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Nützling

Europäische Hornisse

Kaum ein Insekt löst so viel unnötige Angst aus wie die Europäische Hornisse. Der alte Spruch von den drei Stichen, die ein Pferd töten, ist schlicht falsch. Tatsächlich ist die Art scheu, für den Menschen kaum gefährlicher als eine Wespe und dazu ein hochwirksamer Insektenjäger. Vor allem aber steht sie unter besonderem Artenschutz: Nest und Tiere zu beseitigen ist ohne Genehmigung verboten und kann teuer werden.

Europäische Hornisse erkennen

Arbeiterinnen messen 18 bis 25 Millimeter, Königinnen bis 35 Millimeter. Damit ist die Hornisse deutlich größer als jede heimische Wespe. Das sicherste Merkmal ist die Färbung: Kopf und Brustabschnitt sind rotbraun bis kastanienbraun gezeichnet, der Hinterleib gelb mit braunschwarzem Muster. Wespen wirken dagegen kontrastreich schwarz-gelb.

  • Nest aus hellbraunem, brüchigem Material – zerkautes morsches Holz, nicht grau wie bei Wespen
  • Nestbau in Baumhöhlen, Nistkästen, Rollladenkästen, Dachböden und Holzstapeln
  • Flug bis in die Dunkelheit; die Tiere kommen an beleuchtete Fenster
  • Kein Interesse an Kuchen, Grillgut und Limonade – das sind Deutsche und Gemeine Wespe

Verwechslungsgefahr besteht mit der invasiven Asiatischen Hornisse. Diese ist kleiner, hat einen fast komplett schwarzen Brustabschnitt und gelbe Beinenden. Für sie gelten andere Regeln, Funde sollten gemeldet werden.

Lebensweise

Der Staat ist streng einjährig. Eine überwinterte Königin gründet ab April oder Mai allein ein Nest und versorgt die erste Brut selbst. Ab Juni übernehmen die Arbeiterinnen. Ein Volk erreicht im Spätsommer meist 100 bis 400 gleichzeitig lebende Tiere, über die gesamte Saison entstehen 400 bis 700 Individuen. Im Oktober und November stirbt das Volk ab, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern. Ein einmal verlassenes Nest wird nie wieder bezogen.

Hornissen jagen Fliegen, Wespen, Bremsen, Raupen und Käfer. Ein starkes Volk erbeutet bis zu 500 Gramm Insekten pro Tag. Die erwachsenen Tiere selbst ernähren sich von Baumsaft und nagen dafür an Zweigen von Flieder und Esche.

Wie gefährlich ist ein Stich?

Ein Hornissenstich schmerzt stärker als ein Wespenstich, weil Stachel und Giftmenge größer sind. Das Gift selbst ist bezogen auf die Menge nicht giftiger als Bienengift, in einigen Bestandteilen sogar schwächer. Für die meisten Menschen ist ein einzelner Stich harmlos, die Schwellung klingt meist binnen Stunden bis Tagen ab.

Ein Notfall liegt vor bei Stichen im Mund- oder Rachenraum sowie bei jedem Zeichen einer Allgemeinreaktion: Atemnot, Engegefühl im Hals, Quaddeln fernab der Einstichstelle, Schwindel oder Kreislaufkollaps – auch und gerade ohne vorher bekannte Insektengiftallergie. Dann gilt sofort der Notruf 112. Ansonsten stechen Hornissen nur, wenn sie sich am Nest bedroht fühlen oder gequetscht werden. Fernab des Nests sind sie ausgesprochen friedfertig.

Tipp: Halten Sie zum Nest zwei bis vier Meter Abstand und verstellen Sie die Einflugschneise nicht. Nicht mit den Armen schlagen, nicht anpusten, nicht mit Wasser spritzen.

Warum Sie Hornissen nicht bekämpfen dürfen

Die Europäische Hornisse gehört zu den besonders geschützten Arten. Es ist verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Nester zu beschädigen oder zu zerstören. Das gilt auch für Nester am eigenen Haus. Wer eigenmächtig handelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Fachlich spricht ebenso viel dafür, das Nest stehen zu lassen: Das Volk löst sich im Herbst ohnehin auf, im Folgejahr bleibt der Standort leer. Bis dahin hält Ihnen die Kolonie Fliegen und Wespen vom Grundstück fern.

Umsiedeln statt bekämpfen

Sitzt das Nest an einer wirklich kritischen Stelle, etwa direkt über der Haustür, am Kinderzimmerfenster oder im Betriebsablauf, ist eine Umsiedlung möglich. Wenden Sie sich an die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises. Diese prüft den Einzelfall und erteilt bei berechtigtem Grund eine Ausnahmegenehmigung. Erst danach darf ein Fachbetrieb oder ein ehrenamtlicher Hornissenberater das Nest versetzen. Kann kein neuer Standort gefunden werden, kommen als Zwischenlösung Umlenkbleche oder ein Flugkanal infrage, die den Anflug aus dem kritischen Bereich verlegen.

Rechtliches

Wichtig: Die Europäische Hornisse ist nach §44 BNatSchG besonders geschützt. Töten, Fangen sowie das Zerstören der Nester sind ohne Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde verboten. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können je nach Bundesland mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Auch Schädlingsbekämpfer benötigen für den Einsatz eine behördliche Genehmigung.

Weitere Arten und ihre Unterschiede finden Sie in der Übersicht zu Hornissen.

Häufige Fragen zu diesem Tier

Sind drei Hornissenstiche wirklich tödlich?

Nein, das ist ein hartnäckiger Mythos. Hornissengift ist bezogen auf die Menge nicht giftiger als Bienengift. Ein einzelner Stich ist für gesunde Erwachsene ungefährlich, er schmerzt nur stärker, weil Stachel und Giftmenge größer sind. Gefährlich wird es bei Insektengiftallergie oder bei Stichen im Mund- und Rachenraum.

Darf ich ein Hornissennest am Haus entfernen lassen?

Nur mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Sie stellen den Antrag mit Begründung, die Behörde prüft, ob eine unzumutbare Beeinträchtigung vorliegt. Wird die Genehmigung erteilt, siedelt ein Fachbetrieb oder ein Hornissenberater das Nest um. Eigenmächtiges Entfernen ist eine Ordnungswidrigkeit.

Kommen Hornissen an den Kaffeetisch?

Nein. Anders als die Deutsche und die Gemeine Wespe interessieren sich Hornissen nicht für Kuchen, Grillgut oder Limonade. Sie jagen Insekten und nehmen Baumsäfte auf. Wer im Sommer vom Kaffeetisch vertrieben wird, hat es fast immer mit Wespen zu tun.

Was mache ich, wenn nachts Hornissen ans Fenster fliegen?

Die Tiere fliegen bis in die Dunkelheit und werden von Licht angezogen. Schließen Sie Rollläden oder montieren Sie Insektengitter, dann bleiben sie draußen. Löschen Sie im Zweifel das Licht im Raum und öffnen Sie das Fenster kurz, damit hineingeratene Tiere zum helleren Außenbereich zurückfinden.