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Andere Methode nötig

Kleidermotte oder Teppichkäfer?

Der Wollpullover hat Löcher, aber in der Pheromonfalle im Schrank landet seit Wochen kein einziger Falter.

Warum die Unterscheidung zählt

Löcher in Wolle gehen reflexhaft auf das Konto der Motte, dabei stammt ein großer Teil von zwei Speckkäfern, die dasselbe Keratin fressen. Pheromonfallen locken nur die Kleidermotte, von den Käfern fangen sie nichts — und selbst für die Motte ist eine leere Falle nur dann ein Freispruch, wenn der Köder frisch ist (Wirkdauer rund drei Monate), im selben Schrank hängt und gerade Flugzeit ist. Der Käferherd sitzt meist woanders: im Vogelnest am Haus oder im Fußbodenaufbau.

Kleidermotte spinnt Gespinströhren — Herd sitzt im Schrank
Teppichkäfer Anthrenus-Arten — Herd oft ein Vogelnest am Haus
Brauner Pelzkäfer Attagenus smirnovi — Herd im Fußbodenaufbau

Woran Sie die beiden auseinanderhalten

Merkmal Kleidermotte Teppichkäfer Brauner Pelzkäfer
Erwachsenes Tier Falter 6–9 mm, strohgelb glänzend, ohne Zeichnung; huscht lichtscheu über den Stoff, statt zu fliegen Käfer 1,7–4,5 mm, fast kreisrund, hell gescheckt; gelb-weiß-braun = Wollkrautblütenkäfer, schwarz-weiß mit rotbrauner Mittellinie = Teppichkäfer Käfer 2,5–5 mm, länglich-oval, Kopf und Halsschild dunkel, Flügeldecken einfarbig hell- bis rotbraun — länglich statt rund
Larve bis 10 mm, weißlich mit brauner Kopfkapsel, steckt in einer seidigen Röhre bis 5 mm, rotbraun, dicht beborstet, Haarbüschel am Hinterende; die Anthrenus-Arten sind als Larve nicht zu trennen bis 8 mm, rotbraun, nach hinten zulaufend, mit langem Haarpinsel am Hinterende
Spur und Schadbild Löcher an Kragen und Achsel selten getragener Wolle; am Rand Gespinströhren und Kotkrümel in der Farbe des Stoffes flächig kahl gefressener Teppichflor unter Bett und Schrank, dazu Federn und Pelz; hohle, borstige Larvenhäute kahle Stellen an Teppichunterseite, Kaschmir und Leder; helle Larvenhäute in Dielenfugen und Sockelleisten
Jahreslauf ganzjährig aktiv, zwei bis drei Generationen im Jahr; Falter Mai bis September eine Generation im Jahr, Käfer April bis Juli am Fenster; die Larve frisst 3 Monate bis 2 Jahre — es kommen lange Käfer nach eine Generation im Jahr, Käfer März bis Juli am Fenster; die Larve braucht warm 4 bis 6 Monate, im kühlen Raum über ein Jahr
Wo der Herd sitzt im Schrank selbst: eingeschleppte Textilien, Eier in Ritzen, Nähten und Taschen meist außerhalb des Schranks: Vogelnest im Rollladenkasten; Nester von Schwalben, Mauerseglern, Haussperlingen und Staren sind als dauerhaft genutzte Fortpflanzungsstätte auch leer geschützt im Gebäude selbst: Dielenzwischenraum, Estrichdämmung, Teppichunterseite unter schweren Möbeln
Reaktion auf der Haut keine — Falter und Larve stechen nicht und tragen keine Reizhaare abbrechende Pfeilhaare der Larven lösen juckende Papeln aus, oft für Bettwanzenstiche gehalten; beim Nestausbau wandern Vogelmilben, Vogelflöhe und Zecken ab: Handschuhe und FFP2-Maske, Nest im Beutel verschließen, Umgebung nachbehandeln — oder Fachbetrieb Larvenhaare und Kotstaub reizen Haut, Augen und Atemwege; Krankheiten übertragen beide Käfer nicht
Was wirkt 60 °C Wäsche oder zwei Wochen bei −18 °C, Schrank leerräumen und aussaugen, Trichogramma-Schlupfwespen Herd suchen; besetzte Nester dürfen nach § 44 BNatSchG weder entfernt noch gestört werden, nur einmalig genutzte nach der Brutsaison entnehmen — Ausnahme allein durch die Untere Naturschutzbehörde (§ 45 Abs. 7 BNatSchG). Textilien 55 °C oder −18 °C Teppichunterseite, Dielenfugen und Sockelleisten saugen, Beutel sofort in den Außenmüll, 60 °C oder −18 °C, Kieselgur in die Fugen

Der Test, der Klarheit schafft

Halten Sie das Loch ins Licht: Gespinströhren und Kotkrümel in Stofffarbe heißen Kleidermotte. Sonst Klebeband über Teppichkante und Dielenfuge ziehen — borstige Larvenhäute beweisen die Käferlarve; staubarm arbeiten, die Haare reizen Haut und Atemwege. Bleibt beides leer, entscheidet, wo die lebenden Tiere sitzen: Käfer im Frühjahr am Fenster, Falter im Schrank — oft beides.

So gehen Sie weiter vor

Gut zu wissen

Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.

Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?

Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.

Muss ich einen Schädlingsbefall melden?

Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten schreiben viele Gemeinden per Satzung eine Anzeige vor; eine bundesweite Meldepflicht für Privatpersonen gibt es nicht. In der Mietwohnung müssen Sie den Befall dem Vermieter unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB) — sonst riskieren Sie Schadensersatz und den Verlust Ihrer Minderungsrechte. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.

Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?

Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.

Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?

Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.

Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?

Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?

Illustration: Haus im Querschnitt mit typischen Schädlingsverstecken — vom Dachboden über Küche, Bad und Kleiderschrank bis in den Keller.