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Pflanzenschädling

Wollläuse (Schmierläuse)

Weiße Wattebäusche in den Blattachseln von Orchidee, Ficus oder Kaktus sind fast immer Wollläuse. Unter dem Wachs sitzen weiche, saugende Insekten, die der Pflanze Saft entziehen und klebrigen Honigtau ausscheiden. Der Befall baut sich langsam auf, wird meist spät entdeckt und verschwindet nur mit Geduld und mehreren Behandlungen.

Wollläuse erkennen

Die Weibchen werden je nach Art 1 bis 6 mm lang, sind oval, weich und rosa bis hellbraun gefärbt. Sichtbar ist meist nur der weiße Wachsüberzug, der wie Watte oder feines Mehl aussieht. Am Körperrand sitzen kurze Wachsfortsätze; bei der Langschwänzigen Schmierlaus (Pseudococcus longispinus) sind zwei hintere Fäden länger als der Körper. Die häufigste Art in Wohnungen und Gewächshäusern ist die Zitrusschmierlaus (Planococcus citri).

  • Weiße Polster in Blattachseln, an Blattstielen, Blattunterseiten und Triebspitzen
  • Klebriger Honigtau auf Blättern, Fensterbank und Möbeln, darauf später ein schwarzer Rußtaubelag
  • Gelbe Blätter, verkrüppelte Neutriebe, abfallende Knospen, insgesamt kümmernder Wuchs
  • Weiße Watte am Wurzelballen oder an der Topfinnenwand deutet auf Wurzelläuse hin

Wichtig: Nicht jedes weiße Tier an der Pflanze ist eine Wolllaus. Fliegen beim Berühren winzige weiße Insekten auf, handelt es sich um die Gewächshausmottenschildlaus. Feine Gespinste mit hellen Sprenkeln auf den Blättern sprechen für Spinnmilben, kleine dunkle Mücken über der Erde für Trauermücken. Jede dieser Gruppen braucht eine andere Behandlung.

Lebensweise

Wollläuse gehören zur Überfamilie der Schildläuse, bleiben aber anders als diese zeitlebens beweglich. Ein Weibchen legt seine Eier in ein Wachsnest am Hinterleib, je nach Art mehrere hundert Stück. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die winzigen, noch fast wachsfreien Larven. Diese sogenannten Crawler verteilen sich über die Pflanze und werden mit Luftzug, Gießkanne oder an der Kleidung verschleppt; sie tragen den Befall am weitesten. Anders als bei den echten Schildläusen bleiben aber auch die älteren Tiere und die Weibchen gehfähig und wechseln den Platz.

Bei Zimmertemperatur dauert eine Generation rund sechs bis zehn Wochen, und das ganze Jahr über – in der Wohnung gibt es keine Winterpause. Die erwachsenen Männchen sind zarte, geflügelte Tiere, die keine Nahrung aufnehmen und nur wenige Tage leben; man bekommt sie kaum zu Gesicht. Im Gewächshaus und im Freien werden die Kolonien von Ameisen regelrecht bewacht, weil diese den Honigtau abernten.

Schäden und Risiken

Wollläuse stechen das Leitgewebe an und entziehen der Pflanze Nährstoffe. Bei starkem Befall vergilben Blätter, Triebe bleiben kurz, Knospen und Blüten fallen ab. Der Speichel mancher Arten löst zusätzlich Wuchsstörungen aus, einige Arten übertragen Pflanzenviren – das spielt vor allem im Erwerbsgartenbau eine Rolle.

Der ausgeschiedene Honigtau ist das zweite Problem: Er verklebt die Blattoberfläche, dient Rußtaupilzen als Nährboden und behindert damit die Fotosynthese zusätzlich. Für Menschen und Haustiere sind Wollläuse harmlos, sie stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Besonders anfällig sind Orchideen, Kakteen und Sukkulenten, Ficus, Zitruspflanzen, Hoya und Palmen. An Kakteen sitzen die Tiere oft tief zwischen den Rippen und bleiben lange unentdeckt.

