Zum Inhalt springen
Pflanzenschädling

Gemeine Schermaus

Wenn im Garten Erdhaufen auftauchen und wenig später ein Obstbaum welkt oder sich mit der Hand aus dem Boden ziehen lässt, steckt meist die Gemeine Schermaus dahinter. Der Nager ist keine Maus im engeren Sinn, sondern eine große Wühlmaus, die Wurzeln, Knollen und Zwiebeln frisst. Für die Gesundheit ist sie kaum ein Thema, im Nutzgarten richtet sie dafür erheblichen Schaden an. Zuerst gilt es, sie sicher vom geschützten Maulwurf zu unterscheiden.

Schermaus und Befall erkennen

Schermäuse werden 12 bis 22 cm lang, wiegen 80 bis 180 g und haben dichtes braunes bis dunkelbraunes Fell. Kennzeichnend sind die stumpfe Schnauze, die im Fell verborgenen Ohren und der behaarte Schwanz von etwa halber Körperlänge. Zu sehen bekommt man die Tiere selten, dafür ihre Spuren.

  • Flache, unregelmäßige Erdhaufen mit groben Erdbrocken, Wurzel- und Pflanzenresten
  • Gänge dicht unter der Oberfläche, im Querschnitt breiter als hoch (4 bis 8 cm)
  • Angenagte Wurzeln und Wurzelhälse, junge Bäume lassen sich anheben
  • Welkende Einzelpflanzen, in den Boden gezogene Salat- oder Möhrenreihen
  • Abgenagte Rinde an Obstgehölzen knapp unter der Erdoberfläche

Der Maulwurf wirft dagegen hohe, runde und feinkrümelige Haufen auf, sein Gang liegt mittig darunter und ist rund. Er frisst keine Pflanzen, sondern Regenwürmer und Insektenlarven. Deutlich kleiner sind Feldmaus und Hausmaus sowie andere Mäuse, deren Löcher nur zwei bis drei Zentimeter weit sind.

Wichtig: Der Maulwurf ist nach § 44 BNatSchG besonders geschützt. Er darf weder gefangen noch getötet werden, Verstöße können Bußgelder nach sich ziehen. Prüfen Sie deshalb mit der Verwühlprobe, wer gräbt: Öffnen Sie den Gang auf zehn Zentimetern Länge. Schermäuse verschließen die Stelle binnen Stunden, Maulwürfe lassen sie offen oder umgehen sie unterirdisch.

Lebensweise

Schermäuse legen weitverzweigte Gangsysteme mit Nest- und Vorratskammern an, die bis 60 cm tief reichen. Sie halten keinen Winterschlaf und sind in Schüben aktiv. Sie fressen Wurzeln, Knollen, Zwiebeln, Rinde und Gemüse, pro Tag etwa so viel, wie sie selbst wiegen.

Die Fortpflanzung läuft von März bis Oktober. Nach 21 Tagen Tragzeit kommen zwei bis sechs Junge zur Welt, ein Weibchen bringt zwei bis vier Würfe im Jahr. Die Nachkommen sind nach rund zwei Monaten selbst fortpflanzungsfähig. In guten Jahren wächst der Bestand sprunghaft, einzelne Tiere leben aber selten länger als ein Jahr.

Schäden und Risiken

Im Garten trifft es zuerst Obstbäume: Nagt die Schermaus den Wurzelhals ringsum ab, stirbt der Baum ab, oft erst Wochen später sichtbar. Ebenso betroffen sind Sellerie, Möhren, Kartoffeln und Blumenzwiebeln. An Böschungen und Teichrändern untergraben die Gänge das Erdreich, Wege sacken ab. Schermäuse können Tularämie und Leptospiren übertragen und dienen zusätzlich als Zwischenwirt des Fuchsbandwurms. Fassen Sie tote Tiere deshalb nur mit Handschuhen an und waschen Sie danach die Hände.

Vorbeugen

  • Obstbäume und Stauden mit Wurzelschutzkörben aus Draht (Maschenweite 13–16 mm) pflanzen
  • Hochbeete und Gemüseflächen mit Drahtgeflecht am Boden und 50–60 cm tiefer Randsperre sichern
  • Rasen kurz halten, Mulchschichten und Reisighaufen in Beetnähe entfernen
  • Sitzstangen für Greifvögel aufstellen und Gartenränder zweimal jährlich auf frische Gänge kontrollieren

Bekämpfen

Am zuverlässigsten wirken Fallen. Suchen Sie mit einem Suchstab den Hauptgang zwischen zwei Erdhaufen, öffnen Sie ihn vorsichtig und setzen Sie zwei Zangen- oder Bügelfallen mit den Öffnungen in beide Gangrichtungen. Decken Sie die Stelle lichtdicht mit einem Brett ab und kontrollieren Sie täglich. Sellerie- oder Möhrenstücke erhöhen die Fangquote. Rechnen Sie mit mehreren Wochen.

Ultraschallgeräte, Vibrationsstäbe, Buttermilch, Karbid und eingeleitete Motorabgase bringen nichts und sind teilweise verboten, Kaiserkrone und Knoblauch ebenso wenig. Giftköder mit Zinkphosphid gehören ausschließlich in geschulte Hände, weil sie Hunde, Katzen und Greifvögel gefährden. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Stellen Sie Fallen im zeitigen Frühjahr auf, bevor die erste Vermehrung startet. Ein im März gefangenes Weibchen erspart Ihnen bis zum Herbst mehr als ein Dutzend Nachkommen.

Wann zum Profi?

Einzelne Tiere im Hausgarten bekommen Sie mit Fallen selbst in den Griff. Fachliche Hilfe brauchen Sie bei flächigem Befall in Obstanlagen, bei untergrabenen Deichen oder wenn nach acht Wochen Fangen weiter frische Haufen erscheinen. Der Einsatz von Nagetierködern im Freiland ist an Sachkundenachweise gebunden.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Schermaus und Maulwurf?

Der Maulwurf wirft hohe, runde und feinkrümelige Haufen mit dem Gang genau darunter auf. Schermaushaufen sind flacher, unregelmäßig, enthalten grobe Erdbrocken sowie Wurzelreste, und der Gang verläuft seitlich versetzt. Sicherheit gibt die Verwühlprobe: Ein geöffneter Gang wird von der Schermaus binnen Stunden zugeschoben.

Darf ich Schermäuse fangen und töten?

Ja, die Gemeine Schermaus unterliegt keinem besonderen Artenschutz und darf im Garten bekämpft werden. Das Tierschutzgesetz verlangt aber Fallen, die sofort töten, sowie tägliche Kontrolle. Der Maulwurf ist dagegen besonders geschützt und darf nicht gefangen werden.

Helfen Ultraschall oder Kaiserkronen gegen Schermäuse?

Nein. Für Ultraschall- und Vibrationsgeräte gibt es keinen belastbaren Wirknachweis, die Tiere gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran. Auch Kaiserkrone, Knoblauch oder Buttermilch in den Gängen zeigen keine Wirkung. Wirksam sind Fallen und mechanische Wurzelschutzkörbe.

Wie schütze ich neu gepflanzte Obstbäume?

Setzen Sie den Baum in einen Wurzelschutzkorb aus Draht mit 13 bis 16 mm Maschenweite, der bis über die Bodenoberfläche reicht. Der Korb schützt den Wurzelballen in den ersten Jahren, bis das Wurzelwerk kräftig genug ist. Halten Sie die Baumscheibe zusätzlich frei von Mulch und hohem Gras.