Gewächshausmottenschildlaus (Weiße Fliege)
Wer eine befallene Pflanze anstößt, sieht es sofort: Eine kleine weiße Wolke stiebt auf und setzt sich Sekunden später wieder unter die Blätter. Der geläufige Name Weiße Fliege führt allerdings in die Irre. Das Tier ist keine Fliege, sondern eine Mottenschildlaus – ein saugendes Insekt, das mit Blattläusen näher verwandt ist als mit der Stubenfliege.
Gewächshausmottenschildlaus erkennen
Die Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum) misst am Körper rund 1,5 mm; mit den Flügeln wirkt sie zwei bis drei Millimeter groß. Der Körper ist blassgelb, Flügel und Rücken sind mit einem mehligen weißen Wachsstaub überzogen. In Ruhe liegen die Flügel flach und fast waagerecht dachförmig über dem Hinterleib. Die Tiere sitzen ausschließlich auf den Blattunterseiten und fliegen bei Erschütterung kurz auf. Anders als Trauermücken, die aus dem Topf aufsteigen, kommen sie immer von der Pflanze selbst.
- Weiße, kreisförmig angeordnete Eigelege und feiner Wachsstaub auf der Blattunterseite
- Flache, glasig-grünliche Schüppchen von etwa 0,8 mm – das sind die festsitzenden Larven
- Klebrig glänzende Blätter unterhalb des Befalls, später schwarze Beläge darauf
- Gelbtafeln in Pflanzenhöhe zeigen den Befall früher als das bloße Auge
Wichtig: Sehr ähnlich sieht die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) aus. Sie ist etwas kleiner, gelblicher und hält die Flügel steiler dachförmig, sodass der Hinterleib sichtbar bleibt. Für sie gelten in der EU besondere pflanzengesundheitliche Regelungen; betroffen sind vor allem Gartenbaubetriebe. Wer sie in einer Kultur vermutet, die verkauft wird, sollte den Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes einschalten.
Lebensweise
Die Art stammt aus dem tropischen Amerika und kam im 19. Jahrhundert nach Europa. Freilandwinter übersteht sie in Mitteleuropa nur unter günstigen Bedingungen; ihr eigentliches Refugium sind beheizte Gewächshäuser, Wintergärten und Wohnungen. Nachgewiesen ist sie an Pflanzen aus zahlreichen Familien – von Tomate, Gurke und Paprika über Fuchsie und Pelargonie bis zu Weihnachtsstern und Gerbera.
Ein Weibchen legt bei Wärme täglich mehrere Eier an die Blattunterseite. Nur das erste Larvenstadium läuft umher, danach setzt sich das Tier fest und saugt bis zur Verpuppung an derselben Stelle. Die gesamte Entwicklung dauert bei 16 Grad etwa zwei Monate, bei 24 Grad weniger als einen. Weil sich alle Stadien gleichzeitig auf der Pflanze befinden, überlappen sich die Generationen – ein Grund, warum einmalige Maßnahmen fast immer scheitern.
Schäden und Risiken
Für Menschen und Haustiere ist die Gewächshausmottenschildlaus ungefährlich. Sie sticht nicht, überträgt keine Krankheiten auf den Menschen und geht nicht an Vorräte. Der Saugschaden selbst hält sich bei geringem Befall in Grenzen: Die Blätter vergilben fleckig und bleiben im Wachstum zurück.
Das eigentliche Problem ist der Honigtau. Wie Wollläuse und Schildläuse scheiden die Tiere überschüssigen Zuckersaft aus, der auf die darunterliegenden Blätter, auf Früchte und auf Fensterbretter tropft. Auf diesem Belag siedeln sich Rußtaupilze an; die Blätter überziehen sich schwarz und können kaum noch Licht verwerten. Bei Tomaten und Gurken macht der schwarze Belag die Früchte unansehnlich. Im Erwerbsgartenbau kommt hinzu, dass die Art bestimmte Pflanzenviren überträgt – im Wohnzimmer spielt das praktisch keine Rolle.
