Apfelwickler
Ein Apfel mit kleinem Bohrloch, aus dem trockene braune Krümel quellen, und innen ein Gang bis ins Kernhaus: Das ist die klassische Obstmade. Dahinter steckt die Raupe des Apfelwicklers, eines unscheinbaren Nachtfalters. Er ist der häufigste Grund dafür, dass Äpfel aus dem eigenen Garten wurmstichig sind.
Apfelwickler erkennen
Der Falter ist rund 10 mm lang und erreicht 15 bis 20 mm Flügelspannweite. Die Vorderflügel sind graubraun mit feinen welligen Querlinien; am äußeren Flügelrand sitzt ein kupferbraun bis bronzefarben schimmernder Fleck, das sicherste Erkennungsmerkmal. Tagsüber sitzt das Tier regungslos an der Rinde und ist kaum zu entdecken, geflogen wird in der Dämmerung ab etwa 15 Grad. Die Raupe wird bis 20 mm lang, ist gelblich weiß bis zart rosa und hat eine braune Kopfkapsel.
- Bohrloch mit trockenem, bröseligem Kot an der Frucht, oft in der Kelchgrube oder dort, wo zwei Äpfel sich berühren
- Beim Aufschneiden ein Gang bis ins Kernhaus, angefressene Kerne und braun verfärbtes Fruchtfleisch
- Vorzeitiger Fruchtfall ab Juli; befallene Äpfel färben sich früher aus als die gesunden am selben Baum
Wichtig: Ähnliche Löcher hinterlässt auch die Apfelsägewespe, sie tritt aber deutlich früher auf, bereits ab Mai an haselnussgroßen Früchten. Ihr Kot ist feucht und schmierig und riecht unangenehm, außerdem zeigen sich verkorkte, spiralförmige Narben auf der Schale. Wer die beiden verwechselt, behandelt zum falschen Zeitpunkt.
Lebensweise
Der Apfelwickler überwintert als ausgewachsene Raupe in einem dichten Kokon, meist unter losen Borkenschuppen, in Stammritzen, an Baumpfählen, in Obstkisten oder in hängen gebliebenen Fruchtmumien. Im Frühjahr verpuppt er sich, die ersten Falter schlüpfen je nach Witterung von Ende April bis Mitte Mai. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln auf Blätter und junge Früchte, bevorzugt an warmen, windstillen Abenden.
Nach ein bis zwei Wochen schlüpft die Raupe. Sie legt zunächst einen feinen Gang dicht unter der Fruchthaut an und dringt dann zum Kernhaus vor, wo sie die Samen frisst. Nach drei bis fünf Wochen verlässt sie den Apfel und sucht ein Versteck. Ob sie dort überwintert oder sich sofort verpuppt, steuert die Tageslänge: In warmen Jahren und in klimatisch begünstigten Regionen entsteht eine zweite Generation, deren Falter ab Juli fliegen und deren Raupen die reifenden Herbstäpfel befallen.
Schäden und Risiken
Befallene Früchte fallen vorzeitig ab oder sind beim Ernten unbrauchbar. Neben Apfel betrifft das auch Birne, Quitte und gelegentlich Walnuss. In ungeschützten Hausgärten kann in warmen Jahren ein großer Teil der Ernte betroffen sein, während einzelne wurmstichige Früchte auch ohne jede Maßnahme normal sind. Gesundheitlich ist die Made unbedenklich: Schneiden Sie die Fraßstellen großzügig heraus, der Rest des Apfels bleibt essbar.
Das größere Problem ist die Lagerung. Über die Bohrlöcher dringen Fäulniserreger ein, befallene Früchte verderben schnell und stecken benachbarte an. Falter im Vorratsschrank haben mit dem Apfelwickler übrigens nichts zu tun; dort sind eher Dörrobstmotten unterwegs, und in überreifem Obst am Baum spielt inzwischen auch die Kirschessigfliege eine Rolle.
