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Pflanzenschädling

Rosskastanien-Miniermotte

Wenn Kastanien schon im Juli braun werden und im August Laub abwerfen, steckt fast immer die Rosskastanien-Miniermotte dahinter. Der Falter ist keine fünf Millimeter groß, seine Raupen fressen im Inneren der Blätter. Für den Baum ist das eine Dauerbelastung, aber in aller Regel kein Todesurteil.

Rosskastanien-Miniermotte erkennen

Den Falter bekommt man selten bewusst zu Gesicht: Er ist etwa 5 mm lang, hat eine Flügelspannweite von 7 bis 10 mm und rostbraune Vorderflügel mit feinen weißen, dunkel gesäumten Querstreifen. Auffällig sind stattdessen die Blätter. Zwischen den Blattadern entstehen zunächst kleine, wasserklare Flecken, die sich zu bräunlichen, silbrig schimmernden Minen von ein bis zwei Zentimetern ausweiten und schließlich zusammenfließen, bis das ganze Blatt vertrocknet wirkt.

  • Der Befall beginnt regelmäßig an den unteren Ästen und arbeitet sich im Lauf des Sommers nach oben
  • Hält man ein Blatt gegen das Licht, sind in den Minen die Raupen und ihre Kotkrümel zu erkennen
  • Betroffen ist fast nur die weißblühende Rosskastanie; rotblühende Arten werden zwar belegt, dort sterben die Raupen aber meist ab

Wichtig: Braune Blätter an Kastanien können auch von der Blattbräune stammen, einer Pilzkrankheit. Deren Flecken sind auf Blattober- und -unterseite gleich gut sichtbar und oft gelb umrandet, Minen dagegen vor allem von oben und ohne gelben Saum. Die Unterscheidung lohnt sich, weil gegen den Pilz das Laubsammeln allein wenig ausrichtet.

Lebensweise

Die Art wurde erst 1986 wissenschaftlich beschrieben, nachdem sie in Mazedonien am Ohridsee aufgefallen war. Über Österreich erreichte sie Anfang der 1990er Jahre Deutschland und ist heute bundesweit verbreitet. Für die schnelle Ausbreitung sorgen der Fahrtwind an Straßen und verschlepptes Laub; über kurze Strecken fliegen die Falter selbst.

Pro Jahr entwickeln sich in der Regel drei Generationen, in warmen Jahren auch eine vierte. Die erste erscheint im Frühjahr zur Kastanienblüte, die zweite ab Ende Juni, die dritte im August und September. Die Weibchen legen die Eier einzeln auf die Blattoberseite; bei starkem Befall summieren sich die Gelege mehrerer Weibchen, bis ein einzelnes Teilblatt dicht mit Minen bedeckt ist. Die geschlüpfte Raupe frisst sich zwischen die Blatthäute und bleibt dort bis zur Verpuppung. Die letzte Generation überwintert als Puppe im abgefallenen Laub. Genau das ist der Ansatzpunkt für alles, was man tun kann.

Schäden und Risiken

Bei starkem Befall sind ab August kaum noch grüne Blattflächen übrig, die Bäume werfen das Laub Wochen zu früh ab und treiben im Herbst mitunter ein zweites Mal aus. Diese Notblüte kostet Reserven. Der Zuwachs geht zurück, Frucht- und Samenbildung leiden, die Bäume werden anfälliger für Trockenheit, Rindenschäden und Pilzkrankheiten. Ein Absterben allein durch die Motte ist trotzdem die Ausnahme; die meisten Kastanien tragen den Befall über Jahrzehnte mit.

Für Menschen, Haustiere und andere Pflanzen ist die Motte ungefährlich. Sie geht nicht in Wohnungen, befällt keine Textilien und hat mit den Arten im Haushalt nichts zu tun; wer Falter in der Küche oder im Kleiderschrank findet, sucht eher bei Lebensmittelmotten oder der Kleidermotte. Anders als beim Eichenprozessionsspinner tragen die Raupen keine Brennhaare, das Laub kann bedenkenlos mit bloßen Händen zusammengerecht werden.

