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Blattläuse bekämpfen: Zimmerpflanzen, Zierpflanzen und Gemüse retten

Dicht gedrängte grüne, graue und rötliche Blattläuse saugen an einem Pflanzenstängel unterhalb einer Blütenknospe

Klebrige Blätter, eingerollte Triebspitzen und dichte Kolonien an der Blattunterseite: Blattläuse gehören zu den häufigsten Pflanzenproblemen in Wohnung, Balkonkasten und Garten. Gefährlich sind sie weniger durch den einzelnen Stich als durch ihr Vermehrungstempo und durch die Viren, die sie dabei übertragen. Wer früh eingreift, kommt fast immer ohne Chemie aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blattläuse vermehren sich ungeschlechtlich und lebendgebärend. Ein Weibchen bringt täglich bis zu fünf Nachkommen zur Welt, aus einem Tier werden in vier Wochen tausende.
  • Erstes Anzeichen ist meist nicht die Laus, sondern der klebrige Honigtau auf Blättern, Fensterbank oder Fußboden.
  • Bei leichtem Befall reichen Abbrausen, Rückschnitt und eine Kaliseifenlösung, dreimal im Abstand von drei bis vier Tagen.
  • Draußen erledigen Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen den Großteil der Arbeit. Breitbandmittel zerstören genau dieses Gleichgewicht.
  • Stickstoffbetonte Düngung erzeugt weiches Gewebe und damit mehr Läuse. Weniger düngen wirkt oft besser als jedes Spritzmittel.

Befall erkennen

Blattläuse sind 1 bis 4 Millimeter groß, birnenförmig und je nach Art grün, schwarz, braun, rot oder bereift. Das sicherste Erkennungsmerkmal sind die zwei kleinen Röhren am Hinterleibsende. Sie sitzen dicht gedrängt an jungen Trieben, Knospen und Blattunterseiten, weil das Gewebe dort weich ist.

  • Klebrige, glänzende Beläge auf Blättern und darunter stehenden Flächen
  • Schwarzer, abwischbarer Rußtaupilz auf dem Honigtau
  • Eingerollte, gekräuselte oder gelblich gefleckte Blätter, verkrüppelte Triebspitzen
  • Weiße Häutungsreste, die wie kleine Schuppen aussehen
  • Ameisenstraßen am Stamm oder Topfrand

Verwechselt werden Blattläuse gern mit Weißer Fliege (fliegt beim Berühren auf), Woll- und Schildläusen (unbeweglich, wattig oder gepanzert), Thripsen (schlank, silbrige Sprenkel) und Spinnmilben (feine Gespinste). Die Gegenmittel unterscheiden sich, deshalb lohnt der Blick mit der Lupe.

Warum der Befall so schnell explodiert

Vom Frühjahr bis zum Spätsommer pflanzen sich Blattläuse ohne Männchen fort und gebären fertige Jungtiere. Bei 20 bis 25 Grad ist eine Laus nach acht bis zwölf Tagen selbst geschlechtsreif. Wird die Kolonie zu dicht oder das Futter knapp, entstehen geflügelte Tiere, die die nächste Pflanze anfliegen. Erst im Herbst kommen Männchen dazu, und die Weibchen legen Wintereier an Rinde und Knospen. In beheizten Räumen entfällt diese Pause, dort geht die Vermehrung das ganze Jahr weiter.

Aus den Pflanzensäften verwerten die Tiere vor allem Eiweiß, den überschüssigen Zucker scheiden sie als Honigtau aus. Auf diesem Belag siedelt sich Rußtaupilz an, der das Licht abschirmt und die Photosynthese bremst. Der Honigtau lockt außerdem Ameisen an. Arten wie die Schwarzgraue Wegameise verteidigen ihre Läuse regelrecht gegen Nützlinge und tragen sie auf neue Triebe. Wer die Ameisen nicht mitbedenkt, bekämpft die Läuse gegen einen aktiven Gegner.

Der dritte Schaden sind Viren. Beim Probestechen übertragen Blattläuse mehr als hundert Pflanzenviren, darunter Vergilbungs- und Verzwergungsviren bei Getreide sowie Blattroll- und Strichelkrankheit bei Kartoffeln. Betroffene Pflanzen bleiben klein, zeigen Aufhellungen und Deformationen und lassen sich nicht mehr heilen. Im Gemüsebeet ist das der Grund, warum frühes Eingreifen mehr bringt als jede spätere Behandlung.

