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Gesundheit

Flöhe, Krätzmilben oder Vogelmilben?

Seit Wochen juckt die Haut in Grüppchen, doch kein Tier lässt sich fangen — Haustier, Mensch oder Nest am Haus?

Warum die Unterscheidung zählt

Alle drei jucken ohne sichtbares Tier; behandelt wird der Teppich, die Krätze läuft derweil über Hautkontakt weiter: enge Kontakte am selben Tag ärztlich behandeln, Gemeinschaftseinrichtungen bis zur Freigabe meiden und informieren, sie melden dem Gesundheitsamt (§ 34 IfSG), im Pflegeheim schon beim Verdacht (§ 35 Abs. 4). Vogelmilben überleben Monate im Nistmaterial, ohne Nestentfernung wirkt keine Raumbehandlung; wiederbezogene Nester von Schwalbe, Mauersegler und Haussperling sind ganzjährig geschützt, Räumung nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (§ 45 Abs. 7 BNatSchG).

Flöhe bekämpfbar — Tier und Wohnung zugleich
Krätzmilbe ansteckend — ärztliche Behandlung statt Biozid
Rote Vogelmilbe Quelle ist ein Nest — Vögel geschützt (§ 44 BNatSchG)

Woran Sie die beiden auseinanderhalten

Merkmal Flöhe Krätzmilbe Rote Vogelmilbe
Größe und Spuren im Raum 1,5–4 mm, rotbraun, seitlich flach, springt bis 30 cm; schwarze Krümel im Körbchen und an der Teppichkante 0,3–0,5 mm, sitzt in der Hornschicht — nie zu sehen; in der Wohnung weder Tier noch Kot 0,7–1,1 mm, grauweiß, vollgesogen rot; graue, aschartige Beläge in Fugen von Fensterlaibung und Rollladenkasten
Ort am Körper Tagsüber Füße, Knöchel und Waden bis Sprunghöhe; nachts unter der Decke auch am Rumpf Fingerzwischenräume, Handgelenke, Nabel, Gürtellinie; Kopf und Rücken frei — bei Säuglingen auch Handflächen und Kopf Arme, Schultern und Rumpf auf unbedeckter Haut, oft entlang von Kragen- und Bundrändern
Hautbild Zwei bis vier juckende Quaddeln mit Einstichpunkt auf einer Linie — dasselbe Muster macht die Bettwanze Feine, kommaförmig gewundene Gänge von wenigen Millimetern, am Ende ein dunkles Pünktchen Stecknadelkopfgroße Papeln in Grüppchen, ohne Gangsystem, bleiben tagelang
Wer noch betroffen ist Oft nur ein Teil der Bewohner; entscheidend ist das Tier — Hund oder Katze knabbert an der Schwanzwurzel Mehrere Personen mit engem Körperkontakt, auch außerhalb des Haushalts; Haustiere bleiben frei Nur wer in den betroffenen Räumen schläft; keine Übertragung von Mensch zu Mensch; im Stall blasse Kämme
Woher es kommt Hund, Katze, Igel oder Nager; 95 Prozent stecken als Ei, Larve und Puppe im Teppich. Besetzte Igelnester sind geschützt Von einem anderen Menschen, über fünf bis zehn Minuten Haut-zu-Haut-Kontakt; Händeschütteln genügt nicht Aus einem Vogelnest in Rollladenkasten, Traufe oder unter Dachziegeln; im Stall aus den Sitzstangenauflagern
Beginn und Jahreszeit Stiche jucken sofort; ganzjährig in beheizten Wohnungen, Höhepunkt Juli bis Oktober Juckreiz erst nach zwei bis fünf Wochen, bei erneuter Ansteckung nach ein bis zwei Tagen; ganzjährig, gehäuft in Gemeinschaftseinrichtungen Juckreiz ab der ersten Nacht, plötzlicher Beginn Ende Mai bis Juli, kurz nach dem Ausfliegen der Jungvögel
Was wirklich hilft Alle Hunde und Katzen tierärztlich behandeln, die Wohnung gleichzeitig; zwei bis drei Wochen täglich saugen Ärztliche Behandlung aller engen Kontakte am selben Tag; Wäsche der letzten vier Tage bei 60 Grad, Nichtwaschbares vier Tage in den Sack, Polster und Matratzen absaugen und drei Tage meiden; keine Insektizide — bei Borkenkrätze im Heim entscheidet das Gesundheitsamt Nest erst nach dem Ausfliegen entfernen, bei Schwalbe, Mauersegler und Haussperling nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde; dann Ritzen mit Heißdampf oder Kieselgur behandeln und abdichten

Der Test, der Klarheit schafft

Erst Matratzennähte und Lattenrost absuchen: Kotpünktchen oder flache 4–6-mm-Tiere heißen Bettwanze, siehe Karte Bettwanze oder Fledermauswanze. Sonst weißes Papier feucht über die Teppichkante ziehen: rostrote Schlieren sind Flohkot. Klebestreifen an Fensterlaibung, Rollladenkasten und Bettkante frühmorgens mit der Lampe prüfen; leer beweist nichts, tagsüber sitzen die Milben tief in den Fugen.

So gehen Sie weiter vor

Gut zu wissen

Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.

Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?

Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.

Muss ich einen Schädlingsbefall melden?

Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten schreiben viele Gemeinden per Satzung eine Anzeige vor; eine bundesweite Meldepflicht für Privatpersonen gibt es nicht. In der Mietwohnung müssen Sie den Befall dem Vermieter unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB) — sonst riskieren Sie Schadensersatz und den Verlust Ihrer Minderungsrechte. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.

Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?

Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.

Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?

Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.

Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?

Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?

Illustration: Haus im Querschnitt mit typischen Schädlingsverstecken — vom Dachboden über Küche, Bad und Kleiderschrank bis in den Keller.