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Pflanzenschädling

Gefurchter Dickmaulrüssler

Wer morgens u-förmig ausgefressene Kerben am Blattrand von Rhododendron, Kirschlorbeer oder Efeu entdeckt, hat es fast immer mit dem Gefurchten Dickmaulrüssler zu tun. Der Käfer frisst ausschließlich nachts und sitzt tagsüber unsichtbar am Pflanzenfuß. Der Blattfraß sieht dabei schlimmer aus, als er ist. Der eigentliche Schaden entsteht unter der Erde, wo die Larven die Wurzeln abfressen.

Gefurchter Dickmaulrüssler erkennen

Der Käfer ist 8 bis 13 mm lang, länglich-oval und mattschwarz bis dunkelgrau. Auf den Flügeldecken sitzen feine gelbliche Schuppenhaarflecken, die frisch geschlüpfte Tiere fast gesprenkelt wirken lassen. Namensgebend sind die Längsfurchen auf den Flügeldecken; dazu kommt der kurze, breite Rüssel. Die Flügeldecken sind miteinander verwachsen, der Käfer kann nicht fliegen – er läuft aber schnell und klettert gut.

  • Buchtenfraß: u-förmige Kerben, vom Blattrand nach innen ausgefressen
  • Larven cremeweiß, beinlos, gekrümmt, bis 12 mm lang, mit brauner Kopfkapsel
  • In Mitteleuropa gibt es praktisch nur Weibchen – jedes gefundene Tier kann Eier legen

Der Fraß beginnt immer am Rand. Sitzen die Löcher mitten im Blatt oder ist die Pflanze skelettiert, kommen andere Verursacher infrage, etwa Raupen wie der Buchsbaumzünsler oder die Spanische Wegschnecke, die zusätzlich Schleimspuren hinterlässt.

Wichtig: Welkt eine Kübel- oder Zimmerpflanze trotz feuchter Erde und lässt sie sich fast ohne Widerstand aus dem Topf ziehen, sind meist Larven am Werk. Klopfen Sie den Ballen aus und suchen Sie die weißen Maden. Der Blattfraß ist ein kosmetisches Problem, der Wurzelfraß kostet die Pflanze das Leben.

Lebensweise

Die Jungkäfer schlüpfen ab Ende Mai. Nach einigen Wochen Reifungsfraß beginnt die Eiablage; ein Weibchen bringt es im Lauf des Sommers auf mehrere hundert bis rund tausend Eier, die einzeln in feuchte, humose Erde abgelegt werden. Männchen spielen dabei keine Rolle: Die Art pflanzt sich hierzulande parthenogenetisch fort, aus den Eiern schlüpfen ausschließlich Weibchen.

Ab August fressen die Larven an Feinwurzeln, später auch an der Rinde des Wurzelhalses. Sie überwintern im Boden, fressen im Frühjahr weiter und verpuppen sich ab Ende April. Im Freiland entsteht so eine Generation pro Jahr. In Gewächshäusern, Wintergärten und beheizten Wohnräumen fällt die Winterruhe weg, dort überlappen sich die Generationen und die Entwicklung läuft ganzjährig.

Das Wirtspflanzenspektrum umfasst über hundert Pflanzenarten, darunter Rhododendron und Azalee, Kirschlorbeer, Eibe, Liguster, Efeu, Erdbeere, Rose, Fuchsie und Alpenveilchen. In den Garten kommen die Tiere fast immer mit gekaufter Ware – als Larve im Wurzelballen.

Schäden und Risiken

Der Buchtenfraß der Käfer beeinträchtigt gesunde Gehölze kaum, er stört vor allem optisch. Anders die Larven: Sie zerstören das Feinwurzelwerk und schälen bei starkem Besatz die Rinde am Wurzelhals ringförmig ab. Die Pflanze bekommt kein Wasser mehr, welkt, wirft Blätter ab und stirbt. In Töpfen und Kübeln mit begrenztem Wurzelraum geht das besonders schnell, ebenso bei jungen Gehölzen und frisch gepflanzten Stauden.

Für Menschen und Haustiere ist der Käfer harmlos: Er beißt nicht, sticht nicht und überträgt keine Krankheiten.

