Erdflöhe / Flohkäfer
Radieschenblätter, die aussehen wie mit einer Nadel durchstochen, und winzige Käfer, die beim Gießen davonspringen: Das sind Erdflöhe. Mit Flöhen haben sie nichts zu tun, sie sind Blattkäfer. Betroffen sind vor allem Frühjahrsaussaaten von Radieschen, Rucola und Kohl – in Hochbeeten und Pflanzgefäßen meist stärker als im Gartenboden.
Erdflöhe erkennen
Erdflöhe sind 1,5 bis 3 mm lang, oval und hart glänzend. Ihre Hinterschenkel sind stark verdickt, daher der namengebende Sprung. Im Gemüsebeet dominieren Arten der Gattung Phyllotreta: der Schwarze Kohlerdfloh (Phyllotreta atra) einfarbig blauschwarz, der Gewelltstreifige (P. undulata) und der Gelbstreifige Kohlerdfloh (P. nemorum) mit je einem hellgelben Längsstreifen auf jeder Flügeldecke.
- Springen bei der kleinsten Erschütterung weg, statt zu krabbeln
- Runde Löcher von ein bis zwei Millimetern in jungen Blättern, später sieb- bis netzartig durchbrochen
- Sitzen bei Sonne oben auf den Blättern, bei Regen und nachts am Boden
Nicht verwechseln: Echte Flöhe sind seitlich zusammengedrückt, flügellos und leben auf Wirbeltieren. Erdflöhe dagegen sind Käfer mit harten Flügeldecken und fressen ausschließlich an Pflanzen. Sie stechen nicht, beißen nicht und gehen weder an Menschen noch an Haustiere.
Lebensweise
Die Käfer überwintern erwachsen im Boden, unter Laub, in Hecken und Grasbüscheln. Ab Ende April wandern sie in Bestände von Kreuzblütlern ein, bei warmer Witterung auch früher. Die Weibchen legen ihre Eier in den Boden dicht an die Wurzeln. Die weißlichen Larven fressen dort an Feinwurzeln und Wurzelhals; die Larven des Gelbstreifigen Kohlerdflohs minieren stattdessen in den Blättern. Ab Juli erscheint die neue Käfergeneration, die im Herbst ins Winterquartier abwandert. In warmen Jahren sind zwei Generationen möglich.
Erdflöhe bevorzugen Wärme und Trockenheit. Nach trockenen, warmen Frühjahren treten sie regelmäßig massenhaft auf. Hochbeete und Töpfe trifft es besonders, weil sich das Substrat schneller erwärmt und die Oberfläche rascher abtrocknet als gewachsener Gartenboden.
Schäden und Risiken
Typisch ist der Lochfraß der erwachsenen Käfer: erst kleine Fraßgruben in der Blattoberseite, aus denen binnen Tagen Löcher werden. Ältere, kräftige Pflanzen stecken das weg. Kritisch wird es bei Keimlingen und im Zwei- bis Vierblattstadium, denn hier kann ein Bestand innerhalb einer Woche so stark geschädigt werden, dass er stehen bleibt oder ganz ausfällt. Bei Radieschen und Rettich kommt der Wurzelfraß der Larven dazu.
Für Menschen sind Erdflöhe harmlos. Angefressene Blätter von Rucola, Radieschen oder Asiasalat lassen sich nach gründlichem Waschen essen – die Löcher sind ein Schönheitsfehler, kein Hygieneproblem. Anders als beim Kartoffelkäfer lassen sich die Tiere allerdings nicht absammeln: Sie springen weg, lange bevor die Hand am Blatt ist.