Zimmerpflanzen: Sofortmaßnahmen

  1. Befallene Pflanze von den anderen trennen und auch die Nachbarn kontrollieren, besonders Blattunterseiten.
  2. Stark besetzte Triebspitzen und Knospen abschneiden und im Hausmüll entsorgen, nicht auf dem Kompost.
  3. Pflanze im Bad oder am Spülbecken lauwarm abbrausen, den Topfballen dabei mit einer Tüte abdecken. Das entfernt den Großteil der Tiere.
  4. Mit Kaliseifenlösung sprühen, bis alles tropfnass ist, Blattunterseiten und Blattachseln eingeschlossen.
  5. Behandlung nach drei bis vier Tagen zweimal wiederholen, weil laufend Jungtiere nachschlüpfen.
  6. Klebrige Rückstände und Rußtau mit einem feuchten Tuch abwischen und Fensterbank sowie Untersetzer reinigen.

Tipp: Für die Spritzbrühe genügen 10 bis 20 Milliliter Kali- oder Schmierseife ohne Duft- und Zusatzstoffe auf einen Liter weiches Wasser. Testen Sie empfindliche Arten wie Farne oder Sukkulenten zuerst an einem Blatt und sprühen Sie nie in der prallen Sonne, sonst gibt es Verbrennungen.

Die Mittel im Vergleich

Mittel Wirkung Einsatz und Kosten
Wasserstrahl, Abstreifen mechanisch, sofort, keine Nebenwirkungen bei leichtem Befall, kostenlos
Kali- oder Schmierseife zerstört die Wachsschicht, wirkt nur bei direktem Kontakt drei Anwendungen, in Drogerie und Baumarkt ab 5 Euro
Raps- und Paraffinöl-Präparate ersticken die Tiere, auch gegen Eier Zier- und Obstgehölze, ab 10 Euro
Neem (Azadirachtin) hemmt Häutung und Fraß, wirkt zeitversetzt Zimmer und Gewächshaus, ab 12 Euro
Nützlinge zum Aussetzen Florfliegenlarven, Schlupfwespen, Gallmücken Innenraum und Gewächshaus, ab 15 Euro je Lieferung

Gelbtafeln fangen nur geflügelte Tiere. Als Frühwarnsystem sind sie nützlich, als Bekämpfung nicht. Systemische Stäbchen für den Blumentopf wirken zwar, gehören aber nicht an Kräuter, Gemüse oder Obst.

Wichtig: Im Haus- und Kleingarten dürfen nur Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die ausdrücklich für diesen Bereich zugelassen sind. Halten Sie sich an Dosierung und Wartezeit auf dem Etikett, sonst landen Rückstände in der Ernte. Blühende Pflanzen und Gehölze mit Bienenflug dürfen mit bienengefährlichen Mitteln nicht behandelt werden. Im Zweifel greifen Sie zu Seifen- oder Ölpräparaten, sie sind für den Hausgebrauch am unproblematischsten.

Im Garten: Nützlinge arbeiten lassen

Ein Marienkäfer frisst als Larve mehrere hundert Blattläuse, eine Florfliegenlarve schafft bis zu 500 Stück. Dazu kommen Schwebfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer und Meisen. Dieses Team braucht drei bis vier Wochen Vorsprung, bis es einen Befall einholt. Genau in dieser Zeit greifen die meisten Gärtner zur Spritze und zerstören den Effekt für die ganze Saison. Auch der eingewanderte Asiatische Marienkäfer vertilgt große Mengen Läuse.

  • Doldenblütler wie Dill, Fenchel, Kümmel und Schafgarbe sowie Ringelblumen als Nahrung für Schwebfliegen und Schlupfwespen pflanzen
  • Totholz, Laubhaufen, Trockenmauern und mit Holzwolle gefüllte Ohrwurmtöpfe als Quartiere anbieten
  • Stickstoff sparsam dosieren, lieber Kompost als schnell löslichen Mineraldünger
  • Mischkultur statt großer Blöcke einer Kultur, etwa Bohnenkraut zwischen Bohnen
  • Leimringe an Obstbaumstämmen halten Ameisen von den Kolonien fern
  • Anfällige Sorten meiden und Pflanzen luftig stellen, damit Triebe abhärten

Bei starkem Befall an einzelnen Trieben hilft Abschneiden mehr als Sprühen. Rosen und Obstgehölze vertragen einen kräftigen Wasserstrahl, ohne Schaden zu nehmen.

