotheken gefährdet sind. Fachbetriebe arbeiten mit systematischem Monitoring, gezielter Spaltbehandlung und Ködersystemen und dokumentieren den Erfolg. Bei befallenem Kulturgut ist zusätzlich eine restauratorische Beratung sinnvoll.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Was ist der Unterschied zwischen Kammfischchen und Silberfischchen?
Silberfischchen glänzen metallisch silbrig, werden 8 bis 12 mm lang und brauchen hohe Luftfeuchte, weshalb man sie in Bad und Küche findet. Kammfischchen sind mit 9 bis 15 mm größer, matt grau und leben in trockenen Wohn- und Büroräumen. Deshalb hilft Entfeuchten nur gegen Silberfischchen.
Sind Kammfischchen gefährlich oder ein Hygieneproblem?
Nein. Sie beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Ein Befall hat auch nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun, die Tiere werden meist mit Kartons, Paketen oder Büchern eingeschleppt. Der Schaden betrifft Papier, Bücher, Fotos und Tapeten.
Ist das Papierfischchen ein Kammfischchen?
Ja. Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudatum), Geisterfischchen (Ctenolepisma calvum) und das Kammfischchen im engeren Sinn (Ctenolepisma lineata) gehören zur selben Gattung Ctenolepisma, die auf Deutsch Kammfischchen heißt. Wer in Wohnung, Büro oder Archiv Fraßschäden an Papier findet, hat praktisch immer das Papierfischchen vor sich. Ctenolepisma lineata stammt aus dem Mittelmeerraum, lebt auch im Freien und richtet in Gebäuden kaum Schaden an.
Woher kommen Kammfischchen in der Wohnung?
Meist werden sie passiv eingeschleppt, typischerweise über Verpackungskartons, Umzugskisten, Paketlieferungen, gebrauchte Bücher oder Papierlager. In Mehrfamilienhäusern wandern sie außerdem über Leitungsschächte, Fugen und Wanddurchbrüche von Wohnung zu Wohnung.