Feldmaus
Ein Rasen mit fingerdicken Löchern, dazwischen ausgeschabte Rinnen im Gras, aber kein einziger Erdhaufen: So sieht die Handschrift der Feldmaus aus. Sie ist die häufigste Wühlmaus Mitteleuropas, und ihr Bestand schwankt in Zyklen. Auf zwei bis drei unauffällige Jahre kann ein Jahr mit Massenvermehrung folgen, in dem plötzlich die ganze Fläche unterhöhlt ist.
Feldmaus erkennen
Die Feldmaus ist eine kurzschwänzige Wühlmaus mit gedrungenem Körper. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 9 bis 12 cm, der Schwanz misst nur 3 bis 4,5 cm und damit etwa ein Drittel der Körperlänge. Das Fell ist graubraun bis gelbgrau, die Schnauze stumpf, die Augen sind klein. Die Ohren ragen sichtbar aus dem Fell, bleiben aber deutlich kürzer als bei den Langschwanzmäusen.
- Viele offene Löcher von etwa 2 bis 3 cm Durchmesser, unregelmäßig über die Fläche verteilt
- Oberirdische Laufgänge: schmale, ausgeschabte Rinnen, die die Löcher wie ein Wegenetz verbinden
- Keine Erdhaufen, denn die Feldmaus schiebt keinen Aushub an die Oberfläche
- Kurz abgebissene Grashalme und reiskorngroße Kotpellets in den Gängen
Wichtig: Liegen Erdhaufen auf der Fläche, ist die Feldmaus nicht die Ursache. Runde, lockere Haufen ohne seitliches Loch stammen vom Maulwurf, der nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist und weder gefangen noch getötet werden darf. Flache, seitlich ausgeschobene Haufen mit angenagten Wurzeln sprechen für die Gemeine Schermaus.
Lebensweise
Die Feldmaus besiedelt die offene Kulturlandschaft: Wiesen, Weiden, Feldraine, Böschungen und Brachen, dazu Rasenflächen, Staudenbeete und Streuobstwiesen im Siedlungsraum. Wald und dichtes Gebüsch meidet sie. Ihr Gangsystem verläuft nur 10 bis 20 cm unter der Oberfläche, die Nest- und Vorratskammern liegen etwas tiefer.
Einen Winterschlaf hält sie nicht. Unter einer geschlossenen Schneedecke bleibt sie aktiv und frisst dann bevorzugt Rinde; Schäden aus dieser Zeit fallen erst im Frühjahr auf. Die Vermehrung erklärt die Zyklen: Weibchen sind schon nach wenigen Wochen fortpflanzungsfähig und bringen von Frühjahr bis Herbst mehrere Würfe mit je vier bis acht Jungen zur Welt. In Gipfeljahren steigt die Dichte auf ein Vielfaches der üblichen Werte, danach bricht der Bestand meist ebenso schnell wieder zusammen.
Schäden und Risiken
Im Garten zeigt sich der Befall zuerst an der Grasnarbe: Sie löst sich in Streifen, tritt sich weich und reißt beim Mähen auf. Teurer wird der Winterfraß an Gehölzen. Feldmäuse nagen die Rinde am Wurzelhals und am unteren Stamm ringsum ab, meist in den untersten 10 bis 15 cm. Wird der Stamm vollständig geringelt, stirbt das Gehölz im Folgejahr ab. Betroffen sind vor allem junge Obstbäume, Rosen und frisch gepflanzte Sträucher.
Dazu kommen Fraßschäden an Erdbeeren, Gemüse, Zwiebeln und Knollen sowie an gelagertem Saat- und Vogelfutter in Schuppen und Ställen, in die die Tiere im Herbst einwandern. Wie alle Wildnager kann die Feldmaus Krankheitserreger tragen; das in Deutschland vorherrschende Hantavirus wird jedoch von der Rötelmaus übertragen, nicht von ihr.
