Westliche Honigbiene
Die Westliche Honigbiene ist kein Schädling, sondern eines der wichtigsten Nutztiere überhaupt. In diesem Lexikon landet sie trotzdem, weil viele Menschen sie mit Wespen verwechseln oder plötzlich einen Schwarm am Haus haben. Bekämpfen dürfen und sollten Sie sie nicht. Der richtige Ansprechpartner ist in nahezu allen Fällen ein Imker.
Honigbiene erkennen
Arbeiterinnen messen 11 bis 13 Millimeter und wirken bräunlich und pelzig behaart. Die schmale Taille der Wespen fehlt, ebenso das leuchtende Schwarz-Gelb. Honigbienen interessieren sich für Blüten, nicht für Kuchen und Fleisch.
- Dichtes Fell, matte braune Färbung, dicke Pollenhöschen an den Hinterbeinen
- Ruhiger, gerader Flug von Blüte zu Blüte statt hektischem Kreisen um den Teller
- Schwarm: eine dicht gedrängte Traube von Tausenden Bienen an Ast, Zaun oder Mauer, meist im Mai oder Juni
- Verwilderte Völker verraten sich durch regen Flugverkehr an einer kleinen Öffnung in Fassade, Schornstein oder Rollladenkasten
Zu Verwechslungen kommt es außerdem mit Wildbienen, von denen die meisten Arten solitär leben; Hummeln sind allerdings ebenfalls Wildbienen und bilden Völker von einigen Dutzend bis mehreren hundert Tieren, häufig in Rollladenkästen, Nistkästen oder Dämmschichten. Verwechselt wird die Honigbiene außerdem mit Schwebfliegen, die keine Stacheln haben und in der Luft stehen können.
Lebensweise
Ein Bienenvolk ist ein einziger Organismus aus einer Königin, im Sommer 40.000 bis 60.000 Arbeiterinnen und einigen hundert Drohnen. Die Königin legt in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag. Eine Arbeiterin entwickelt sich in 21 Tagen vom Ei zum fertigen Insekt: 3 Tage Ei, 6 Tage Larve, 12 Tage verdeckelte Puppe.
Sommerbienen leben nur 4 bis 6 Wochen. Die im Spätsommer geschlüpften Winterbienen werden dagegen 6 bis 8 Monate alt und bringen das Volk als Wintertraube durch die kalte Jahreszeit. Beim Sammeln fliegen die Bienen im Radius von etwa drei Kilometern um den Stock. Wird das Volk zu groß, zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen als Schwarm aus – das ist Vermehrung, kein Angriff.
Schäden und Risiken
Honigbienen stechen nur zur Verteidigung, etwa wenn man sie festhält oder barfuß auf sie tritt. Ihr Stachel trägt Widerhaken, bleibt in der Haut stecken und reißt beim Rückzug aus dem Hinterleib – die Biene stirbt danach. Ziehen Sie den Stachel nicht mit den Fingern heraus, sondern kratzen Sie ihn seitlich mit einem Fingernagel oder einer Karte weg, sonst pressen Sie den Giftvorrat vollständig in die Wunde.
Für die meisten Menschen ist ein einzelner Stich harmlos. Ein Notfall liegt vor bei Stichen im Mund- und Rachenraum sowie bei jedem Zeichen einer Allgemeinreaktion: Quaddeln fernab der Einstichstelle, Atemnot, Schwindel oder Kreislaufprobleme. Eine solche Reaktion zeigt sich meist in den ersten Minuten bis etwa einer halben Stunde nach dem Stich und kann auch dann auftreten, wenn frühere Stiche folgenlos geblieben sind. Hier gilt sofort Notruf 112. Ein verwildertes Volk in einer Zwischendecke kann Bauschäden verursachen, wenn Waben schmelzen und Honig ins Mauerwerk läuft.
Tipp: Ein Schwarm ist ausgesprochen friedfertig, weil die Bienen sich vor dem Auszug mit Honig vollgesogen haben und kein Nest zu verteidigen haben. Bleiben Sie ruhig, halten Sie Abstand und rufen Sie einen Imker oder die Feuerwehr an.
