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Materialschädling

Riesenholzwespe

Ein bis zu vier Zentimeter langes, gelb-schwarzes Insekt kriecht aus einem Loch in der Dachschräge, im Laminat oder in der Gipskartondecke. Der Schreck ist groß, die Diagnose lautet meist Hornisse. Tatsächlich handelt es sich fast immer um die Riesenholzwespe: ein Tier ohne Stachel und ohne Gift, das aus dem verbauten Nadelholz schlüpft.

Riesenholzwespe erkennen

Die Weibchen werden 15 bis 40 mm lang, die Männchen 12 bis 30 mm. Der Kopf ist schwarz mit zwei auffälligen gelben Flecken hinter den Augen, die Fühler des Weibchens sind gelb. Sein Hinterleib ist hellgelb mit dunklen, schwarzvioletten Ringen; Männchen haben einen rotorangen Hinterleib mit schwarzer Spitze. Am Hinterleibsende sitzt ein kräftiger dornartiger Fortsatz, beim Weibchen zusätzlich der lange, nach hinten weisende Legebohrer.

  • Keine Wespentaille: Brust und Hinterleib gehen breit ineinander über – das sicherste Unterscheidungsmerkmal gegenüber Wespen und Hornissen
  • Ausfluglöcher rund, etwa 4 bis 7 mm, oft mitten in der Fläche von Verkleidungen, Böden oder Folien
  • Die Fraßgänge sind mit festgepresstem Bohrmehl gefüllt und von außen kaum zu erkennen
  • Flugzeit im Freien Juni bis September, im Gebäude schlüpfen die Tiere bevorzugt an warmen Tagen

Wichtig: Die Verwechslung mit der Europäischen Hornisse führt regelmäßig zu unnötigen Bekämpfungsversuchen. Hornissen sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt, sie dürfen nicht getötet und ihre Nester nicht ohne Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde entfernt werden. Die Riesenholzwespe wiederum kann nicht stechen: Der Legebohrer ist ein Werkzeug zur Eiablage in Holz, kein Wehrstachel, und Giftdrüsen fehlen.

Lebensweise

Die Riesenholzwespe gehört zu den Pflanzenwespen, nicht zu den staatenbildenden Faltenwespen. Es gibt kein Nest, keine Arbeiterinnen und kein Verteidigungsverhalten. Das Weibchen bohrt mit dem Legebohrer ein bis zwei Zentimeter tief in geschwächtes, frisch gefälltes oder brandgeschädigtes Nadelholz und legt dort seine Eier ab. Gleichzeitig überträgt es Sporen eines Pilzes, von dem sich die Larve mit ernährt.

Die Larven fressen ein bis fünf Jahre lang im Splint- und Kernholz und verpuppen sich dicht unter der Oberfläche. Wird solches Holz eingeschnitten und verbaut, entwickeln sie sich im trockeneren Gebäudeholz langsamer, aber weiter. Deshalb schlüpfen die Tiere oft erst zwei bis vier Jahre nach dem Einbau, gelegentlich noch später. Beim Einschnitt im Sägewerk sind die gefüllten Gänge kaum sichtbar und werden bei der Sortierung regelmäßig übersehen.

Schäden und Risiken

Für Menschen und Haustiere geht von der Art keine Gefahr aus. Sie sticht nicht, beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Auch die Tragfähigkeit des Holzes ist praktisch nie betroffen; die Zahl der Tiere in einem Bauteil bleibt dafür viel zu gering. Ein Wiederbefall ist ausgeschlossen, weil trockenes verbautes Holz für die Eiablage ungeeignet ist.

Das eigentliche Problem sind Sekundärschäden auf dem Weg nach draußen. Die schlüpfenden Tiere nagen sich durch alles, was zwischen ihnen und dem Freien liegt: Gipskarton, Dämmstoffe, Unterspannbahnen, Dampfsperren, Bitumenbahnen, Linoleum, Teppich und Laminat. Ein Loch in der Dampfsperre oder in der Dachbahn ist bauphysikalisch keine Kleinigkeit, weil dort Feuchte in die Konstruktion gelangen kann. Bleibt das über Jahre unbemerkt, sind Fäulnisschäden am tragenden Holz möglich.

