Thripse
Erst wirken die Blätter nur etwas stumpf, dann zeigt sich bei schrägem Licht eine silbrig glänzende Sprenkelung, zwischen der winzige schwarze Pünktchen sitzen. Das ist das typische Bild eines Thripsbefalls. Die Verursacher sind ein bis zwei Millimeter lange, schmale Insekten, die man leicht für Fusseln oder Erdkrümel hält.
Thripse erkennen
Thripse oder Fransenflügler (Thysanoptera) sind eine eigene Insektenordnung mit weltweit tausenden Arten. An Zimmerpflanzen und im Gewächshaus fällt der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) am stärksten ins Gewicht; daneben treten der Amerikanische Blattthrips (Echinothrips americanus), der Palmenthrips (Parthenothrips dracaenae) und der Zwiebelthrips (Thrips tabaci) auf. Erwachsene Tiere sind schmal und gelblich, braun oder schwarz, ihre schmalen Flügel tragen einen dichten Haarsaum. Die Larven sind hellgelb, flügellos und noch kleiner.
- Silbrige bis bronzefarbene Sprenkelung, oft entlang der Blattadern beginnend
- Schwarze, glänzende Kottröpfchen auf Blattober- und -unterseite
- Verkrüppelte Triebspitzen, verfärbte oder nicht öffnende Blüten
- Klopfprobe: Blatt über weißes Papier ausschütteln, die Tiere kriechen sofort los
Wichtig: Silbrige Flecken allein sind kein sicheres Zeichen. Finden Sie zusätzlich feine Gespinste, handelt es sich um Spinnmilben; klebt das Blatt, stecken meist Wollläuse oder Schildläuse dahinter. Die schwarzen Pünktchen bei Thripsen sind Kot und lassen sich abwischen, sie sitzen nicht im Gewebe.
Lebensweise
Die Weibchen legen ihre Eier mit einem sägeartigen Legebohrer direkt in das Blattgewebe – dort sind sie durch kein Spritzmittel erreichbar. Aus den Eiern schlüpfen zwei saugende Larvenstadien. Danach folgen Vorpuppe und Puppe, die nicht mehr fressen und sich bei den meisten Arten in die obersten Zentimeter des Substrats oder in Bodenritzen zurückziehen. Erst daraus schlüpft das flugfähige Vollinsekt.
Das Tempo hängt an der Temperatur: Bei 15 Grad dauert ein Zyklus rund vierzig Tage, bei 20 Grad etwa halb so lange. In geheizten Räumen läuft die Vermehrung ganzjährig durch. Viele Arten vermehren sich zudem aus unbefruchteten Eiern, aus denen Männchen hervorgehen – schon wenige eingeschleppte Tiere genügen für einen Befall. Der Kalifornische Blütenthrips stammt aus Nordamerika und hat sich seit den 1980er-Jahren über den Zierpflanzenhandel in europäischen Gewächshäusern etabliert.
Schäden und Risiken
Thripse stechen einzelne Zellen an und saugen sie leer. In die entleerten Zellen tritt Luft, und genau diese Lufteinschlüsse erzeugen den silbrigen Glanz. Betroffene Blätter verlieren dauerhaft Assimilationsfläche, wachsen verformt weiter oder fallen ab. Blüten bleiben fleckig, verfärben sich braun oder öffnen sich gar nicht – bei Orchideen, Alpenveilchen und Gerbera ist das der teuerste Teil des Schadens.
Der Kalifornische Blütenthrips überträgt außerdem Pflanzenviren, unter anderem das Tomatenbronzefleckenvirus. Aufnehmen können den Erreger nur die Larven; weitergegeben wird er überwiegend von den erwachsenen Tieren. Praktisch relevant ist das vor allem im Gartenbau. Für Menschen sind Thripse ungefährlich: Bei Massenauftreten im Sommer, etwa aus abgeernteten Getreidefeldern, setzen sie sich auf die Haut und probieren zu stechen, was kurz jucken kann. Krankheiten übertragen sie dabei nicht.