Vorbeugen
- Neue Pflanzen von unten kontrollieren und zwei bis drei Wochen getrennt halten
- Ab Frühjahr dauerhaft Gelbtafeln im Gewächshaus und an gefährdeten Zimmerpflanzen aufhängen
- Nicht zu stickstoffbetont düngen; weiches Gewebe fördert die Vermehrung
- Gewächshaus im Winter ausräumen, Unkraut und alte Pflanzenreste entfernen
- Kübelpflanzen vor dem Einwintern kontrollieren, nicht erst im geheizten Quartier
Bekämpfen
Erwachsene Tiere lassen sich morgens, wenn sie noch träge sind, mit einem Handstaubsauger von der Pflanze absaugen. Das senkt die Zahl der eierlegenden Weibchen sofort. Stark besetzte untere Blätter schneiden Sie ab und entsorgen sie im Restmüll.
Der wirksamste Hebel im Gewächshaus und Wintergarten sind Nützlinge. Die Schlupfwespe Encarsia formosa legt ihre Eier in die Larven, die sich daraufhin schwarz verfärben; sie arbeitet zuverlässig ab etwa 18 bis 20 Grad und bei ausreichend Licht. Je nach Bedingungen kommen ergänzend Arten der Gattung Eretmocerus oder die Raubwanze Macrolophus pygmaeus zum Einsatz. Nützlinge und Spritzmittel vertragen sich nicht: Entscheiden Sie sich für einen Weg. Liegt zusätzlich ein Befall mit Spinnmilben oder Thripsen vor, lassen sich die passenden Nützlinge kombiniert ausbringen.
Chemisch stehen im Haus- und Kleingarten Präparate auf Basis von Rapsöl oder Kaliseife zur Verfügung. Sie wirken über Kontakt und müssen die Blattunterseiten treffen; die festsitzenden Puppenstadien sind kaum empfindlich, weshalb Sie im Abstand von etwa fünf bis sieben Tagen mehrfach über drei bis vier Wochen behandeln müssen. Zulässig sind nur Mittel, die ausdrücklich für nicht-berufliche Anwender zugelassen sind und deren Gebrauchsanleitung die betroffene Pflanze nennt. Selbst angerührte Spülmittellösungen sind nach dem Pflanzenschutzgesetz nicht erlaubt.
Tipp: Gelbtafeln fangen nur die fliegenden Weibchen. Eier, Larven und Puppen bleiben unberührt, und der Befall läuft darunter weiter. Nutzen Sie die Tafeln als Frühwarnsystem und zur Erfolgskontrolle, nicht als alleinige Maßnahme.
Wann zum Profi?
An einzelnen Zimmerpflanzen ist die Sache Handarbeit und braucht keinen Fachbetrieb. Rat einholen sollten Sie, wenn ein Gewächshaus oder eine größere Kübelpflanzensammlung betroffen ist, wenn der Befall trotz mehrerer Behandlungszyklen nicht zurückgeht oder wenn Sie zwischen Gewächshaus- und Tabakmottenschildlaus nicht sicher unterscheiden können. Nützlingsanbieter und Gartenbaubetriebe bestimmen die Art und legen Menge und Zeitpunkt der Ausbringung fest. Für Bestände, die in den Handel gehen, berät der amtliche Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes kostenfrei.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist die Weiße Fliege wirklich eine Fliege?
Nein. Trotz des Namens handelt es sich um eine Mottenschildlaus aus der Verwandtschaft der Blattläuse. Sie hat einen stechend-saugenden Rüssel und ernährt sich ausschließlich von Pflanzensaft. Mit Stuben- oder Fruchtfliegen hat sie nichts zu tun.
Warum kommt der Befall nach der Behandlung immer wieder?
Auf der Pflanze sitzen gleichzeitig Eier, mehrere Larvenstadien und Puppen. Kontaktmittel erreichen nur die beweglichen Tiere, die festsitzenden Stadien überleben. Deshalb müssen Sie über drei bis vier Wochen mehrfach im Abstand von fünf bis sieben Tagen behandeln.
Reichen Gelbtafeln zur Bekämpfung aus?
Nein. Gelbtafeln fangen nur die fliegenden erwachsenen Tiere und senken die Zahl der Eier ablegenden Weibchen etwas. Larven und Puppen an den Blattunterseiten bleiben unberührt. Als Frühwarnung und Erfolgskontrolle sind die Tafeln dagegen sehr nützlich.
Kann die Weiße Fliege im Garten überwintern?
In Mitteleuropa gelingt ihr das im Freiland nur unter günstigen Bedingungen. Sie überdauert vor allem in beheizten Gewächshäusern, Wintergärten und Wohnungen. Deshalb sollten Sie Kübelpflanzen vor dem Einräumen gründlich kontrollieren.