Trichogramma-Schlupfwespen
Auf einem Kärtchen im Vorratsschrank sitzen dunkle Punkte, jeder kleiner als ein Stecknadelkopf. Aus ihnen schlüpfen Wespen der Gattung Trichogramma: rund 0,4 mm große Hautflügler, die Motteneier von innen leerfressen. Sie stechen nicht, gehen nicht an Lebensmittel und verschwinden von selbst, sobald keine Wirtseier mehr da sind. Sie gehören zu den wenigen Nützlingen, die im Haushalt gezielt eingesetzt werden – und zu denen, deren Möglichkeiten am häufigsten überschätzt werden.
Trichogramma-Schlupfwespen erkennen
Mit bloßem Auge ist die Gattung nicht zu bestimmen. Der Körper misst 0,3 bis 0,5 mm, meist rund 0,4 mm. Unter der Lupe zeigt sich ein gedrungener, gelbbrauner bis dunkelbrauner Hautflügler mit auffällig roten Augen und kurzen, keulenförmigen Fühlern. Die Vorderflügel sind breit, tragen Reihen feiner Härchen und sind von langen Fransen gesäumt; auf diese Haarreihen geht der Gattungsname zurück.
- Fußglieder dreigliedrig – das trennt die Familie von den meisten anderen Erzwespen
- Kein Wehrstachel; der Legebohrer ist kurz und allein auf Insekteneier ausgelegt
- Verlässlichstes Zeichen im Haushalt: parasitierte Motteneier verfärben sich nach wenigen Tagen schwarz
Wichtig: Was im Vorratsschrank als krabbelndes Pünktchen auffällt, ist so gut wie nie eine Trichogramma. Bei 1 bis 2 mm ist eher die Staublaus gemeint, die feuchte Stellen anzeigt. Die Wespen selbst fallen kaum auf.
Lebensweise
Trichogramma sind Eiparasitoide. Das Weibchen betastet ein Schmetterlingsei mit den Fühlern und legt je nach Eigröße ein bis drei eigene Eier hinein. Die Larve frisst den Inhalt auf und verpuppt sich in der leeren Hülle, wobei sich das Wirtsei schwarz färbt. Aus dem Mottenei schlüpft damit keine Raupe mehr.
Die Entwicklung hängt stark von der Temperatur ab: Bei 25 °C dauert sie rund zehn Tage, bei 20 °C etwa zwei Wochen, unter 15 °C kommt sie nahezu zum Erliegen. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Tage bis gut eine Woche und nehmen dabei allenfalls Nektar- und Honigtautröpfchen auf. Ein Weibchen belegt meist 20 bis 40 Eier; auf Wirtssuche gehen ausschließlich die Weibchen.
Im Freiland ist die Gattung an Feldrändern, auf Wiesen und an Waldsäumen verbreitet; in der Landwirtschaft werden einzelne Arten seit Jahrzehnten im Mais gegen den Maiszünsler ausgebracht – dasselbe Prinzip wie im Küchenschrank.
Verwandtschaft und Abgrenzung
Der geläufige Name führt in die Irre. Die Echten Schlupfwespen (Ichneumonidae) sind eine andere Familie: meist mehrere Millimeter bis über zwei Zentimeter lang, schlank, mit langen Fühlern und oft weit vorstehendem Legebohrer. Sie entwickeln sich vor allem an Raupen und Puppen; Eiparasitismus ist bei ihnen die Ausnahme. Trichogramma gehört dagegen zu den Erzwespen (Chalcidoidea), Familie Trichogrammatidae.
Weltweit sind über 200 Trichogramma-Arten beschrieben, die sich morphologisch oft nicht sicher trennen lassen. Gegen Vorratsmotten ist Trichogramma evanescens die übliche Art. Das Foto auf dieser Seite zeigt Trichogramma dendrolimi an den großen Eiern eines Schwärmers – eine polyphage Art, die bevorzugt an großen Wirtseiern vermehrt wird und nach der ostasiatischen Spinnergattung Dendrolimus benannt ist.
Wirkung gegen Vorratsmotten
Für den Haushalt kommen die Wespen auf Kärtchen mit parasitierten Wirtseiern, aus denen sie über zwei bis drei Wochen verteilt schlüpfen und sich im Schrank verbreiten. Ihr Vorteil liegt in der Größe: Sie erreichen Schrankfalze, Schraubgewinde, Deckelränder und Bohrlöcher der Regalträger – genau die Stellen, an denen die Eier sitzen.
Angegriffen wird ausschließlich das Ei, also das Stadium vor der Raupe. Erfasst werden die Gelege der Lebensmittelmotten, allen voran Mehlmotte und Dörrobstmotte, daneben Kornmotte und Speichermotte. Im Textilschrank gilt dasselbe für Kleidermotte und Pelzmotte.
Gesundheitlich sind die Tiere ohne Bedeutung: Der Legebohrer durchdringt menschliche Haut nicht, einen Stachel besitzen sie nicht, und Krankheiten übertragen sie keine. Findet sich am Ende kein Wirtsei mehr, bricht die Population von selbst zusammen; ein eigener Befall entsteht daraus nicht.