Vorbeugen

  • Neu gekaufte Pflanzen vor dem Einpflanzen austopfen und den Ballen auf Larven prüfen
  • Dicke Mulch- und Laubschichten direkt am Stammfuß reduzieren, sie sind das Tagesversteck der Käfer
  • Umgedrehte, mit Holzwolle gefüllte Tontöpfe als Kontrollfallen zwischen die Pflanzen stellen und morgens ausschütteln

Kübelpflanzen, die im Herbst ins Haus kommen, topfen Sie vorher um: Frisches Substrat verhindert, dass Larven im warmen Winterquartier ungestört weiterfressen. Vögel, Igel und Laufkäfer fressen die Käfer, ein strukturreicher Garten hält den Bestand von allein niedrig.

Bekämpfen

Die wirksamste Methode im Hausgarten sind insektenpathogene Nematoden – meist Heterorhabditis bacteriophora oder Steinernema kraussei. Sie dringen in die Larven ein und töten sie binnen weniger Tage. Entscheidend sind die Bedingungen: Der Boden muss feucht sein und je nach Nematodenart mindestens 8 bis 12 °C haben. In der Praxis heißt das April bis Mai und, meist wirksamer, August bis September, wenn die jungen Larven im Boden sitzen.

Die Käfer selbst sammelt man ab: nach Einbruch der Dunkelheit mit der Taschenlampe absuchen oder ein helles Tuch unterlegen und die Zweige abklopfen. Bei Topfpflanzen ist der schnellste Weg, das gesamte Substrat zu entfernen, die Wurzeln abzuspülen und in frische Erde zu setzen. Chemische Präparate bringen wenig, weil die Larven tief im Wurzelraum sitzen. Kleine schwarze Fliegen über der Topferde haben übrigens nichts mit dem Rüsselkäfer zu tun, das sind Trauermücken.

Tipp: Nematoden abends oder bei bedecktem Himmel ausbringen, den Boden vorher wässern und danach zwei bis drei Wochen feucht halten. UV-Licht und trockene Erde töten die Fadenwürmer, bevor sie die Larven erreichen. Daran, nicht am Produkt, scheitern die meisten Anwendungen.

Wann zum Profi?

Im Privatgarten kommen Sie mit Nematoden, Absammeln und frischem Substrat in der Regel selbst zurecht. Fachliche Hilfe lohnt sich, wenn ganze Hecken oder Rhododendronbestände nach und nach ausfallen oder wenn Sie den Verursacher nicht sicher zuordnen können. Ansprechpartner sind dann eher Gartenbaubetriebe und die Pflanzenschutzberatung der Landwirtschaftskammern als klassische Schädlingsbekämpfer. Zeigen sich zusätzlich Wurzelschäden im Rasen, denken Sie auch an die Engerlinge des Gartenlaubkäfers.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Woran erkenne ich, dass wirklich ein Dickmaulrüssler am Werk ist?

Typisch sind u-förmige Kerben, die vom Blattrand nach innen ausgefressen sind – nie Löcher mitten im Blatt. Suchen Sie nach Einbruch der Dunkelheit mit der Taschenlampe an der Pflanze, tagsüber sind die Käfer nicht zu sehen. Schleimspuren sprechen für Schnecken, skelettierte Blätter eher für Raupen.

Wann bringe ich Nematoden gegen Dickmaulrüssler aus?

Sinnvoll sind zwei Zeitfenster: April bis Mai und, meist wirksamer, August bis September. Die Bodentemperatur muss je nach Nematodenart mindestens 8 bis 12 °C betragen und der Boden feucht sein. Bringen Sie die Fadenwürmer abends aus und halten Sie die Fläche danach zwei bis drei Wochen feucht.

Muss ich eine befallene Kübelpflanze wegwerfen?

Meist nicht. Topfen Sie die Pflanze aus, entsorgen Sie das gesamte Substrat, spülen Sie die Wurzeln ab und setzen Sie sie in frische Erde. Ist der Wurzelhals noch intakt, treibt die Pflanze in der Regel wieder aus.

Ist der Käfer im Haus gefährlich?

Nein. Er beißt und sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Problematisch wird er im Haus nur, wenn Larven im Topfballen von Zimmer- oder Kübelpflanzen sitzen und dort ganzjährig weiterfressen.