Schildläuse
An den Blattunterseiten eines Zitronenbäumchens sitzen kleine braune Höcker, die sich nicht abwischen lassen. Darunter wird alles klebrig, später schwarz. Viele halten die Gebilde für Rindenreste oder für eine Pflanzenkrankheit. Tatsächlich sind es Insekten: Schildläuse saugen unter einem festen Schutzschild Pflanzensaft und bleiben deshalb lange unentdeckt.
Schildläuse erkennen
Schildläuse (Coccoidea) sind eine artenreiche Überfamilie der Pflanzenläuse; weltweit sind mehrere tausend Arten beschrieben, und auch in Mitteleuropa kommen zahlreiche davon vor. Die erwachsenen Weibchen sind flügellos, ortsfest und liegen unter einem Schild aus Wachs und Häutungsresten. Je nach Art sind sie etwa 1 bis 6 mm groß. Zwei Familien machen an Zimmer- und Kübelpflanzen fast den gesamten Befall aus.
- Deckelschildläuse: flache, 1 bis 3 mm große Schildchen in Grau, Braun oder Weiß, oft komma- oder tropfenförmig. Der Schild lässt sich mit dem Fingernagel abheben, das Tier bleibt auf der Pflanze zurück.
- Napfschildläuse: bis 6 mm groß, halbkugelig gewölbt, hell- bis dunkelbraun und oft glänzend. Sie scheiden reichlich Honigtau aus, unter der Pflanze klebt der Boden.
- Typische Sitzplätze: Blattunterseiten entlang der Mittelrippe, Blattachseln, Triebspitzen, verholzte Stängel, bei Zitrus auch die Fruchtstiele.
Wichtig: Weiße, watteartige Polster in Blattachseln stammen nicht von Schildläusen im engeren Sinn, sondern von Wollläusen. Winzige weiße Tiere, die beim Berühren der Pflanze auffliegen, sind die Gewächshausmottenschildlaus. Beide brauchen andere Mittel und andere Behandlungsabstände.
Lebensweise
Unter dem Schild legt das Weibchen große Mengen Eier ab. Daraus schlüpfen bewegliche Larven, die sogenannten Wanderlarven. Sie sind das einzige Stadium, das den Platz wechseln kann, und laufen wenige Stunden bis Tage umher, bevor sie den Stechrüssel ins Leitgewebe senken. Danach bilden sie ihren Wachsschild aus, verlieren die Beweglichkeit und bleiben lebenslang an derselben Stelle.
Die Männchen sehen völlig anders aus: Sie sind zart, geflügelt, besitzen keine funktionsfähigen Mundwerkzeuge und leben nur wenige Tage. Bei etlichen Arten fehlen sie ganz, die Vermehrung läuft dann über Jungfernzeugung. In beheizten Wohnräumen und Wintergärten folgen mehrere Generationen ohne Winterpause aufeinander, im Freiland sind es meist ein bis zwei im Jahr.
Napfschildläuse geben überschüssigen Zucker als Honigtau ab. Auf dem klebrigen Belag siedeln sich Rußtaupilze an, die Blätter schwarz überziehen. Ameisen nutzen den Honigtau und verteidigen die Kolonien gegen ihre Gegenspieler – eine Ameisenstraße am Stamm einer Kübelpflanze ist oft der erste Hinweis auf Befall.
Schäden und Risiken
Schildläuse entziehen der Pflanze Assimilate und geben beim Saugen Speichel ab. Bei geringem Besatz merkt man wenig davon. Wächst die Kolonie, folgen gelbliche Sprenkel auf den Blättern, verkrüppelte Triebe, vorzeitiger Blattfall und deutlich gebremstes Wachstum. Zitrus, Oleander, Gummibaum, Efeu, Orchideen, Palmen und Kakteen gehören zu den am häufigsten betroffenen Zimmer- und Kübelpflanzen.
Im Freiland trifft es Obst- und Ziergehölze. Die Kommaschildlaus überzieht die Rinde von Apfel und Zierapfel mit kommaförmigen Schildchen; die aus Ostasien eingeschleppte San-José-Schildlaus gilt in Obstbauregionen als ernst zu nehmender Schädling und wird im Erwerbsobstbau überwacht. Für Menschen und Haustiere sind Schildläuse ungefährlich: Sie stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und gehen nicht an Vorräte.