Vorbeugen
- Kulturschutznetz mit rund 0,8 mm Maschenweite direkt nach der Aussaat auflegen und ringsum dicht am Boden beschweren – die wirksamste Einzelmaßnahme
- Boden gleichmäßig feucht halten, vor allem in den ersten drei Wochen nach der Aussaat
- Regelmäßig flach hacken, das stört die Eiablage und legt Larven frei
- Mit Rasenschnitt oder feinem Stroh mulchen, damit die Oberfläche kühl und feucht bleibt
- Fruchtfolge einhalten und Kreuzblütler nicht mehrere Jahre auf dieselbe Fläche säen
- Aussaat verschieben: Sätze ab Mitte August entgehen dem Hauptzuflug im Frühjahr
Bekämpfen
Ist der Zuflug im Gange, hilft Wasser am schnellsten. Erdflöhe meiden nasses Laub, deshalb bremst zweimal tägliches Überbrausen den Fraß spürbar. Auf kleiner Fläche funktioniert außerdem eine Gelbtafel oder ein leimbestrichenes Brett, das man flach über den Bestand führt und dabei die Blätter leicht berührt: Die Käfer springen hoch und bleiben kleben.
Gegen die Larven im Boden lassen sich Nematoden der Art Steinernema feltiae mit dem Gießwasser ausbringen. Sie wirken nur bei Bodentemperaturen über etwa 12 °C und in feuchtem Substrat. Pflanzenschutzmittel spielen im Hausgarten kaum eine Rolle, weil die Käfer aus der Umgebung ständig nachfliegen. Setzen Sie im Garten grundsätzlich nur Mittel ein, die ausdrücklich für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen sind. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Kaffeesatz, Backpulver und Essigwasser bringen gegen Erdflöhe nichts. Gesteinsmehl, dünn auf feuchte Blätter gestäubt, kann den Fraß kurzzeitig stören, weil der raue Belag das Blatt für die Käfer unattraktiv macht. Nach jedem Regen erneuern.
Wann zum Profi?
Ein Schädlingsbekämpfer ist hier der falsche Ansprechpartner: Erdflöhe sind ein Anbauproblem, kein Hygieneproblem. Bei wiederholten Totalausfällen lohnt sich die Pflanzenschutzberatung der Landwirtschaftskammer oder des Pflanzenschutzdienstes Ihres Bundeslandes, dort wird auch die Art bestimmt.
Springen die Tiere dagegen in der Wohnung und nicht am Gemüse, sind es keine Erdflöhe. In Blumentopferde stecken meist Springschwänze dahinter, im Teppich eines Haushalts mit Hund oder Katze eher echte Flöhe – und die gehören tatsächlich in professionelle Hand.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Sind Erdflöhe gefährlich für Menschen oder Haustiere?
Nein. Erdflöhe sind Blattkäfer und fressen ausschließlich an Pflanzen. Sie stechen und beißen nicht und gehen weder an Menschen noch an Hund oder Katze. Mit echten Flöhen sind sie nicht einmal verwandt, der Name kommt allein vom Sprungvermögen.
Kann ich Radieschen und Rucola mit Löchern noch essen?
Ja. Der Fraß ist ein Schönheitsfehler, kein Hygieneproblem. Waschen Sie die Blätter gründlich ab, dann können Sie sie normal verwenden. Krankheitserreger oder Rückstände hinterlassen die Käfer nicht.
Warum sind Erdflöhe im Hochbeet so viel schlimmer?
Substrat im Hochbeet erwärmt sich schneller und trocknet an der Oberfläche rascher ab als gewachsener Gartenboden. Genau diese Bedingungen bevorzugen Erdflöhe. Gleichmäßiges Wässern und eine dünne Mulchschicht gleichen den Nachteil weitgehend aus.
Was hilft am schnellsten gegen den Lochfraß?
Am zuverlässigsten wirkt ein Kulturschutznetz, das direkt nach der Aussaat aufliegt. Ist der Zuflug schon im Gange, bremst zweimal tägliches Überbrausen den Fraß, denn die Käfer meiden nasses Laub. Gegen die Larven im Boden lassen sich Nematoden mit dem Gießwasser ausbringen.