Was nicht hilft

Brennnesselbrühe wirkt als Kaltauszug nur dort, wo sie die Tiere direkt trifft, und ist kein Schutz für Wochen. Knoblauch- und Zwiebelsud vertreibt allenfalls einen Teil der Läuse; Bohnen, Erbsen und Zwiebelgewächse reagieren darauf zudem empfindlich. Spülmittel statt Seife schädigt die Blätter, Milch, Backpulver und Zimt zeigen gegen Blattläuse keine belegbare Wirkung, und Ultraschallgeräte nützen im Pflanzenschutz nichts. Wer Ameisen mit Insektensprays bekämpft, ändert am Lausbefall ebenfalls nichts.

Wann Sie Hilfe holen sollten

Einen Schädlingsbekämpfer braucht bei Blattläusen niemand. Sinnvoll ist externe Hilfe in drei Fällen: wenn eine wertvolle Sammlung oder ein Wintergarten dauerhaft befallen ist, wenn Sie im Gewächshaus gezielt Nützlinge einsetzen wollen und die passende Art samt Ausbringzeitpunkt bestimmt werden muss, oder wenn Nutzpflanzen Virussymptome zeigen. Beratung bieten Pflanzenschutzdienste der Länder und Gartenbaubetriebe, häufig kostenlos, sonst gegen eine Gebühr, die sich nach Umfang der Beratung richtet und vorab erfragt werden sollte. Nützlingsversand für Haushalt und Gewächshaus kostet im Fachhandel je nach Fläche ab 15 Euro pro Lieferung, meist sind zwei bis drei Ausbringungen nötig.

Häufige Fragen

Woher kommen Blattläuse an Zimmerpflanzen im Winter?

Meist werden sie mit neuen Pflanzen, Schnittblumen oder Blumenerde eingeschleppt, im Sommer fliegen geflügelte Tiere auch durch offene Fenster ein. In beheizten Räumen fehlt die Winterpause, deshalb vermehren sie sich dort ganzjährig weiter. Stellen Sie neue Pflanzen zwei Wochen getrennt auf und kontrollieren Sie die Blattunterseiten.

Wie oft muss ich mit Seifenlösung sprühen?

Dreimal im Abstand von drei bis vier Tagen. Die Lösung wirkt nur durch direkten Kontakt und nicht auf Tiere, die versteckt sitzen oder erst danach geboren werden. Sprühen Sie tropfnass, Blattunterseiten und Blattachseln eingeschlossen, und nie in der prallen Sonne.

Muss ich Ameisen mitbekämpfen?

Ameisen verursachen den Schaden nicht, sie melken die Läuse und schützen sie vor Marienkäfern und Schwebfliegen. Solange sie die Kolonie bewachen, bleibt der Befall stabil. An Obstbäumen und Rosen helfen Leimringe oder das Entfernen der Ameisenstraße, im Topf ein Umtopfen mit frischer Erde.

Kann ich befallenes Gemüse noch essen?

Ja. Blattläuse übertragen keine Krankheiten auf den Menschen, ihre Viren befallen ausschließlich Pflanzen. Waschen Sie das Gemüse gründlich ab, notfalls in leichtem Salzwasser. Wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, halten Sie unbedingt die auf dem Etikett angegebene Wartezeit bis zur Ernte ein.

Warum kommen die Blattläuse nach zwei Wochen zurück?

Meist blieb ein Rest übrig, aus dem sich die Population neu aufbaut: einzelne Tiere in Blattachseln, frisch geschlüpfte Larven oder Zuflug von einer anderen Pflanze. Wiederholen Sie die Behandlung konsequent dreimal, kontrollieren Sie danach wöchentlich und reduzieren Sie die Stickstoffdüngung, damit die Triebe härter werden.