Vorbeugen
- Rasen kurz halten und Mulchschichten, Reisighaufen sowie dichte Bodendecker rund um Gehölze zurücknehmen, denn Deckung ist der entscheidende Faktor
- Junge Obstbäume und Rosen mit engmaschigen Drahtmanschetten schützen, die etwa 30 cm hoch reichen und einige Zentimeter in den Boden gesetzt werden
- Empfindliche Zwiebeln, Stauden und Jungbäume in Pflanzkörbe aus verzinktem Draht setzen
- Sitzstangen für Greifvögel aufstellen; Turmfalke und Mäusebussard entnehmen im Offenland erhebliche Mengen
- Fallobst, Ernte- und Rasenschnittreste beseitigen, Vogelfutter nicht offen liegen lassen, Kompost geschlossen halten
Bekämpfen
Am zuverlässigsten wirken einfache Schlagfallen. Anders als bei der Schermaus setzt man sie nicht in den Gang, sondern unmittelbar vor die offenen Löcher oder quer über die oberirdischen Laufrinnen. Die Feldmaus verwühlt geöffnete Gänge nicht, ein lichtdichtes Abdecken ist also unnötig; ein Stück Apfel oder Möhre erhöht die Fangquote. Kontrollieren Sie täglich. Der beste Zeitpunkt ist der Spätwinter und das zeitige Frühjahr, bevor die Vermehrung einsetzt.
Chemisch kommen im Garten Köder mit dem Wirkstoff Zinkphosphid infrage, sofern das Produkt ausdrücklich für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen ist. Ausgebracht werden dürfen sie ausschließlich verdeckt: in die Baueingänge eingelegt oder in geeigneten Köderstationen. Freies Ausstreuen auf der Bodenoberfläche ist nicht zulässig, und ein Verstoß gegen die Anwendungsbestimmungen ist eine Ordnungswidrigkeit. Weitere Einschränkungen gelten in Schutzgebieten und in Gebieten mit Vorkommen geschützter Kleinsäuger; maßgeblich ist die Zulassung des konkreten Produkts. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Ultraschallgeräte und Vibrationsstäbe für den Rasen bringen nichts. Die Tiere gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran, und im weit verzweigten Gangsystem weichen sie ohnehin einfach aus. Stecken Sie die Zeit lieber in konsequente Fallenkontrolle und in den Rückschnitt der Deckung.
Wann zum Profi?
Bei einzelnen Löchern im Rasen kommen Sie mit Fallen und Kulturmaßnahmen selbst zurecht. Fachliche Hilfe lohnt sich, wenn während einer Massenvermehrung ganze Flächen unterhöhlt sind, wenn eine Obstanlage oder eine frische Anpflanzung betroffen ist oder wenn Sie sich bei der Bestimmung nicht sicher sind. Wer geschützte Arten wie den Maulwurf im Beet vermutet, klärt das vor jeder Maßnahme mit der Unteren Naturschutzbehörde. Zieht der Befall in Ställe, Futterlager oder Vorratsräume, ist ein Fachbetrieb die schnellere Lösung, denn dort gelten für Köder strengere Regeln und die Abgrenzung zu Hausmaus und anderen Mäusen entscheidet über das Vorgehen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Feldmaus, Schermaus oder Maulwurf – wie unterscheide ich das?
Entscheidend sind die Erdhaufen. Die Feldmaus wirft keinen Aushub aus, sie hinterlässt viele offene Löcher und schmale oberirdische Laufgänge im Gras. Runde, lockere Haufen ohne sichtbares Loch stammen vom Maulwurf, flache, seitlich ausgeschobene Haufen von der Gemeinen Schermaus, die deutlich größer ist und überwiegend unterirdisch gräbt.
Warum sind auf einmal so viele Feldmäuse da?
Der Bestand der Feldmaus schwankt in Zyklen von etwa zwei bis vier Jahren. Weibchen sind sehr früh fortpflanzungsfähig und bringen mehrere Würfe pro Jahr zur Welt, sodass die Dichte in Gipfeljahren auf ein Vielfaches der üblichen Werte steigen kann. Nach einem solchen Gipfel bricht der Bestand meist von selbst wieder zusammen.
Darf ich Feldmäuse im Garten bekämpfen?
Ja, die Feldmaus ist in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung ausdrücklich von den besonders geschützten Säugetieren ausgenommen. Es braucht aber weiterhin einen vernünftigen Grund im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes, und das Tierschutzrecht gilt: Schlagfallen müssen sofort töten und täglich kontrolliert werden. Zinkphosphidköder dürfen ausschließlich verdeckt in Gänge oder Köderstationen eingebracht werden.
Was schützt junge Obstbäume vor dem Rindenfraß im Winter?
Am wirksamsten ist eine engmaschige Drahtmanschette, die rund 30 cm hoch reicht und einige Zentimeter in den Boden gesetzt wird. Halten Sie den Stammfuß zusätzlich frei von Mulch, Gras und Laub, denn dort sitzt die Deckung, unter der die Tiere ungestört nagen. Kontrollieren Sie die Manschetten nach starkem Schneefall, weil die Mäuse sonst darüber hinweg an die Rinde kommen.