Warum Sie Honigbienen nicht bekämpfen dürfen
Ein Bienenvolk gehört in aller Regel einem Imker; wer ein fremdes Volk tötet, zerstört fremdes Eigentum und macht sich schadenersatzpflichtig. Bei einem ausgezogenen Schwarm gilt das nach §§ 961 ff. BGB allerdings nur so lange, wie der Imker ihn unverzüglich verfolgt – danach wird der Schwarm herrenlos, und auch ein verwildertes Volk in der Fassade steht in niemandes Eigentum. Zu töten ist es trotzdem der falsche Weg. Der wirtschaftliche Wert eines Volks liegt schnell im dreistelligen Bereich. Hinzu kommt der ökologische Schaden: Ohne die Bestäubung durch Bienen fällt der Ertrag bei Obst, Raps und vielen Gemüsearten drastisch ab.
Insektizide sind hier vollkommen fehl am Platz. Sie töten das Volk, lösen aber das eigentliche Problem nicht, weil Waben und Honig im Hohlraum verbleiben und Wachsmotten, Ameisen und Schimmel anziehen.
Umsiedeln statt bekämpfen
Bei einem Schwarm genügt ein Anruf beim örtlichen Imkerverein, bei der Feuerwehr oder der Gemeinde. Ein Imker fängt den Schwarm binnen weniger Stunden ein. Sitzt ein Volk fest in Schornstein, Fassade oder Zwischendecke, ist mehr Aufwand nötig: Der Hohlraum muss geöffnet, das Wabenwerk vollständig entnommen und die Öffnung anschließend dauerhaft verschlossen werden. Diesen sogenannten Bienenausschnitt übernehmen erfahrene Imker, oft gemeinsam mit einem Dachdecker. Was das kostet, richtet sich nach Zugänglichkeit und baulichem Aufwand – der Löwenanteil entfällt ohnehin auf die Bauarbeiten, und ein verbindlicher Preis lässt sich erst nach einer Begutachtung vor Ort nennen.
Rechtliches
Wichtig: Die Honigbiene gilt als Nutztier und fällt nicht unter den besonderen Artenschutz. Wildbienen einschließlich Hummeln sind dagegen nach §44 BNatSchG besonders geschützt: Töten, Fangen und das Zerstören ihrer Nistplätze sind ohne Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde verboten und können mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden. Wer unsicher ist, welche Art am Haus nistet, holt vor jeder Maßnahme fachliche Auskunft ein.
Häufige Fragen zu diesem Tier
Was mache ich, wenn ein Bienenschwarm in meinem Garten hängt?
Ruhe bewahren und Abstand halten. Ein Schwarm ist friedfertig, weil die Bienen mit Honig vollgesogen sind und kein Nest verteidigen. Rufen Sie den örtlichen Imkerverein, die Feuerwehr oder die Gemeinde an. Der Schwarm wird meist noch am selben Tag kostenlos oder gegen eine kleine Aufwandsentschädigung abgeholt.
Woran erkenne ich Bienen und Wespen sicher?
Honigbienen sind bräunlich und dicht behaart, Wespen glänzend schwarz-gelb mit deutlich schmalerer Taille. Entscheidend ist auch das Verhalten: Bienen fliegen Blüten an, Wespen interessieren sich für Kuchen, Fleisch und süße Getränke. Wer am Kaffeetisch belästigt wird, hat es fast immer mit Wespen zu tun.
Bienen nisten in meiner Hauswand – was nun?
Setzen Sie keine Insektizide ein. Ein verwildertes Volk muss ausgeschnitten werden: Hohlraum öffnen, Wabenwerk und Honig vollständig entfernen, Öffnung dauerhaft verschließen. Das übernehmen erfahrene Imker, oft zusammen mit einem Dachdecker. Bleibt Honig im Mauerwerk zurück, ziehen Sie Wachsmotten, Ameisen und Schimmel an.
Stirbt eine Biene nach jedem Stich?
Beim Stich in die menschliche Haut ja. Der Stachel trägt Widerhaken, verhakt sich und reißt beim Rückzug aus dem Hinterleib. Bei Stichen in andere Insekten mit weicherer Hülle kann die Biene den Stachel dagegen wieder herausziehen und überlebt. Kratzen Sie den Stachel seitlich weg, statt ihn zu quetschen.