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Pflanzenschädling

Spinnmilben

Spinnmilben fallen meist erst auf, wenn die Blätter schon fahl gesprenkelt sind und feine Gespinste zwischen Blattstiel und Trieb hängen. Die Tiere selbst sind kaum einen halben Millimeter groß. Ein Befall ist selten ein Zeichen für schlechte Pflege, sondern fast immer eine Folge von zu warmer, zu trockener Luft – typisch für die Heizperiode am Fensterbrett.

Spinnmilben erkennen

Zur Familie der Spinnmilben (Tetranychidae) gehören weltweit rund 1.200 Arten. An Zimmerpflanzen, im Wintergarten und im Gewächshaus dominiert die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae). Ihre Weibchen werden 0,4 bis 0,6 mm lang, die Männchen bleiben etwas kleiner. Der ovale Körper ist im Sommer durchscheinend gelbgrün und trägt zwei dunkle Flecken an den Seiten; die Überwinterungsweibchen färben sich orangerot. Erwachsene Tiere haben wie alle Milben acht Beine.

  • Feine helle Sprenkelung auf der Blattoberseite – jeder Punkt ist eine leergesaugte Zellgruppe
  • Zarte Gespinste in Blattachseln, an Triebspitzen und über den Blattunterseiten
  • Später vergilbte, bronzefarben vertrocknende Blätter und vorzeitiger Blattfall
  • Nachweis mit der Lupe auf der Blattunterseite oder durch Abklopfen über weißem Papier

Wichtig: Nicht jede Sprenkelung stammt von Spinnmilben. Silbrig glänzende Flecken mit schwarzen Kotpünktchen sprechen für Thripse, klebrige Blätter eher für Wollläuse oder Schildläuse. Gespinste finden Sie nur bei Spinnmilben.

Lebensweise

Spinnmilben stechen einzelne Blattzellen an und saugen sie leer. Die Entwicklung vom Ei über die Larve und zwei Nymphenstadien bis zum erwachsenen Tier dauert temperaturabhängig etwa zehn bis dreißig Tage; bei 25 bis 30 Grad und trockener Luft geht es am schnellsten. Ein Weibchen legt im Lauf seines Lebens weit über hundert Eier. So wächst eine anfangs übersehene Kolonie in einer beheizten Wohnung binnen weniger Wochen zu einem sichtbaren Befall heran.

Im Freiland folgen in Mitteleuropa je nach Witterung mehrere Generationen pro Jahr aufeinander. Ab dem Spätsommer bilden sich die orangeroten Winterweibchen, die sich in Rindenritzen, unter Laub oder in Spalten des Gewächshauses zurückziehen und dort den Winter überdauern. In Innenräumen entfällt diese Pause: Bei gleichbleibender Wärme vermehren sich die Milben ganzjährig. Kühle, feuchte Witterung bremst sie dagegen spürbar.

Schäden und Risiken

Der Schaden ist rein pflanzlicher Natur. Für Menschen und Haustiere sind Spinnmilben harmlos: Sie stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und leben auch nicht in Betten oder Polstern wie die Hausstaubmilbe.

An der Pflanze summieren sich die Saugstellen zu einem echten Verlust an Blattgrün. Empfindlich reagieren unter den Zimmerpflanzen vor allem Palmen, Drachenbaum, Efeu, Zimmerlinde, Hibiskus und Zitruspflanzen, im Gemüsebau Gurken, Bohnen, Tomaten und Auberginen. Bleibt ein starker Befall unbehandelt, vertrocknen die Blätter von unten nach oben, und schwache Pflanzen sterben ab. Wichtig für die Erfolgskontrolle: Bereits gesprenkelte Blätter erholen sich nicht mehr. Ob eine Behandlung gewirkt hat, zeigt erst der neue Austrieb.

