Zum Inhalt springen
Gesundheit

Holzbock, Auwaldzecke oder Braune Hundezecke?

Der Hund bringt mitten im Februar Zecken mit, und eine krabbelt die Schlafzimmerwand hoch — sind das dieselben Tiere wie nach dem Waldspaziergang?

Warum die Unterscheidung zählt

Entfernt werden alle drei gleich, deshalb gilt die Art als nebensächlich — sie entscheidet aber, was danach kommt. Die Auwaldzecke ist schon ab 4 Grad aktiv und überträgt Hunden die unbehandelt oft tödliche Babesiose; Zeckenschutz nur von April bis Oktober greift zu kurz. Die Braune Hundezecke ist die einzige Schildzecke, die sich in beheizten Räumen vermehrt: über 90 Prozent sitzen in Fugen, nicht am Hund — unter den Lederzecken schafft das auch die Taubenzecke.

Gemeiner Holzbock rund 90 Prozent der Stiche — Borreliose und FSME
Auwaldzecke Babesiose beim Hund — auch im Winter unterwegs
Braune Hundezecke vermehrt sich in der Wohnung — Fachbetrieb nötig

Woran Sie die beiden auseinanderhalten

Merkmal Gemeiner Holzbock Auwaldzecke Braune Hundezecke
Rückenschild dunkelbraun bis schwarz, deutlich abgesetzt vom rotbraunen Hinterleib — zweifarbig wirkendes Tier, keine helle Zeichnung weiß-grau marmoriert und deutlich vom braunen Körper abgesetzt — daher der zweite Name Buntzecke einfarbig rotbraun ohne helle Zeichnung — Schild und Körper in derselben Farbe, kein Kontrast
Körperumriss breit-oval, fast so breit wie lang, Weibchen 3–4 mm; die Größe trennt nicht — Nymphen von rund 1,5 mm haben alle drei Arten breit-oval wie der Holzbock, aber die größte der drei: 3,5–5 mm ungesogen, vollgesogen bis 16 mm deutlich länger als breit, schmal-länglich, 2,5–4,5 mm — der Umriss trennt sie auch dann, wenn die Farbe unklar bleibt
Wo das Tier auftaucht Waldränder, Unterholz, hohe Gräser, Parks und Gärten, meist unterhalb von einem Meter — an Mensch und Hund die häufigste Zecke feuchte Wiesen, Auwälder, Fluss- und Bachniederungen, Brachflächen und Wegränder; klettert im Gras bis etwa 50 cm in der Wohnung: hinter Bilderrahmen, Sockelleisten, Tapetenkanten und Dielenritzen — und am Hund, der gar nicht draußen war
Läuft an Wand und Decke hoch nein — heimische Schildzecken tun das nicht nein — sie wartet im hohen Gras auf einen Wirt ja, der Drang nach oben ist typisch; dazu bräunliche Häutungsreste und Eigelege in Fugen
Jahreszeit März bis Oktober, aktiv ab 7 bis 8 Grad Bodentemperatur, in milden Wintern ganzjährig — ein Februarfund schließt ihn nicht aus aktiv ab etwa 4 Grad, Hauptzeit Februar bis Mai und September bis November, Pause im Hochsommer — im Winter die wahrscheinlichste Art in beheizten Räumen ganzjährig; im Freien übersteht sie einen mitteleuropäischen Winter nicht
Wer erkrankt und woran Mensch: Borreliose, Wanderröte 3 bis 30 Tage nach dem Stich, in Risikogebieten FSME. Hund: Borreliose und Anaplasmose, wechselnde Lahmheit Hund: Babesiose mit hohem Fieber, Fressunlust und dunkelbraun bis rot verfärbtem Urin, 5 bis 20 Tage nach dem Stich; Mensch selten, dann Rickettsien Hund: Ehrlichiose, Babesiose und Anaplasmose, oft erst Wochen nach dem Urlaub; Mensch nur ausnahmsweise, dann Mittelmeer-Fleckfieber — kein FSME
Was danach zu tun ist sofort entfernen, jede Stunde zählt — Borrelien wandern meist erst nach 12 bis 24 Stunden über; hautnah fassen, gerade ziehen, kein Öl, kein Klebstoff Zeckenschutz für den Hund ganzjährig statt nur April bis Oktober; bei Fieber, Mattigkeit oder dunklem Urin sofort in die Tierarztpraxis Wohnung ist mitbefallen: Fachbetrieb hinzuziehen, alle Hunde tierärztlich behandeln und auf Mittelmeerkrankheiten testen, sechs Monate kontrollieren

Der Test, der Klarheit schafft

Legen Sie das Tier unzerdrückt auf weißes Papier: hell marmoriertes Schild heißt Auwaldzecke, dunkles Schild auf breit-ovalem Körper Holzbock, durchgehend rotbraun und schmal Braune Hundezecke. Krabbeln Tiere an Wand oder Decke, kleben Sie eine Woche doppelseitiges Klebeband an die Wand-Decken-Kante — Fänge heißen Wohnungsbefall, bei Tauben am Haus auch Taubenzecke.

So gehen Sie weiter vor

Gut zu wissen

Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.

Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?

Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.

Muss ich einen Schädlingsbefall melden?

Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten schreiben viele Gemeinden per Satzung eine Anzeige vor; eine bundesweite Meldepflicht für Privatpersonen gibt es nicht. In der Mietwohnung müssen Sie den Befall dem Vermieter unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB) — sonst riskieren Sie Schadensersatz und den Verlust Ihrer Minderungsrechte. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.

Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?

Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.

Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?

Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.

Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?

Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?

Illustration: Haus im Querschnitt mit typischen Schädlingsverstecken — vom Dachboden über Küche, Bad und Kleiderschrank bis in den Keller.