Buchsbaumzünsler
Ein Buchsbaum, der von innen heraus kahl wird, dazu feine Gespinste, grüne Kotkrümel und grüngelbe Raupen mit schwarzen Streifen: Das ist der Buchsbaumzünsler. Der aus Ostasien eingeschleppte Kleinschmetterling wurde Mitte der 2000er-Jahre erstmals in Südwestdeutschland gefunden und ist heute bundesweit verbreitet.
Buchsbaumzünsler erkennen
Der Falter hat eine Flügelspannweite von 40 bis 45 mm. Die Flügel sind seidig weiß mit einem breiten dunkelbraunen Saum; daneben gibt es eine seltenere, komplett braun gefärbte Form mit weißem Fleck auf dem Vorderflügel. Die Raupen werden bis zu 5 cm lang, sind gelbgrün, tragen schwarz-weiße Längsstreifen, schwarze Punkte, helle Borsten und eine glänzend schwarze Kopfkapsel.
- Lockere Gespinste zwischen Blättern und Zweigen, oft tief im Strauchinneren
- Grüne, kugelige Kotkrümel auf Blättern, Rindenmulch und Beeteinfassung
- Abgeschabte Blätter, die nur als hellgrünes Gerippe stehen bleiben, später kahle Zweige
- Falter sitzen tagsüber ruhig in benachbarten Hecken und Sträuchern, nicht am Buchs selbst
Wichtig: Die Raupen des Buchsbaumzünslers haben keine Brennhaare und sind beim Anfassen unbedenklich. Verwechseln Sie sie nicht mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners oder des Goldafters: Deren Härchen lösen Hautreizungen und Atembeschwerden aus, sie werden nicht berührt und nicht abgesammelt. Beide sitzen an Eichen und Laubgehölzen, nie an Buchsbaum.
Lebensweise
Der Buchsbaumzünsler überwintert als kleine Raupe im dritten oder vierten Stadium in einem festen Gespinst zwischen zwei zusammengesponnenen Blättern. Steigen die Temperaturen im Frühjahr längere Zeit über etwa 7 Grad, beginnt der Fraß – je nach Witterung ab Mitte März bis Anfang April. Die Raupen durchlaufen sechs Stadien und verpuppen sich in einem Gespinst im Strauch.
In Deutschland entwickeln sich in der Regel zwei Generationen pro Jahr, in warmen Jahren und in wintermilden Regionen kommt eine dritte, unvollständige dazu. Der erste Falterflug liegt meist im Mai und Juni, der zweite im Juli und August. Die Falter fliegen nachts, werden von Licht angezogen und leben nur rund acht Tage. In dieser Zeit legen die Weibchen ihre Eier in flachen Gelegen auf Blattunterseiten ab, bevorzugt im Inneren dichter Pflanzen. Die einzige Futterpflanze in Mitteleuropa ist Buchsbaum (Buxus); andere Gehölze werden nicht befallen. Diese enge Bindung an eine Gehölzgruppe teilt er mit der ebenfalls eingeschleppten Rosskastanien-Miniermotte.
Schäden und Risiken
Zuerst schaben die Raupen die Blätter von unten ab, dann fressen sie die Blätter vollständig und schließlich die grüne Rinde junger Triebe bis auf das Holz. Ein einmal entlaubter Buchs treibt aus dem alten Holz oft noch einmal aus; ist die Rinde rundum abgeschält, stirbt der Trieb ab. Zwei bis drei aufeinanderfolgende Befallsjahre ohne Gegenmaßnahme überstehen die wenigsten Pflanzen.
Für Menschen und Haustiere geht vom Buchsbaumzünsler keine Gefahr aus. Mehrere heimische Vogelarten haben die Raupen inzwischen als Nahrung entdeckt, die Zahl der gefressenen Tiere reicht aber nicht aus, um einen Befall zu bremsen. Abzugrenzen ist das Buchsbaum-Triebsterben, eine Pilzkrankheit: Dabei bilden sich braune Blattflecken und dunkle Streifen auf den Trieben, es fehlen jedoch Gespinste und Kot. Buchtiger Randfraß an den Blättern stammt dagegen vom Gefurchten Dickmaulrüssler.