Vorbeugen

  • Neu gekaufte Pflanzen gründlich ansehen, auch Blattachseln und Blattunterseiten, und zwei bis drei Wochen getrennt stellen
  • Nicht überdüngen: viel Stickstoff macht das Gewebe weich und den Befall stärker
  • Trockene Heizungsluft vermeiden, Blätter regelmäßig abbrausen oder feucht abwischen
  • Pflanzen nicht Blatt an Blatt stellen, damit die Larven nicht direkt hinüberwandern
  • Empfindliche Arten im Winterhalbjahr alle zwei Wochen kontrollieren, notfalls mit Lupe

Bekämpfen

Stellen Sie die befallene Pflanze zuerst weg von den übrigen. Danach beginnt die Behandlung mechanisch: Einzelne Nester tupfen Sie mit einem in Spiritus getauchten Wattestäbchen ab, dabei löst sich der Wachsschutz auf. Stark besetzte Triebe schneiden Sie heraus und entsorgen sie im Restmüll, nicht auf dem Kompost. Anschließend die ganze Pflanze abduschen und dabei Blattachseln und Blattunterseiten nicht auslassen.

Als Spritzmittel wirken für den Haus- und Kleingarten zugelassene Präparate auf Raps- oder Neemölbasis sowie Mittel mit Kaliseife. Sie benetzen den Wachspanzer und ersticken die Tiere, müssen die Läuse also direkt treffen. Entscheidend ist die Wiederholung im Abstand von sieben bis zehn Tagen über mindestens drei bis vier Durchgänge, weil aus den geschützten Gelegen ständig neue Larven nachschlüpfen. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Im Wintergarten und Gewächshaus ist der Australische Marienkäfer (Cryptolaemus montrouzieri) ein zuverlässiger Gegenspieler; seine Larven tragen selbst weiße Wachsfäden und sehen ihrer Beute verblüffend ähnlich. Bei Wurzelläusen hilft nur Umtopfen: Ballen wässern, alte Erde vollständig entfernen, Wurzeln abspülen und in frisches Substrat in einen gereinigten Topf setzen.

Tipp: Die bekannte Mischung aus Schmierseife und Spiritus wirkt, ist aber nicht für jede Pflanze verträglich. Testen Sie sie erst an einem einzelnen Blatt und warten Sie zwei Tage ab. Kakteen, Sukkulenten und behaarte Blätter reagieren häufig mit Flecken.

Wann zum Profi?

Bei einzelnen Zimmerpflanzen brauchen Sie keinen Schädlingsbekämpfer, die Behandlung übernehmen Sie selbst. Fachliche Hilfe lohnt sich, wenn eine größere Sammlung, ein Wintergarten oder ein Gewächshausbestand betroffen ist, wenn wertvolle Kübelpflanzen jedes Jahr aufs Neue befallen werden oder wenn unklar bleibt, welche Art überhaupt vorliegt. Die Pflanzenschutzdienste der Länder und Fachgärtnereien bestimmen die Art und beraten zu zugelassenen Mitteln und zum Einsatz von Nützlingen. Stellen Sie den Befall an einer frisch gekauften Pflanze fest, sprechen Sie außerdem den Verkäufer an – Wollläuse werden fast immer eingeschleppt.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Woher kommen Wollläuse plötzlich an meiner Zimmerpflanze?

Fast immer werden sie eingeschleppt, meist mit einer neu gekauften Pflanze, einem Ableger oder einem Blumenstrauß. Auch Pflanzen, die den Sommer über draußen standen, bringen die Läuse mit ins Haus. Weil der Befall klein beginnt und in Blattachseln verborgen bleibt, fällt er oft erst nach Wochen auf.

Sind Wollläuse für Menschen oder Haustiere gefährlich?

Nein. Wollläuse stechen und beißen nicht und übertragen keine Krankheiten auf Menschen oder Tiere. Lästig ist nur der klebrige Honigtau, der auf Fensterbank, Boden und Möbeln landet.

Wie lange dauert es, bis die Wollläuse weg sind?

Rechnen Sie mit sechs bis acht Wochen. Aus den wachsgeschützten Gelegen schlüpfen ständig neue Larven, deshalb sind drei bis vier Behandlungen im Abstand von sieben bis zehn Tagen nötig. Kontrollieren Sie die Pflanze danach noch einen Monat lang wöchentlich, bevor Sie sie zurück zu den anderen stellen.

Hilft Umtopfen gegen Wollläuse?

Bei Läusen an Blättern und Trieben bringt es nichts, dort muss die Pflanze selbst behandelt werden. Sitzen die weißen Nester dagegen am Wurzelballen oder an der Topfinnenwand, handelt es sich um Wurzelläuse. Dann ist Umtopfen mit vollständigem Entfernen der alten Erde, Abspülen der Wurzeln und einem gereinigten Topf der einzige zuverlässige Weg.