Vorbeugen

  • Bauholz technisch trocknen lassen, eine Kammertrocknung tötet Eier und Larven zuverlässig ab
  • Holz aus Sturm-, Brand- und Käferflächen mit besonderer Sorgfalt auswählen
  • Nach dem Einbau ein bis drei Jahre auf einzelne runde Löcher in Sichtholz und Verkleidungen achten
  • Gefundene Löcher in Dampfsperre, Unterspannbahn oder Dachbahn sofort fachgerecht schließen, nicht nur überstreichen

Bekämpfen

Eine Bekämpfung ist weder nötig noch sinnvoll. Insektizide erreichen die Larve tief im Holz ohnehin nicht, und der Befall endet von selbst, sobald die letzte Generation geschlüpft ist. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Einzelne Tiere fangen Sie am besten mit einem Glas und einem Stück Karton und setzen sie im Freien aus; nach § 39 BNatSchG dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Wichtiger als das Insekt ist ohnehin die Bauteilebene: Dampfsperre, Unterspannbahn und Dachabdichtung auf Durchbohrungen prüfen und diese dauerhaft verschließen lassen.

Tipp: Notieren Sie Datum und Fundort jedes Tieres. Häufen sich die Schlupfstellen über einem bestimmten Sparren, lohnt es sich, gezielt die darüberliegende Abdichtung zu kontrollieren, statt die ganze Fläche zu öffnen.

Wann zum Profi?

Rufen Sie einen Dachdecker oder Zimmerer, wenn Löcher in der Dampfsperre, der Unterspannbahn oder einer Dachabdichtung sitzen oder wenn sich an Decke und Wand Feuchteflecken zeigen. Eine Schädlingsbekämpfung braucht es dafür nicht. Bei Unsicherheit in der Bestimmung genügt meist ein Foto mit Maßstab, denn die fehlende Wespentaille und die gelben Fühler sind eindeutig. Für Nester von Wespen oder Hornissen im Dachstuhl gelten dagegen andere Regeln, dort ist der Artenschutz zu beachten. Wer zusätzlich Löcher in tragenden Balken findet, sollte Hausbock und Blauvioletten Scheibenbock ausschließen lassen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Kann die Riesenholzwespe stechen?

Nein. Was wie ein Stachel aussieht, ist der Legebohrer, mit dem das Weibchen Eier in Holz ablegt. Giftdrüsen besitzt die Art nicht, und sie beißt auch nicht. Sie können das Tier gefahrlos mit einem Glas einfangen und draußen freilassen.

Wie kommt eine Holzwespe in meinen Neubau?

Mit dem Bauholz. Die Eiablage erfolgt im Wald in frisch gefälltes oder geschwächtes Nadelholz, die Larven entwickeln sich ein bis fünf Jahre im Stamm. Wird solches Holz eingeschnitten und verbaut, schlüpfen die Tiere häufig erst zwei bis vier Jahre später mitten in der Wohnung.

Kommen jedes Jahr neue Tiere nach?

Nein. Trockenes, verbautes Holz eignet sich nicht für die Eiablage, ein Wiederbefall findet nicht statt. Es schlüpfen nur die Tiere, die beim Einbau bereits im Holz saßen. Nach wenigen Jahren ist der Spuk vorbei.

Was mache ich mit dem Loch in der Dampfsperre?

Nicht überstreichen, sondern dauerhaft schließen lassen, etwa mit geeignetem Klebeband oder einer Manschette. Sonst kann an dieser Stelle Feuchte in die Konstruktion gelangen. Zuständig sind Dachdecker oder Zimmerer, nicht der Schädlingsbekämpfer.