Grenzen des Verfahrens
Trichogramma ersetzt keine Sanierung. Befallene Ware gehört verschlossen in den Restmüll, der Schrank wird ausgeräumt, mit der Fugendüse ausgesaugt und feucht ausgewischt, die Vorräte kommen in dichte Gläser oder Dosen. Ohne diese Arbeit bleibt der Herd bestehen, und die Wespen kommen gegen den Nachschub an Eiern nicht an.
- Keine Wirkung auf fliegende Falter, auf Raupen in der Ware und auf Puppen in Fugen und Schrankfalzen
- Keine Wirkung gegen Vorratskäfer wie Kornkäfer oder Brotkäfer – deren Eier sind keine geeigneten Wirte
- Eine einzelne Charge bleibt wirkungslos, weil die Mottengenerationen sich überlappen; üblich sind mehrere Auslagen über acht bis zwölf Wochen
- Insektensprays, Vernebler und Mottenpapier im selben Raum töten die Wespen mit
- Pheromonfallen stören nicht, fangen aber nur Falter-Männchen und beenden keinen Befall
Tipp: Klären Sie zuerst, wer den Schaden verursacht. Gespinstfäden, verklumpte Ware und Kokons in Schrankfalzen sprechen für Motten; runde Ausbohrlöcher in einzelnen Körnern, Nüssen oder Hülsenfrüchten sprechen für Käfer. Wie Trichogramma gegenüber anderen Hausmitteln abschneidet, steht unter Hausmittel gegen Schädlinge.
Wann zum Profi?
Für Nützlinge im Haushalt braucht es keinen Fachbetrieb. Sinnvoll wird er, wenn nach gründlicher Reinigung und mehreren Chargen weiter Falter fliegen, wenn der Herd in Hohlräumen oder hinter Einbauküchen vermutet wird oder wenn Lebensmittel gewerblich gelagert werden. Dort kommen Wärmeentwesung, Begasung und Monitoring zum Einsatz. Hilfreich ist er außerdem bei der Bestimmung: Ob im Schrank eine Motte oder ein Käfer sitzt, entscheidet darüber, ob Trichogramma überhaupt in Frage kommt.
Häufige Fragen zu diesem Tier
Stechen oder beißen Trichogramma-Schlupfwespen?
Nein. Die Tiere besitzen keinen Wehrstachel, sondern nur einen sehr kurzen Legebohrer, der auf Insekteneier ausgelegt ist und menschliche Haut nicht durchdringt. Bei rund 0,4 mm Körperlänge bemerkt man sie ohnehin kaum. Sie übertragen keine Krankheiten und sind auch für Haustiere ohne Bedeutung.
Sind Trichogramma echte Schlupfwespen?
Nein. Die Echten Schlupfwespen bilden die Familie Ichneumonidae; sie sind meist mehrere Millimeter bis über zwei Zentimeter lang und entwickeln sich vor allem an Raupen und Puppen. Trichogramma gehört zu den Erzwespen (Chalcidoidea), Familie Trichogrammatidae, und parasitiert ausschließlich Eier. Schlupfwespe ist im Alltag nur ein Sammelbegriff für parasitisch lebende Hautflügler.
Helfen die Wespen auch gegen Vorratskäfer?
Nein. Trichogramma entwickelt sich nur in Schmetterlingseiern. Die Eier von Korn-, Brot- oder Mehlkäfer kommen als Wirt nicht in Frage, ebenso wenig Vorratsmilben. Wer im Schrank Käfer statt Falter findet, erreicht mit den Kärtchen nichts und sollte den Verursacher zuerst sicher bestimmen.
Was passiert mit den Wespen, wenn keine Motten mehr da sind?
Sie sterben ab. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Tage bis gut eine Woche und können sich ohne Wirtseier nicht fortpflanzen. Sie gehen nicht an Lebensmittel, Textilien oder Zimmerpflanzen. Ein eigener Befall entsteht aus einer Ausbringung daher nicht.
Reicht eine einzelne Charge Kärtchen aus?
In der Regel nicht. Im Schrank liegen alle Stadien nebeneinander, und aus Raupen und Puppen kommen laufend neue Falter nach, die wieder Eier ablegen. Deshalb wird über acht bis zwölf Wochen in mehreren Chargen gearbeitet. Ohne Entsorgen der befallenen Ware und gründliches Reinigen bleibt der Befall trotzdem bestehen.
Wirken die Wespen auch gegen Kleidermotten?
Ja, das Verfahren wird auch im Textilschrank gegen Kleider- und Pelzmotten genutzt, denn deren Eier sind ebenfalls geeignete Wirte. Es gilt dasselbe wie im Vorratsschrank: Befallene Textilien müssen gewaschen, eingefroren oder erhitzt werden, und die Schrankfugen gehören ausgesaugt. Fraßlöcher in Wolle beseitigen die Wespen nicht.