Vorbeugen
- Neu gekaufte Pflanzen zwei bis drei Wochen getrennt aufstellen und die Blattunterseiten wöchentlich kontrollieren
- Nicht überdüngen – stickstoffreich getriebene, weiche Triebe werden bevorzugt besiedelt
- Trockene Heizungsluft vermeiden, Pflanzen im Winter kühler und hell stellen
- Blätter regelmäßig abbrausen oder abwischen, das entfernt umherlaufende Wanderlarven
- Kübelpflanzen vor dem Einräumen ins Winterquartier gründlich absuchen
Bekämpfen
Bei wenigen Tieren reicht Mechanik: Schilde mit dem Fingernagel, einer weichen Zahnbürste oder einem in Spiritus getauchten Wattestäbchen abstreifen, stark besetzte Triebe herausschneiden, anschließend die Pflanze abduschen. Kontrollieren Sie danach wöchentlich, denn übersehene Wanderlarven bauen den Befall in kurzer Zeit wieder auf.
Bei stärkerem Befall wirken Präparate auf Öl- oder Kaliseifenbasis. Sie legen sich als Film über die Tiere und ersticken sie; entscheidend ist die vollständige Benetzung auch der Blattunterseiten. Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für den Haus- und Kleingartenbereich und für die jeweilige Kultur zugelassen sind, und halten Sie Dosierung und Wartezeit ein. Bei Obst und Kräutern, die geerntet werden, sind Düngestäbchen mit systemischem Insektizid nicht zulässig. In Wintergarten und Gewächshaus lassen sich Nützlinge einsetzen, etwa die Schlupfwespe Metaphycus helvolus.
Tipp: Eine einzelne Behandlung reicht nie aus. Der Wachsschild schützt Eier und ältere Stadien zuverlässig, empfindlich sind nur die frisch geschlüpften Wanderlarven. Wiederholen Sie die Anwendung deshalb drei- bis viermal im Abstand von sieben bis zehn Tagen.
Wann zum Profi?
Für Zimmerpflanzen ist ein Schädlingsbekämpfer der falsche Ansprechpartner. Hier helfen Gartenfachberatung, der Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes oder eine gute Gärtnerei weiter. Fachliche Unterstützung lohnt, wenn wertvolle Kübelpflanzen oder ganze Wintergartenbestände betroffen sind, wenn der Befall nach drei Behandlungszyklen unverändert weiterläuft oder wenn zusätzlich Spinnmilben und Thripse auftreten – ein Mischbefall braucht eine aufeinander abgestimmte Nützlingsstrategie.
Bei Obstgehölzen im Garten ist der Anruf beim örtlichen Pflanzenschutzdienst sinnvoll, sobald ganze Äste flächig mit Schildchen überzogen sind. Dort erfahren Sie, welche Art vorliegt und ob eine Behandlung im blattlosen Zustand sinnvoll ist.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich, ob die braunen Punkte auf meiner Pflanze Schildläuse sind?
Schildläuse sitzen fest und lassen sich nicht abwischen, sondern nur mit dem Fingernagel abheben. Unter dem Schild finden Sie ein weiches, meist gelbliches Tier oder Eier. Ein weiteres Indiz sind klebrige Blätter und ein klebriger Boden unter der Pflanze.
Was ist der Unterschied zwischen Schildläusen und Wollläusen?
Beide gehören zur selben Verwandtschaft, sehen aber verschieden aus. Schildläuse tragen einen harten, glatten Deckel oder Napf und sitzen völlig unbeweglich. Wollläuse sind von weißen, watteartigen Wachsfäden umgeben und können sich in Grenzen bewegen. Die Behandlung unterscheidet sich in den Intervallen.
Wie werde ich Schildläuse an Zimmerpflanzen dauerhaft los?
Erst die sichtbaren Schilde mechanisch abstreifen und stark befallene Triebe herausschneiden, dann mit einem für den Haus- und Kleingarten zugelassenen Öl- oder Kaliseifenpräparat behandeln. Wiederholen Sie das drei- bis viermal im Abstand von sieben bis zehn Tagen, weil nur die frisch geschlüpften Wanderlarven empfindlich sind.
Sind Schildläuse für Menschen oder Haustiere gefährlich?
Nein. Schildläuse saugen ausschließlich Pflanzensaft, sie stechen weder Menschen noch Tiere und übertragen keine Krankheiten. An Lebensmittel gehen sie ebenfalls nicht. Lästig ist nur der klebrige Honigtau auf Möbeln und Böden.