Vorbeugen
- Ab Mitte März und erneut ab Mitte Juni das Strauchinnere kontrollieren, Zweige dabei auseinanderbiegen
- Pheromonfallen ab April aufstellen, um den Falterflug zu erfassen und den Behandlungstermin zu bestimmen – zur Bekämpfung taugen sie nicht
- Neu gekaufte Buchspflanzen und Ballenware vor dem Pflanzen durchsehen
- Schnittgut mit Gespinsten nicht offen liegen lassen, sondern verschlossen entsorgen
- Bei wiederholtem Befall auf Alternativen wie Japanische Stechpalme, Eibe, Liguster oder Berberitze umstellen
Bekämpfen
Bei einzelnen Pflanzen und Hecken bis Kniehöhe reicht oft Mechanik: Raupen und Gespinste absammeln, den Strauch mit einem kräftigen Wasserstrahl von innen nach außen ausspülen und die herunterfallenden Tiere auf einer untergelegten Folie auffangen. Ein starker Rückschnitt entfernt einen Großteil der Population mit; Buchsbaum treibt aus altem Holz wieder aus.
Biologisch wirkt Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki, ein Bakterienpräparat, das die Raupen nach dem Fraß absterben lässt. Es erfasst nur kleine Raupen, braucht Temperaturen über etwa 15 Grad und baut sich unter UV-Licht innerhalb weniger Tage ab. Behandelt wird daher zweimal: Ende April gegen die überwinterten Raupen und rund zwei Wochen nach Flugbeginn der ersten Generation, in der Praxis Anfang Juli. Daneben sind Präparate mit anderen Wirkstoffen für den Haus- und Kleingarten zugelassen. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet weniger das Mittel als die Benetzung. Die Raupen sitzen im Inneren des Strauchs, eine Behandlung nur von außen läuft ins Leere. Spritzen Sie von unten und von der Seite bis ins Herz der Pflanze, bei größeren Hecken mit hohem Druck und ausreichender Wassermenge.
Wann zum Profi?
Ein Fachbetrieb lohnt sich bei hohen oder breiten Hecken, bei Formschnittpflanzen und bei historischen Gartenanlagen, in denen der Bestand nicht ersetzbar ist. Dort kommt es auf die exakte Terminierung nach Pheromonfallen-Fang und auf eine Ausbringtechnik an, die den Wirkstoff bis ins Strauchinnere bringt – beides ist mit Haushaltsgeräten kaum zu leisten. Wer im gewerblichen Bereich, in öffentlichen Anlagen oder auf fremden Grundstücken spritzt, braucht einen Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Auch die Frage, ob sich eine Rettung überhaupt noch lohnt oder ein Umbau der Pflanzung sinnvoller ist, lässt sich vor Ort besser beurteilen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann ich einen kahl gefressenen Buchsbaum noch retten?
Häufig ja. Solange die Rinde der Triebe unverletzt ist, treibt Buchsbaum auch aus altem Holz wieder aus. Schneiden Sie die Pflanze zurück, entfernen Sie Gespinste und Kot, wässern Sie gut und düngen Sie maßvoll. Ist die grüne Rinde rundum abgeschabt, sterben die betroffenen Triebe ab.
Sind die Raupen giftig für Kinder oder Haustiere?
Nein. Der Buchsbaumzünsler hat keine Brennhaare, die Raupen können bedenkenlos abgesammelt werden. Verwechslungen mit dem Eichenprozessionsspinner sind der eigentliche Grund für die Verunsicherung, dieser sitzt aber ausschließlich an Eichen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung?
Etwa zwei Wochen nach Beginn des Falterflugs, wenn die Raupen noch klein sind. In der Praxis sind das meist Ende April und Anfang Juli. Präparate mit Bacillus thuringiensis brauchen zusätzlich Temperaturen über etwa 15 Grad und wirken nur wenige Tage, danach sind sie abgebaut.
Wohin mit befallenem Schnittgut?
Nicht offen auf den Kompost oder an den Gartenrand legen, weil Raupen und Puppen darin überleben und zurückwandern. Sammeln Sie das Material in geschlossenen Säcken und geben Sie es in die Restmüll- oder Grünabfallentsorgung nach den Vorgaben Ihrer Kommune.