Spinnenläufer
Nachts geht im Bad das Licht an, und etwas sehr Schnelles mit auffällig vielen Beinen verschwindet binnen Sekunden hinter der Waschmaschine. Der Spinnenläufer, auch Spinnenassel genannt, sorgt für mehr Schrecken als jedes andere Tier im Haus. Verdient hat er das nicht: Er ist harmlos, richtet keinen Schaden an und jagt genau die Insekten, die wirklich niemand in der Wohnung haben will.
Spinnenläufer erkennen
Der Körper misst 25 bis 35 mm und ist gelbbraun mit drei dunklen Längsstreifen. Daran sitzen 15 Beinpaare, dunkel geringelt und nach hinten immer länger. Das hinterste Paar ist beim Weibchen doppelt so lang wie der Körper, sodass vorn und hinten kaum zu unterscheiden sind. Mit Beinen und den peitschenlangen Fühlern wirkt das Tier 7 bis 10 cm groß.
- Nachtaktiv, tagsüber versteckt in Ritzen hinter Fliesen, unter Waschmaschine, Wanne oder Sockelleisten
- Keine Netze, kein Kot, keine Fraßspuren: Sie sehen immer nur das Tier selbst
Echte Doppelfüßer, umgangssprachlich Tausendfüßler genannt, sind walzenförmig, langsam und rollen sich bei Gefahr ein. Der rotbraune Steinkriecher hat deutlich kürzere Beine und lebt unter Blumentöpfen. Spinnen haben acht Beine und einen zweiteiligen Körper, die große braune Spinne im Kellerabgang ist meist die Große Winkelspinne. Silberfischchen glänzen silbrig und tragen drei Schwanzfäden.
Lebensweise
Der Spinnenläufer jagt aktiv, statt auf Beute zu warten. Auf glatten Flächen erreicht er rund 40 Zentimeter pro Sekunde. Beute umfängt er mit den langen Vorderbeinen und lähmt sie mit seinen Kieferklauen. Auf der Beuteliste stehen Silberfischchen, Papierfischchen, junge Schaben, Fliegen, Motten, Staubläuse und kleine Spinnen.
Die Art stammt aus dem Mittelmeerraum und lebt in Deutschland fast nur in Gebäuden. Sie braucht hohe Luftfeuchte, weil sie sonst austrocknet, und sitzt genau deshalb in Bad und Keller. Weibchen legen im Frühjahr 60 bis 150 Eier einzeln in Ritzen ab. Die Jungtiere schlüpfen mit vier Beinpaaren und gewinnen mit jeder Häutung weitere hinzu. Erwachsene Tiere werden drei bis sieben Jahre alt.
Ist der Spinnenläufer gefährlich?
Nein. Er greift nicht an, sondern flieht, sobald sich etwas bewegt. Seine Kieferklauen sind kurz und dringen nur in Ausnahmefällen durch menschliche Haut. Kommt es doch dazu, brennt die Stelle kurz wie ein schwacher Bienenstich, Rötung und Schwellung klingen innerhalb weniger Stunden ab. Krankheiten überträgt er nicht.
Schäden verursacht er ebenso wenig: Er geht nicht an Vorräte, Textilien, Holz oder Papier und ist auch für Hunde und Katzen ungefährlich.
Warum Sie ihn nicht bekämpfen sollten
Der Spinnenläufer arbeitet für Sie. Wo er lebt, hält er Silberfischchen, Schabennymphen und Motten kurz, ganz ohne Köder, Fallen und Wirkstoffe. Wer ihn tötet, hat die Beutetiere weiterhin im Haus. Sprays treffen die Ursache nicht, denn die liegt in der Raumfeuchte und im Nahrungsangebot.
Wichtig: Nach § 39 Abs. 1 BNatSchG dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und bei einem harmlosen Nützling fehlt dieser Grund. Werden im Raum dennoch Mittel gegen Insekten eingesetzt: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Umsetzen und Ursachen abstellen
- Glas über das Tier stülpen, Postkarte darunterschieben und in Keller, Garage oder Schuppen tragen. Im Winter nicht ins Freie setzen, die Art ist wärmebedürftig.
- Ruhig arbeiten: Bei hektischen Fangversuchen wirft der Spinnenläufer Beine ab.
- Luftfeuchte senken: nach dem Duschen stoßlüften, Wäsche nicht im Bad trocknen, undichte Siphons reparieren, den Keller im Sommer nur nachts lüften.
- Ritzen an Fliesenspiegel, Sockelleisten und Rohrdurchführungen schließen.
- Beute entziehen: Silberfischchen und Papierfischchen konsequent bekämpfen. Verschwindet die Nahrung, wandert der Jäger von selbst ab.
Tipp: Wer regelmäßig Spinnenläufer sieht, hat meist ein Feuchteproblem in Bad oder Keller. Ein Hygrometer für wenige Euro zeigt, ob die Luftfeuchte dauerhaft über 60 Prozent liegt. Sinkt sie, verschwinden Beutetiere und Jäger gemeinsam.
Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist
Wegen des Spinnenläufers selbst nie. Treten aber viele Tiere auf, steckt fast immer ein Feuchteschaden oder ein starker Befall mit anderen Insekten dahinter. Papierfischchen und Schaben bekommen Sie in der Regel nicht allein in den Griff, hier lohnt der Fachbetrieb. Bleibt die Luftfeuchte trotz konsequentem Lüften hoch, ist ein Bausachverständiger der richtige Ansprechpartner.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist der Spinnenläufer giftig?
Er besitzt Giftklauen, die auf Insekten ausgelegt sind. Für Menschen sind sie ungefährlich, meist dringen sie nicht einmal durch die Haut. Ein Biss brennt kurz wie ein schwacher Bienenstich und klingt innerhalb weniger Stunden ab. Angriffe gibt es nicht, das Tier flieht bei jeder Erschütterung.
Warum habe ich Spinnenläufer im Bad?
Weil dort zwei Dinge zusammenkommen: hohe Luftfeuchte und Beute. Der Spinnenläufer trocknet in trockener Luft aus und hält sich deshalb in Bad, Waschküche und Keller auf. Gleichzeitig findet er dort Silberfischchen, Staubläuse und Motten. Sinkt die Luftfeuchte dauerhaft unter 60 Prozent, verschwinden Beute und Jäger.
Ist der Spinnenläufer ein Tausendfüßler?
Umgangssprachlich ja, zoologisch nein. Er gehört zu den Hundertfüßern und hat 15 Beinpaare, also 30 Beine. Echte Doppelfüßer tragen zwei Beinpaare pro Segment, sind walzenförmig, langsam und ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial. Auch der Steinkriecher unter dem Blumentopf ist ein Hundertfüßer, hat aber viel kürzere Beine.
Soll ich den Spinnenläufer töten?
Besser nicht. Er ist ein Nützling und vertilgt Nacht für Nacht Silberfischchen, junge Schaben, Motten und Staubläuse. Fangen Sie ihn mit Glas und Postkarte und setzen Sie ihn in Keller oder Garage um. Ins Freie gehört er im Winter nicht, dafür ist er zu wärmebedürftig.