Vorbeugen
- Neue Pflanzen drei Wochen getrennt aufstellen und wöchentlich mit der Klopfprobe kontrollieren
- Blautafeln dauerhaft zwischen den Pflanzen aufhängen – Thripse reagieren stärker auf Blau als auf Gelb
- Luftfeuchte anheben und Pflanzen regelmäßig abbrausen; trockene Heizungsluft begünstigt den Befall
- Verblühtes und abgefallenes Laub konsequent entfernen, es dient als Rückzugsraum
- Nicht überdüngen und Pflanzen nicht zu eng stellen
Bekämpfen
Wichtig ist, beide Lebensräume gleichzeitig anzugehen: Blatt und Substrat. Auf dem Blatt fressen Raubmilben wie Amblyseius cucumeris oder Amblyseius swirskii die jungen Larven. Im Substrat arbeiten Bodenraubmilben der Gattung Stratiolaelaps gegen die Puppenstadien; ergänzend lassen sich Nematoden (Steinernema feltiae) mit dem Gießwasser ausbringen. Diese Kombination ist an Zimmerpflanzen deutlich erfolgreicher als jede Einzelmaßnahme.
Mechanisch hilft kräftiges Abbrausen der Blattunterseiten, das einen Teil der Larven entfernt. Das Austauschen der obersten Substratschicht senkt zusätzlich die Zahl der Puppen. Bei den Präparaten stehen im Haus- und Kleingarten Mittel auf Basis von Rapsöl oder Kaliseife zur Verfügung. Sie wirken nur über direkten Kontakt und müssen im Abstand von fünf bis sieben Tagen über mindestens drei bis vier Wochen wiederholt werden, weil ständig neue Tiere aus Eiern und Puppen nachrücken. Erlaubt ist ausschließlich, was für nicht-berufliche Anwender zugelassen ist und laut Gebrauchsanleitung für die jeweilige Kultur gilt.
Tipp: Setzen Sie Nützlinge und Spritzmittel nicht gleichzeitig ein – Öl- und Seifenpräparate erwischen auch die Raubmilben. Entscheiden Sie sich für einen Weg und bleiben Sie mindestens einen vollständigen Entwicklungszyklus dabei.
Wann zum Profi?
Einzelne Zimmerpflanzen bekommen Sie mit Nützlingen und Geduld selbst in den Griff. Fachlichen Rat sollten Sie holen, wenn ein Gewächshaus oder eine größere Sammlung befallen ist, wenn der Befall nach mehreren Zyklen wiederkehrt oder wenn Sie unsicher sind, ob überhaupt Thripse die Ursache sind – die Verwechslung mit Spinnmilben und Trauermücken ist häufig. Der Kalifornische Blütenthrips gilt zudem als wenig empfindlich gegenüber vielen Wirkstoffen, weshalb wiederholtes Spritzen wenig bringt. Nützlingsanbieter bestimmen die Art und stellen die passende Kombination zusammen; für Bestände, die verkauft werden, berät der amtliche Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woher weiß ich, ob es Thripse und nicht Spinnmilben sind?
Beide erzeugen eine helle Sprenkelung. Spinnmilben hinterlassen zusätzlich feine Gespinste, Thripse nicht. Typisch für Thripse sind der silbrige Glanz der Saugstellen und die schwarzen, abwischbaren Kotpünktchen auf dem Blatt.
Warum verschwinden Thripse nach dem Spritzen nicht?
Die Eier stecken im Blattgewebe und die Puppen sitzen im Substrat – beide Stadien erreicht kein Kontaktmittel. Aus ihnen schlüpfen laufend neue Tiere. Deshalb müssen Sie über mindestens drei bis vier Wochen wiederholt behandeln und das Substrat mit einbeziehen.
Können Thripse Menschen stechen?
Bei Massenauftreten im Sommer, etwa nach der Getreideernte, landen Thripse auf der Haut und probieren dort zu stechen. Das kann kurz jucken, ist aber harmlos. Krankheiten übertragen sie auf den Menschen nicht.
Helfen Blautafeln gegen Thripse?
Blautafeln zeigen einen Befall früh an, weil Thripse stärker auf Blau als auf Gelb reagieren. Sie fangen jedoch nur die fliegenden erwachsenen Tiere. Als alleinige Bekämpfung reichen sie nicht aus, als Kontrollinstrument sind sie sehr hilfreich.