Zum Inhalt springen
Nützling

Asiatischer Marienkäfer

Im Oktober sitzen Hunderte Marienkäfer an der sonnigen Hauswand, kurz darauf krabbeln sie im Wohnzimmer. Dahinter steckt fast immer der Asiatische Marienkäfer. Er ist ein hochwirksamer Blattlausvertilger und damit ein Nützling, wird im Herbst aber zum Lästling, wenn er Winterquartiere in Gebäuden sucht. Bekämpfen müssen Sie ihn nicht, aussperren dagegen schon.

Asiatischen Marienkäfer erkennen

Er ist 6 bis 8 mm lang und damit etwas größer und stärker gewölbt als heimische Arten. Seine Färbung reicht von hellgelb über orange und rot bis schwarz, mit null bis 21 Punkten. Das sicherste Merkmal ist der Halsschild: weiß bis cremefarben mit einer schwarzen Zeichnung, die häufig wie ein M oder W aussieht.

  • Siebenpunkt-Marienkäfer: 5 bis 8 mm, kräftig rot mit genau sieben Punkten, Halsschild schwarz mit zwei weißen Ecken.
  • Larven: bis 12 mm lang, dunkelgrau mit orangefarbenen Seitenstreifen und deutlichen Dornfortsätzen.
  • Gelbe Flecken: streng riechende Tropfen an Fensterrahmen, Gardinen und Tapeten, das sogenannte Reflexbluten.

Lebensweise

Die Art stammt aus Ostasien und wurde ab den 1980er-Jahren in Gewächshäusern zur Blattlausbekämpfung eingesetzt. Aus entkommenen Tieren entstand eine Freilandpopulation, die sich seit 2001 rasant ausgebreitet hat. Ein Weibchen legt 1.000 bis 2.000 Eier, in Deutschland entwickeln sich zwei bis drei Generationen pro Jahr. Eine Larve frisst bis zu 100 Blattläuse am Tag. Fehlen Blattläuse, weicht sie auf Schildläuse, weiches Obst und sogar Eier anderer Marienkäfer aus.

Im Herbst suchen die Tiere gemeinsam Winterquartiere. In der Heimat sind das helle Felswände, hier übernehmen sonnige Hausfassaden diese Funktion. Angelockt von Duftstoffen bereits gelandeter Artgenossen sammeln sich große Gruppen und kriechen in Fensterfalze, Rollladenkästen und Dachböden.

Schäden und Risiken

Für Menschen ist der Käfer ungefährlich. Er sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Bei Störung sondert er aus den Beingelenken eine gelbliche, bitter riechende Flüssigkeit ab, die schwer entfernbare Flecken auf Tapeten und hellen Polstern hinterlässt.

Wirtschaftlich relevant ist er im Weinbau: Sitzen die Käfer zur Lese in den Trauben und gelangen in die Maische, überträgt sich ihr bitterer Geschmacksstoff auf den Wein. Ökologisch verdrängt die Art heimische Marienkäfer, weil sie mehr Nachkommen produziert und deren Brut frisst.

Warum Sie ihn nicht bekämpfen sollten

Er vertilgt Blattläuse in einem Umfang, den kein heimischer Nützling erreicht, und ersetzt in vielen Gärten den Griff zum Insektizid. Wer ihn an der Fassade bekämpft, tötet zugleich heimische Arten, die in denselben Quartieren überwintern, etwa Siebenpunkt und Florfliegen. Ein Insektizideinsatz an Hauswänden ist zudem wirkungslos, weil sofort neue Tiere anfliegen; die Art ist seit über zwei Jahrzehnten flächendeckend etabliert. Heimische Arten fördern Sie besser mit einem blütenreichen Garten und Altgras als Winterquartier. Wie Sie Blattläuse ohne Chemie in den Griff bekommen, lesen Sie im Ratgeber Blattläuse auf Zimmerpflanzen, Zier- und Nutzpflanzen.

Aussperren statt bekämpfen

  • Fensterfalze, Rollladenkästen, Lüftungsschlitze und Dachluken vor Anfang Oktober abdichten, denn die Käfer nutzen Spalten ab 2 mm.
  • Fliegengitter an Fenstern und Dachfenstern anbringen, Rollladenkästen mit Bürstendichtungen nachrüsten.
  • Risse in Fassade, Fensterlaibungen und um Rohrdurchführungen verfugen.
  • Alternative Quartiere anbieten: Holzstapel, Laubhaufen und Trockenmauern.

Tipp: Zum Einsammeln stülpen Sie einen Nylonstrumpf über das Saugrohr des Staubsaugers. Die Käfer landen im Strumpf statt im Beutel, bleiben unverletzt und lassen sich draußen an einem frostfreien Ort freilassen.

Rechtliches

Als gebietsfremde Art gehört er nicht zu den besonders geschützten Arten nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Trotzdem gilt § 39 Absatz 1 BNatSchG: Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden, ebenso fordert es § 1 Tierschutzgesetz. Massenhaftes Abtöten an der Fassade ist weder nötig noch gedeckt. Wie andere eingewanderte Arten, etwa die Amerikanische Kiefernwanze, sucht er im Herbst Gebäude auf, und dichte Fenster lösen bei beiden dasselbe Problem.

Wichtig: Das gezielte Aussetzen gebietsfremder Arten im Freiland ist nach § 40 Bundesnaturschutzgesetz genehmigungspflichtig. Kaufen Sie für den Garten deshalb keine Nützlinge dieser Art.

Häufige Fragen zu diesem Tier

Wie unterscheide ich den Asiatischen vom heimischen Marienkäfer?

Achten Sie auf den Halsschild: Beim Asiatischen Marienkäfer ist er weiß mit schwarzer M- oder W-Zeichnung, beim Siebenpunkt schwarz mit zwei weißen Ecken. Die Punktzahl hilft nicht weiter, denn die eingewanderte Art variiert von null bis 21 Punkten und tritt auch in schwarzer Form auf. Zusätzlich ist sie mit 6 bis 8 mm etwas größer und stärker gewölbt.

Beißt der Asiatische Marienkäfer?

Er kann bei der Suche nach Feuchtigkeit an der Haut knabbern, was kurz piksen kann. Ein echter Stich oder eine Verletzung entsteht dabei nicht, und Krankheiten überträgt er nicht. Unangenehmer ist das Reflexbluten, eine gelbliche, streng riechende Flüssigkeit, die Flecken auf Textilien hinterlässt. In Einzelfällen sind allergische Reaktionen der Atemwege beschrieben.

Was mache ich mit den Käfern in der Wohnung?

Sammeln Sie die Tiere schonend ein, etwa mit einem Nylonstrumpf über dem Saugrohr des Staubsaugers oder mit Glas und Papier. Setzen Sie sie an einem kühlen, frostfreien Ort im Freien ab, zum Beispiel in einem Holzstapel oder Schuppen. Dichten Sie anschließend Fensterfalze und Rollladenkästen ab, damit im nächsten Herbst weniger Tiere hineinkommen.

Sind gelbe Flecken auf Tapete und Gardine ein Problem?

Sie stammen aus der Körperflüssigkeit, die die Käfer bei Störung abgeben, und riechen streng. Auf hellen Textilien und Tapeten sind sie schwer zu entfernen. Wischen Sie frische Tropfen sofort mit lauwarmem Wasser und mildem Reiniger ab und zerdrücken Sie die Tiere möglichst nicht.