Vorbeugen
- Fallobst wöchentlich auflesen und nicht im Garten liegen lassen, sonst verlassen die Raupen die Früchte und überwintern in der Nähe
- Obstkisten und Lagerregale vor dem Einlagern reinigen, alte Fruchtmumien im Winter aus der Krone entfernen
- Nistkästen für Meisen und Quartiere für den Gemeinen Ohrwurm anbieten; beide nehmen Eier und Jungraupen auf
Bekämpfen
Der klassische Fanggürtel aus Wellpappe wird Ende Juni um den Stamm gebunden, die Wellen zum Baum hin. Die abwandernden Raupen kriechen hinein und lassen sich mit dem Gürtel entfernen. Pheromonfallen ab Anfang Mai in die Krone gehängt fangen Männchen und zeigen, wann der Flug einsetzt; ihr Wert liegt in der Terminbestimmung, als alleinige Bekämpfung reichen sie nicht. Zugelassene Präparate mit dem Apfelwickler-Granulovirus wirken sehr gezielt, aber nur in dem kurzen Zeitfenster, in dem die frisch geschlüpfte Raupe noch außen auf der Frucht unterwegs ist; sie müssen deshalb nach Flugbeginn mehrfach ausgebracht werden. Auch Trichogramma-Schlupfwespen als Eiparasiten sind für den Hausgarten erhältlich. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Der Fanggürtel nützt nur, wenn Sie ihn wieder abnehmen. Kontrollieren Sie ihn alle zwei bis drei Wochen und entfernen Sie ihn spätestens im Spätsommer samt Inhalt. Bleibt er bis zum Frühjahr am Stamm hängen, haben Sie den Raupen ein perfektes Winterquartier gebaut.
Wann zum Profi?
Im Hausgarten mit ein bis drei Bäumen kommen Sie mit Fallobstpflege, Fanggürtel und gut getimten Behandlungen erfahrungsgemäß weit. Fachliche Unterstützung lohnt sich, wenn Sie eine größere Streuobstwiese bewirtschaften, wenn Obst verkauft oder verarbeitet wird oder wenn der Befall trotz mehrerer sauber terminierter Anwendungen hoch bleibt. Im letzten Fall kann eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber dem Granulovirus vorliegen, wie sie aus dem Erwerbsobstbau bekannt ist. Die Pflanzenschutzdienste der Länder und die Gartenbauberatung geben regionale Flugprognosen heraus und nennen die aktuell zugelassenen Mittel. Ein Schädlingsbekämpfer ist hier nicht der richtige Ansprechpartner, ein Obstbau- oder Baumpflegebetrieb schon.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann ich einen Apfel mit Made noch essen?
Ja. Die Raupe und ihr Kot sind gesundheitlich unbedenklich. Schneiden Sie den Fraßgang und das braun verfärbte Fruchtfleisch großzügig heraus, der Rest lässt sich essen oder verarbeiten. Zum Einlagern taugen befallene Äpfel allerdings nicht, weil über das Bohrloch Fäulnis eindringt.
Wann hänge ich Pheromonfallen für den Apfelwickler auf?
Ab Anfang Mai, eine Falle je Baum, in die obere Kronenhälfte auf der Wetterseite. Die Falle fängt nur Männchen und dient in erster Linie dazu, den Flugbeginn zu erkennen. Etwa ein bis zwei Wochen nach den ersten Fängen schlüpfen die Raupen, das ist der Zeitpunkt für eine Behandlung.
Wie unterscheide ich Apfelwickler und Apfelsägewespe?
Der Zeitpunkt verrät es meist: Die Apfelsägewespe befällt schon im Mai haselnussgroße Früchte, der Apfelwickler kommt ab Juni. Der Kot der Sägewespe ist feucht, schmierig und riecht unangenehm, der des Apfelwicklers trocken und bröselig. Verkorkte Spiralnarben auf der Schale sprechen ebenfalls für die Sägewespe.
Wann bringe ich den Fanggürtel aus Wellpappe an?
Ende Juni, mit den Wellen zum Stamm hin und möglichst dicht anliegend. Die aus den Früchten abwandernden Raupen verkriechen sich darin. Kontrollieren Sie den Gürtel alle zwei bis drei Wochen und nehmen Sie ihn spätestens im Spätsommer samt Inhalt ab, sonst wird er zum Winterquartier.