Vorbeugen

  • Luftfeuchte anheben: regelmäßig lüften, Pflanzen in Gruppen stellen, Untersetzer mit Blähton und Wasser nutzen, Heizungsluft nicht direkt auf die Pflanze leiten
  • Gefährdete Arten alle ein bis zwei Wochen abbrausen und dabei die Blattunterseiten benetzen
  • Neue Pflanzen zwei bis drei Wochen getrennt aufstellen und wöchentlich kontrollieren
  • Nicht überdüngen – stickstoffreiches, weiches Gewebe wird stärker besiedelt
  • Im Gewächshaus vor dem Frühjahr Ritzen, Stellagen und Pflanzstäbe reinigen, in denen Winterweibchen sitzen

Bekämpfen

Beginnen Sie mechanisch. Stark befallene Blätter abschneiden und entsorgen, die Pflanze in der Dusche oder im Freien gründlich von unten abbrausen, danach für einige Tage locker in eine durchsichtige Tüte stellen. Die hohe Luftfeuchte darin setzt den Milben stark zu. Lüften Sie die Tüte täglich, damit die Pflanze nicht fault.

Zuverlässig wirken Raubmilben, und zwar nicht nur im Gewächshaus, sondern auch an einzelnen Zimmerpflanzen. Phytoseiulus persimilis arbeitet ab etwa 20 Grad und bei höherer Luftfeuchte sehr schnell, Neoseiulus californicus kommt mit trockenerer Luft zurecht. Nützlinge und Spritzmittel schließen sich aus – wer beides mischt, verliert die Raubmilben.

Für den chemischen Weg stehen im Haus- und Kleingarten Präparate auf Basis von Rapsöl oder Kaliseife zur Verfügung. Sie wirken über Kontakt und müssen deshalb die Blattunterseiten vollständig benetzen. Meist sind mehrere Behandlungen im Abstand von fünf bis sieben Tagen nötig, weil die Eier nicht miterfasst werden. Erlaubt ist ausschließlich, was für nicht-berufliche Anwender zugelassen ist und laut Gebrauchsanleitung für diese Kultur gilt. Selbst gemischte Hausmittel mit Spülmittel oder Spiritus sind nach dem Pflanzenschutzgesetz nicht zulässig und schädigen die Blätter oft mehr als die Milben.

Tipp: Behandeln Sie immer die Nachbarpflanzen mit. Spinnmilben wandern über sich berührende Blätter, gemeinsame Untersetzer und Ihre Kleidung weiter; eine einzeln behandelte Pflanze ist nach zwei Wochen wieder besiedelt.

Wann zum Profi?

Bei einzelnen Zimmerpflanzen kommen Sie in aller Regel selbst zurecht. Fachlicher Rat lohnt sich, wenn ein Gewächshaus, ein Wintergarten oder eine größere Sammlung betroffen ist, wenn wiederholte Behandlungen ohne Wirkung bleiben – Spinnmilben können bei häufigem Mitteleinsatz Resistenzen entwickeln – oder wenn Sie die Art nicht sicher zuordnen können. Nützlingsanbieter und Gartenbaubetriebe stellen die passende Raubmilbenmischung zusammen. Für Kulturen, die verkauft werden, berät der amtliche Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Woran erkenne ich Spinnmilben, wenn ich die Tiere selbst nicht sehe?

Halten Sie ein Blatt gegen das Licht: Die feine helle Sprenkelung der Saugstellen ist deutlich sichtbar. Ein zweites Indiz sind zarte Gespinste in den Blattachseln und an den Triebspitzen. Zur Sicherheit klopfen Sie das Blatt über weißem Papier aus – die winzigen Punkte beginnen dann zu kriechen.

Sind Spinnmilben für Menschen oder Haustiere gefährlich?

Nein. Spinnmilben leben ausschließlich von Pflanzensaft, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Sie besiedeln auch keine Betten, Polster oder Teppiche. Der Schaden bleibt vollständig auf die Pflanzen beschränkt.

Hilft es, die Pflanze einfach abzuduschen?

Abbrausen entfernt einen großen Teil der Tiere und ist ein sinnvoller erster Schritt, reicht allein aber selten aus. Die Eier bleiben haften, sodass nach wenigen Tagen neue Milben schlüpfen. Wiederholen Sie die Behandlung mehrfach im Abstand von etwa fünf Tagen oder setzen Sie zusätzlich Raubmilben ein.

Warum kommen Spinnmilben im Winter besonders oft?

Heizungsluft ist warm und trocken – genau die Bedingungen, unter denen sich die Milben am schnellsten vermehren. Gleichzeitig fehlen im Zimmer natürliche Gegenspieler und Regen. Höhere Luftfeuchte und regelmäßiges Abbrausen sind deshalb die wirksamste Vorbeugung.