Vorbeugen

  • Bei Neupflanzungen rotblühende Kastanien oder ganz andere Baumarten wählen; die weißblühende Rosskastanie wird zuverlässig befallen
  • Bäume gut mit Wasser versorgen und den Wurzelbereich nicht verdichten, denn kräftige Bäume stecken den frühen Blattverlust besser weg
  • Meisenkästen aufhängen: Blau- und Kohlmeisen hacken Raupen und Puppen aus den Minen und nehmen einen Teil des Bestands weg

Bekämpfen

Die wirksamste Maßnahme im Hausgarten ist das gründliche Entfernen des Herbstlaubs, einschließlich der Blätter unter Hecken, in Beeten und in Ecken, in die der Wind sie geweht hat. Mit dem Laub verschwinden die überwinternden Puppen und damit ein großer Teil der ersten Generation des nächsten Frühjahrs. Das Laub gehört in die Biotonne oder auf einen professionellen Kompostplatz, wo die Rotte hohe Temperaturen erreicht. Auf dem eigenen Gartenkompost überleben die Puppen und schlüpfen im Frühjahr. Verbrennen ist in den meisten Kommunen nicht erlaubt.

Pheromonfallen fangen ausschließlich Männchen und sind vor allem ein Werkzeug zur Flugüberwachung, kein Bekämpfungsmittel; aus den Fangzahlen lässt sich der spätere Befall nur grob ableiten. Spritzungen scheitern an der Baumhöhe und daran, dass die Raupen geschützt im Blattinneren sitzen. Stamminjektionen setzen eine fachliche Prüfung und eine gültige Zulassung voraus und bleiben Fachbetrieben vorbehalten. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Bleibt der Nachbarbaum unbehandelt, fliegt der Befall im Frühjahr zurück. Sprechen Sie die Laubentsorgung in der Straße oder in der Kleingartenanlage gemeinsam ab. Eine abgestimmte Herbstaktion über mehrere Grundstücke bringt deutlich mehr als der sauberste Einzelgarten.

Wann zum Profi?

Ein Baumpflegebetrieb oder die zuständige Grünflächenverwaltung ist gefragt, wenn ein großer Baum an einer Straße oder auf einem öffentlichen Platz steht und das Laub nicht sicher zu erreichen ist, wenn zum Mottenbefall Rindenrisse, Schleimfluss oder Pilzkonsolen am Stamm hinzukommen oder wenn ein Baum nach mehreren Befallsjahren im Frühjahr nur noch spärlich austreibt. Dann geht es nicht mehr um die Motte allein, sondern um den Zustand und die Verkehrssicherheit des Baums. Für einen geschwächten Altbaum ist eine Baumkontrolle durch eine ausgebildete Fachkraft der richtige Schritt, nicht ein weiteres Spritzmittel. Steht die Kastanie auf öffentlichem Grund, ist die Kommune Ansprechpartner; eigenmächtige Schnitt- oder Fällmaßnahmen sind dort tabu.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Stirbt meine Kastanie an der Miniermotte?

In aller Regel nicht. Der Baum verliert Blattfläche und Zuwachs und wird geschwächt, treibt im Frühjahr aber wieder aus. Kritisch wird es erst, wenn Trockenstress, Wurzelschäden oder Pilzkrankheiten hinzukommen; dann sollte ein Baumpflegebetrieb den Zustand beurteilen.

Darf ich Kastanienlaub auf den eigenen Kompost geben?

Besser nicht. Im Laub überwintern die Puppen, und ein Gartenkompost erreicht selten die Temperaturen, die sie abtöten. Im Frühjahr schlüpfen die Falter dann aus dem eigenen Komposthaufen. Geben Sie das Laub in die Biotonne oder bringen Sie größere Mengen zu einem professionellen Kompostplatz.

Helfen Pheromonfallen gegen die Rosskastanien-Miniermotte?

Sie fangen nur Männchen und zeigen an, wann eine Generation fliegt. Als Bekämpfungsmaßnahme reichen sie nicht aus, weil die Weibchen weiterhin Eier ablegen. Für den Hausgarten bleibt das konsequente Entfernen des Herbstlaubs die deutlich wirksamere Maßnahme.

Warum ist die rotblühende Kastanie kaum betroffen?

Die Weibchen legen auch dort Eier ab, die Raupen können sich in den Blättern der Rotblühenden Rosskastanie aber nicht vollständig entwickeln und sterben meist früh. Wer neu pflanzt, fährt mit dieser Art oder mit einer ganz anderen Baumart deutlich ruhiger.